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Die Bundespräsidenten im Überblick

Theodor Heuss

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20.12.2017 / Er vertritt Deutschland nach außen, sorgt für Zusammenhalt in der Gesellschaft und nutzt die Macht des Wortes: der Bundespräsident. Aber er hat noch mehr Aufgaben: Der Präsident prüft und unterschreibt Gesetze, die dadurch erst ihre Gültigkeit erlangen. Und in für das ganze Land besonderen Situationen hat er das letzte Wort.

Deutschland hat bisher zwölf Bundespräsidenten erlebt, der erste wurde wenige Tage nach der ersten Bundestagswahl 1949 gewählt. Wer waren diese Personen und was zeichnete sie aus?

Theodor Heuss

Theodor Heuss wurde im Jahr 1949 zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt und übte das Amt bis 1959 aus. Eine der wichtigsten Aufgaben von Heuss war, das Ansehen der deutschen Bevölkerung und Politik nach dem Zweiten Weltkrieg global zu verbessern und im Inneren das Grundverständnis der Demokratie zu fördern. Der Gründungsvater der Freien Demokratischen Partei (FDP) verstand sich als Hüter der Verfassung und ernannte zudem die dritte Strophe des Deutschlandliedes zur Nationalhymne – obwohl er persönlich eigentlich dagegen war.

Heinrich Lübke

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Heinrich Lübke

Heinrich Lübke war von 1959 bis 1969 der zweite deutsche Bundespräsident. Zuvor hatte er das Amt des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten inne und widmete sich dementsprechend während seiner Amtszeit als Präsident der Entwicklungshilfe und der globalen Bekämpfung des Hungers. Der Christdemokrat setze sich außerdem dafür ein, dass eine große Koalition zwischen der SPD und der CDU gebildet wurde, welche in der Legislaturperiode 1966 bis 1969 auch durchgesetzt wurde.

Gustav Heinemann

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Gustav Heinemann

Gustav Heinemann wurde im Jahr 1969 zum dritten Bundespräsidenten gewählt und übte dieses Amt für eine Legislaturperiode bis zum Jahr 1974 aus. 1949 wurde er für die CDU Bundesinnenminister, wechselte später aber zur SPD. Als Präsident widmete Heinemann sich vor allem der Durchsetzung einer freiheitlichen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die durch einen mündigen und selbstständig denkenden und handelnden Bürger realisiert werden sollte. Er setze sich zudem für eine friedliche Außenpolitik und eine engere europäische Zusammenarbeit ein.

Walter Scheel

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Walter Scheel

Der FDP-Politiker Walter Scheel war von 1974 bis 1979 Bundespräsident. Zuvor hatte er das Amt des Außenministers im Kabinett von Bundekanzler Willy Brandt (SPD) ausgeübt und sich an der Umsetzung von dessen Ostpolitik beteiligt. In der Zeit seiner Präsidentschaft wurde Scheel vor allem durch das Streben nach sozialem Ausgleich und mehr Mitbestimmungsrechten für die Bürger bekannt. Parallel forderte Scheel die jüngere Generation zu gesellschaftlichem Engagement auf und setzte sich außenpolitisch für ein geeintes und friedliches europäisches Miteinander ein.

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Karl Carstens

Von 1979 bis 1984 bekleidete Karl Carstens das Amt des Bundespräsidenten. Der CDU-Politiker betonte Werte wie Pflichtbewusstsein, Leistungswille und Disziplin. 1983 löste er den Bundestag auf, nachdem Kanzler Helmut Kohl (CDU), der durch ein Misstrauensvotum an die Macht gekommen war, die Vertrauensfrage gestellt und absichtlich verloren hatte, um Neuwahlen zu erzwingen. Carstens war auch bekannt als "Wanderpräsident", da er bei Wanderungen durch die Bundesrepublik die Nähe zum Volk suchte. Carstens war ein Gegner der Friedensbewegung und der Ostpolitik, seine Wahl zum Bundespräsidenten war wegen seiner früheren NSDAP-Mitgliedschaft (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) umstritten.

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Richard von Weizsäcker

Richard von Weizsäcker (CDU) wurde 1984 zum sechsten Bundespräsidenten gewählt und übte das Amt bis 1994 aus. Zu seinen wichtigsten Leitgedanken zählten die Aussöhnung der Bundesrepublik mit der DDR sowie politischer und gesellschaftlicher Konsens durch demokratische und christliche Werte. Anerkennung bekam er unter anderem durch seine Rede am 8. Mai 1985, dem 40. Jahrestags nach Kriegsende, bei der Weizsäcker das Verantwortungsbewusstsein der zukünftigen Generation basierend auf der Erfahrung des Dritten Reichs sowie das Leid der Opfer thematisierte.

