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Der Autor

Vincent 68

Vincent Kretschmer (20)
ist Abiturient

Verfolgte Rohingya
Je wieder nach Hause?

18.07.2018 |

Entrechtet, ermordet, vergewaltigt und vertrieben – so ergeht es den Rohingya, einer muslimischen Minderheit in Myanmar. Hundertausende leben in Flüchtlings-Camps. Was kann der Bundestag für sie tun?

Rohingya

Rohingya-Flüchtlinge auf dem Weg über die Grenze nach Bangladesch. Viele haben Angehörige verloren, ihre Dörfer wurden zerstört. – © picture alliance / AP Photo

Es ist eine unvorstellbar große Zahl: Schätzungsweise knapp eine Million Rohingya mussten seit Ende 2016 aus ihrer Heimat Myanmar fliehen. Die Rohingya sind Angehörige einer muslimischen Minderheit, die aus dem südostasiatischen Staat vertrieben wurden und auch in dessen Nachbarländern nicht erwünscht sind.

Zahlreiche Länder und internationale Organisationen verurteilten die Aktionen gegen die Rohingya scharf, manche sprechen gar von ethnischer Säuberung oder Genozid, also Völkermord. Doch verbessert hat sich die Situation der Rohingya nicht, noch immer fliehen sie, Hunderttausende müssen unter sehr schlechten Bedingungen in Flüchtlings-Camps vor allem in Bangladesch leben. Wir haben mit einer Krankenschwester gesprochen, die einige Monate in dem weltweit größten Camp gearbeitet hat. Sie schildert, wie die Vertriebenen dort untergebracht sind.

Was ist passiert?

Die Rohingya leben laut Aussage der "Arakan Rohingya National Organisation" seit jeher in Rakhine, einer Region in Myanmar. Sie gelten als eine von knapp 140 ethnischen Gruppen in Myanmar, mit eigener Sprache und eigenen Bräuchen. Dennoch sind sie dort nicht als offizielle Bevölkerungsgruppe anerkannt. Sie besitzen auch nicht die myanmarische Staatsbürgerschaft, was mit vielen Problemen einhergeht, da die Mehrheit sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch betrachtet, also als Fremde. Es gab zwar zu Zeiten des britischen Kolonialreichs Migration vom heutigen Bangladesch ins heutige Myanmar. Doch da beide Länder damals britische Kolonien waren, handelte es sich quasi um Binnenmigration. Insgesamt ist die Geschichte der Rohingya aber noch wenig erforscht.

Welle der Gewalt

Der stets präsente Konflikt zwischen den muslimischen Rohingya und der buddhistischen Mehrheit in Myanmar eskalierte erneut im Jahr 2016, nachdem Kämpfer einer Rebellengruppe der Rohingya im Oktober Grenzposten töteten. Daraufhin begannen Polizei und Armee Myanmars mit der systematischen Verfolgung der Rohingya. Seitdem hat sich die Situation der Rohingya drastisch verschlechtert.

Berichten von NGOs zufolge kam es daraufhin zu zahllosen Massakern an den Rohingya. Mindestens 10.000 wurden nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen getötet. Außerdem sollen innerhalb einer Woche tausende Häuser niedergebrannt worden sein, auch von Vergewaltigungen an Frauen und Mädchen ist die Rede. Dies führte zu einem enormen Anstieg der Flüchtlingsströme: Seit August 2017 flohen Hunderttausende Rohingya nach Bangladesch – unterschiedliche Quellen sprechen von 600.000 bis mehr als 900.000 Geflüchteten.

Allerdings sind die Rohingya nicht immer die Opfer: Erst kürzlich berichtete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International von Gräueltaten der muslimischen Rebellengruppe ARSA an einer hinduistischen Minderheit.

Was tut die Regierung?

Was die Gewaltexzesse gegen die Rohingya betrifft so steht insbesondere Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in der Kritik, da sie, als Quasi-Regierungschefin Myanmars, die Verbrechen nicht eindeutig verurteilte. Die Regierung hatte zwar schon im September 2016 eine Kommission unabhängiger in- und ausländischer Experten unter Vorsitz von Kofi Annan einberufen, die Empfehlungen zur Lösung der Krise vorgelegt hat. Doch die Lage hat sich bislang nicht verbessert.

Wie kam es zum Konflikt?

Der Konflikt der Rohingya hat eine lange Geschichte. Bereits im Zweiten Weltkrieg wuchsen die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen. Während der Kriegswirren gipfelten die, in dem von Japanern und Briten umkämpften Gebiet, in gegenseitiger offener Feindschaft. Als Myanmar 1948 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erklärte, gelang es den Rohingya, aktiv an der Politik des Landes mitzuwirken. Doch seit dem Militärputsch im Jahr 1962 werden die Rohingyas systematisch verfolgt und entrechtet, was im Entzug der Staatsbürgerschaft 1982 gipfelte. Seitdem sind sie Staatenlose. Auch die jüngste Entwicklung Myanmars, nämlich eine schrittweise Demokratisierung, konnte die Lage der Rohingya nicht verbessern.

Was fordern die Fraktionen?

Mit dem Titel "Die Gewaltexzesse gegen die Rohingya stoppen – Für die vollständige Anerkennung als gleichberechtigte Volksgruppe in Myanmar" haben die Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen einen interfraktionellen Antrag eingereicht, der die Situation der Rohingya in Myanmar verbessern soll. Die Fraktionen forderten in ihrem Antrag unter anderem die Möglichkeit der Rückkehr nach Myanmar für alle Rohingya, die myanmarische Staatsbürgerschaft für sie, eine internationale Untersuchung zu den begangenen Menschenrechtsverletzungen und ein umfassendes Konzept der Regierung gegen die Hasskampagnen. Die Mehrheit im Parlament stimmte für den Antrag, nur die AfD nicht, unter anderem, da die Verbrechen der ARSA nicht hinreichend berücksichtigt würden.

Wie geht es weiter?

Verurteilt haben die Gewalttaten gegen die Rohingya bereits viele Regierungen, doch zur wirklichen Verbesserung der Lage kam es bisher nicht. Zwar hat die Regierung von Myanmar die Rückkehr aller Flüchtlinge aus Bangladesch zugesichert, dies sei laut Experten jedoch kaum mehr realisierbar, da unzählige Dörfer zerstört wurden. Warum ein solcher Antrag trotzdem helfen kann, haben wir die Abgeordnete Gyde Jensen (FDP) im Interview gefragt.

Die komplette Debatte könnt ihr euch im Video anschauen.

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