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Tim Oswald (17)
ist Schüler

Stefan Kaufmann
"Ausbildung nicht so sexy"

10.10.2018 |

Er will Berufsausbildungen attraktiver, digitaler und internationaler machen: Stefan Kaufmann (CDU). Tim hat den Vorsitzenden der Enquete Kommission "Berufliche Bildung" gefragt, wir er das hinbekommen möchte.

Abgeordneter vor neutralem Hintergrund

"Ausbildungen mit Gehältern von teilweise über 1.000 Euro im Monat sind im Vergleich zum Studium, wo man ja noch bezahlen muss, doch sehr attraktiv", findet Stefan Kaufmann (CDU). – © Stefan Kaufmann

Herr Kaufmann, etwa 18 Prozent aller Jobs in Deutschland könnten von Robotern erledigt werden, besagt eine aktuelle Studie. Müssen wir diese Berufe überhaupt noch lernen?

Es ist richtig, dass immer mehr Jobs – zumindest teilweise – von Robotern übernommen werden. Künstliche Intelligenz, also lernende Maschinen, können inzwischen nicht nur einfache, sondern auch komplexere Aufgaben übernehmen. Diese Roboter müssen jedoch auch von jemandem entwickelt, gebaut und gewartet werden. Das heißt, in der sogenannten Robotik entstehen gleichzeitig viele neue Jobs.

Außerdem gibt es sehr viele Jobs, wie zum Beispiel im Handwerk oder im Dienstleitungssektor, die noch nicht von Robotern übernommen werden können. Berufsausbildungen werden also auch in zehn Jahren noch von großer Bedeutung sein.

Weil sich die Berufswelt so schnell verändert, soll jetzt ein Expertenkreis im Bundestag herausfinden, wie sich die "Berufliche Bildung" neu aufstellen muss, Sie sind der Vorsitzende. Was genau werden Sie tun?

Wie in Deutschland die Berufsausbildung funktioniert, das ist weltweit nachgefragt. Viele andere Länder möchten unser sogenanntes duales System gerne kopieren. Dual bedeutet, dass bei uns ein Teil der Ausbildung in den Betrieben und ein Teil in der Schule stattfindet.

Dennoch gibt es verschiedene Probleme: Zum einem möchten immer mehr junge Menschen ihr Abitur machen und später studieren, anstatt eine Ausbildung zu machen. Zum anderen müssen wir bei Digitalisierung, Automatisierung und Robotik noch viel tun. Das ist für größere Betriebe leichter als für kleinere. Letztere müssen wir unterstützen. Zu all diesen Themen wird die Enquete-Kommission Empfehlungen erarbeiten.

Der Abgeordnete Arnold Vaatz (CDU) sagte kürzlich, es gebe nicht nur einen Fachkräftemangel, sondern auch einen Azubi-Mangel, vor allem im Handwerk. Ist die deutsche Berufsausbildung vielleicht einfach zu unattraktiv?

Es fehlen in Deutschland Ingenieure und Facharbeiter. Dies liegt vor allem am schlechten Image der beruflichen Bildung. Viele Menschen empfinden eine Berufsausbildung als nicht so sexy. Und das, obwohl die Ausbildung mit Gehältern von teilweise über 1000 Euro im Monat im Vergleich zum Studium, wo man ja noch bezahlen muss, doch sehr attraktiv ist. Mit Kampagnen für und mit dem deutschen Handwerk wollen wir das Image der Berufsausbildung verbessern.

Studenten legen häufig und gerne Auslandssemester ein. In der Berufsausbildung gibt es kaum Möglichkeiten, in anderen Länder zu arbeiten. Wie könnte sich das ändern?

Hier gibt es bereits das Programm Erasmus+, das nun auch auf Lehrlinge ausgeweitet wurde. Im Jahr 2017 waren 31.000 Auszubildende im Ausland, davon wurden fast die Hälfte – nämlich 14.970 – aus Erasmus+ unterstützt. Mittel aus Erasmus+ werden beispielsweise für das Programm Azubimobil verwendet. Damit werden allein in diesem Jahr 250 Auslandsaufenthalte für deutsche Azubis unterstützt und finanziert. Erst kürzlich habe ich mich mit Kollegen des EU-Parlaments in Brüssel getroffen, um sicherzustellen, dass die Mittel für Erasmus+ und die Mobilität für Auszubildende erhöht werden.

Kommen wir zur Digitalisierung. Ist tatsächlich jeder Beruf betroffen?

Jeder Beruf braucht Digitalisierung natürlich in unterschiedlichem Maße, das ist klar. Aber selbst Fliesenleger nutzen Apps, um ihre Arbeit zu planen. Schon heute überprüfen Dachdecker mit der Hilfe von Drohnen Dächer auf eventuelle Schäden.

Was kann der Staat tun, wenn sich kleine Ausbildungsbetriebe der Digitalisierung verweigern?

Wenn sich ein Betrieb der Digitalisierung verweigert, haben wir es natürlich schwer. Dann können wir nur schulische Aus- und Weiterbildung im Bereich der Digitalisierung schaffen, die dann auch staatlich gefördert wird. Wenn einem Betrieb allerdings Maschinen oder Mittel fehlen, um seinen Azubis dort weiterzubilden, können wir in diesem Bereich unterstützen. Mit dem DigitalPakt Schule werden wir zudem ab dem kommenden Jahr gezielt Schulen und auch Berufsschulen dabei unterstützen, die digitale Ausstattung zu verbessern. Hierfür stehen in dieser Wahlperiode 3,5 Milliarden Euro an Bundesmitteln zur Verfügung.

In etwa drei Jahren werden Sie voraussichtlich dem Parlament einen dicken Bericht vorlegen. Wird das, was auf dem Papier steht, dann auch praktisch umgesetzt werden?

Unsere Enquete-Kommission setzt sich zu einer Hälfte aus Bundestagsabgeordneten und zur anderen aus Experten zusammen. Durch die Parlamentarier ist sichergestellt, dass die Ergebnisse in politisches Handeln überführt werden. Konkret wünsche ich mir drei Dinge von unserer Kommission: Erstens Vorschläge, wie wir die berufliche Erstausbildung für junge Menschen attraktiver machen können. Zweitens konkrete Vorschläge, wo in der beruflichen Ausbildung Digitalisierung besonders wichtig ist, damit wir vor allem kleinere Betriebe darauf vorbereiten können. Und drittens: Überlegungen, wie wir die berufliche Ausbildung internationaler gestalten können.

Zur Person:

Stefan Kaufmann (CDU), geboren 1969, ist seit diesem Sommer Vorsitzender der Enquete-Kommission "Berufliche Bildung". Seit 2009 ist der Rechtsanwalt Abgeordneter im Bundestag. Er ist Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Sein Wahlkreis ist Stuttgart. Ihr erreicht ihn per Mail: stefan.kaufmann@bundestag.de.

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