Roman Herzog

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Roman Herzog

Der siebte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland war der CDU-Politiker Roman Herzog in der Zeit von 1994 bis 1999. Seine Amtszeit war geprägt vom Streben nach Erneuerung und der Reform von Politik und Gesellschaft nach der Wiedervereinigung. In seiner berühmten "Ruck-Rede" forderte Herzog 1997, dass ein Ruck durch Deutschland gehen müsse und mahnte Reformbereitschaft und Änderungswillen an. Außerdem befürwortete Herzog mehr internationale Verantwortung seitens der Bundesrepublik.

Johannes Rau

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Johannes Rau

Der SPD-Politiker Johannes Rau war in der Zeit von 1999 bis 2004 Bundespräsident und der zweite Sozialdemokrat in diesem Amt. Er bemühte sich um sozialen Zusammenhalt sowie Vertrauen und Versöhnung in Deutschland sowie global. Darüber hinaus hielt Rau als erster deutscher Präsident eine Rede vor dem israelischen Parlament, in der er sich für das Verbrechen des Holocausts entschuldigte. Sein Motto lautete "Versöhnen statt spalten".

Horst Köhler

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Horst Köhler

Horst Köhler (CDU) wurde 2004 zum Bundespräsidenten von Deutschland gewählt. Bis zu seinem Rücktritt 2010 setzte er sich ein für die Schaffung von Arbeitsplätzen und für die Erneuerung des Bildungssystems. Köhler war ehemaliger geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, deren Hauptaufgabe die Vergabe von Krediten an Länder ohne ausreichende Währungsreserven und mit anderen Schwierigkeiten ist. Er engagierte sich außenpolitisch für eine menschliche Globalisierung und die Armutsbekämpfung in Afrika. Wegen umstrittener Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr, die auf Kritik gestoßen waren, trat Köhler am 31. Mai 2010 vom Amt des Bundespräsidenten zurück.

Christian Wulff

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Christian Wulff

Der CDU-Politiker Christian Wulff wurde 2010 nach dem Rücktritt Köhlers zum zehnten Bundespräsidenten Deutschlands gewählt und übte das Amt bis zu seinem Rücktritt 2012 aus. Sein zuvor ausgeübtes Amt als niedersächsischer Ministerpräsident legte er mit Amtsantritt nieder. Als Bundespräsident betonte Wulff vor allem die Zusammenarbeit verschiedener Kulturen, von ihm stammt der berühmte Ausspruch "der Islam gehört zu Deutschland". 2012 trat er wegen Korruptionsverdacht vom Amt des Präsidenten zurück. Später wurde er freigesprochen.

Joachim Gauck

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Joachim Gauck

"Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung" war die Leitlinie des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Er war von 2012 bis 2017 der elfte Bundespräsident – und der erste ostdeutsche. Zuvor hatte der frühere DDR-Bürgerrechtler viele Jahre die Behörde für Stasi-Unterlagen geleitet. Joachim Gauck war der erste parteilose Bundespräsident und mit 72 Jahren der älteste. Gauck nannte sich selbst einen "linken, liberalen Konservativen", bezeichnete sich als "aufgeklärten Patrioten" und als "Liebhaber der Freiheit". Er forderte von Deutschland mehr außenpolitischen Mut und von den Bürgern Engagement. In der Flüchtlingskrise sagte er den vielzitierten Satz: "Unser Herz ist weit. Doch unsere Möglichkeiten sind endlich."

Frank Walter Steinmeier

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Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier ist der amtierende Bundespräsident der Bundesrepublik und wurde am 12. Februar 2017 im ersten Wahlgang gewählt. Vor seinem Amtsantritt war Steinmeier untern anderem ab 1998 Staatssekretär des Bundeskanzleramtes, 1999 Chef des Kanzleramtes, 2005 Bundesminister des Auswärtigen Amtes, 2007 Vizekanzler und von 2009 bis 2017 als Vorsitzender der SPD tätig. Nach den gescheiterten Verhandlungen von Union, Grünen und FDP zur Bildung einer Koalition sieht er sich nun in der besonderen Verantwortung, doch noch das Zustandekommen einer Regierung zu fördern – sollte dies nicht gelingen, müsste er entscheiden: einer Minderheitsregierung den Weg ebnen oder den Bundestag auflösen und Neuwahlen ausrufen.

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