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Der Autor

Leon Hanschmann 68x68

Leon Hanschmann (17)
ist Gymnasiast aus Berlin

Polizei beim Bundestag
"Wir schützen Politiker"

29.08.2018 |

Bodyguards sind sie zwar nicht, aber sie schützen das Parlament und die Promi-Politiker Deutschlands: Die Polizisten beim Deutschen Bundestag. Dort gibt es freie Ausbildungsplätze. Leon hat Polizeihauptkommissarin Bettina Jahn gefragt, wie ihr euch bewerben könnt.

Junge Frau und junger Mann durchschreiten Halle.

Auf Streife: Die Polizisten beim Deutschen Bundestag stellen sicher, dass die Abgeordneten ihre Arbeit machen können. Hier durchschreiten zwei Auszubildende die Halle des Paul-Löbe-Hauses. – © DBT

Polizisten unter der Kuppel

Mehrere Tausend Menschen pro Tag besuchen im Sommer die Kuppel des Reichstagsgebäudes - für Sicherheit sorgen die Polizisten beim Deutschen Bundestag. – © DBT

Frau und junger Mann auf Treppe.

Tausende Touristen auf der Kuppel, Dutzende Journalisten im Haus, dazu die Kanzlerin: Manchmal ist die Hölle los im Hohen Haus, berichtet Bettina Jahn, die Polizisten für den Bundestag ausbildet. – © Anna Rakhmanko

Uniformierter Mann wird an einer Wand abgeseilt.

Sportlich sollte man für die Ausbildung auf jeden Fall sein - und schwindelfrei. – © Bundestagspolizei

Ein Mann überwindet ein hölzernes Hindernis.

Die Ausbildung zum Bundestagspolizisten dauert insgesamt 30 Monate. Hier ist ein Auszubildender beim Training zu sehen. – © Bundestagspolizei

Uniformierter Mann klettert ein Netz hoch.

In der Grundausbildung lernt man zum Beispiel Selbstverteidigung, aber auch den Umgang mit Waffen. Hier üben sich die Azubis im Klettern. – © Bundestagspolizei

Es gibt das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, 16 Länderpolizeien und die Polizei beim Deutschen Bundestag. Warum sollte man gerade bei Ihnen eine Ausbildung beginnen?

Weil wir die kleinste, aber feinste Polizeidienststelle mit 186 Beamten sind und völlig unabhängig und selbstständig arbeiten dürfen. Gleichzeitig sind wir die einzige Polizeidienststelle, die einen so großen Aufgabenbereich hat. Wir sind verantwortlich für die Funktionsfähigkeit des Parlaments und schützen die bedeutendsten Politiker des Landes.

Was machen die Polizisten genau?

Grob gesagt ist das alles, was zu tun ist, um die Arbeitsfähigkeit des Parlaments zu erhalten. Wir sichern zum Beispiel die Plenarsitzungen, die Staatsbesuche, aber auch die Besucher, die tagtäglich in den Parlamentsgebäuden unterwegs sind. In Hochphasen im Sommer können das bis zu 8.000 Menschen am Tag sein, die die Reichstagskuppel besuchen möchten. Wir sichern auch sämtliche Ausschusssitzungen und alle Veranstaltungen, die innerhalb des Deutschen Bundestages stattfinden.

Wie sieht bei Ihnen ein spannender Tag im Hohen Haus aus?

Mitte Juli tagte die Parlamentarische Versammlung der OSZE in den Gebäuden des Deutschen Bundestages. Bei dieser internationalen Veranstaltung waren knapp 600 Delegierte im Haus, die sich frei bewegt und verschiedene Sitzungen abgehalten haben. Wir mussten dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft und niemand gestört wird.

Andere spannende Tage haben wir kurz davor erlebt, als der Konflikt zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel eskaliert ist. Da war auf der Fraktionsebene im Reichstagsgebäude, also dort, wo die Fraktionen ihre Sitzungen abhalten, der Teufel los. Wir mussten dafür sorgen, dass alles reibungslos über die Bühne geht, bei der vielen Presse und den Fraktionssitzungen ein anspruchsvoller Job. Demnächst beginnen wir mit der Planung der Feierlichkeiten für den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Berlin.

Und ein ganz langweiliger Tag?

Wenn keiner im Haus ist, wir alle Türen zumachen und keine Besucher da wären, könnte man sagen, wir hätten nichts zu tun. Das wäre ein ganz langweiliger Tag.

Aber den gibt es nicht?

Nein, den gibt es nicht. Es wird nachts sicherlich ruhiger. Das Haus macht um Mitternacht zu. Dann sind wir nur noch für die Außensicherung zuständig – also Streife gehen und schauen, dass niemand reinkommt. Aber auch dann kann noch etwas passieren, zum Beispiel wenn jemand versucht, über unsere Absperrungen zu steigen, um doch ins Haus reinzukommen oder beispielsweise, um Graffitis an eines der Gebäude zu sprühen oder wenn verdächtige Gegenstände abgelegt werden.

Welche Voraussetzungen sollte jemand mitbringen, der bei Ihnen eine Ausbildung machen möchte?

Sportlich sollte man auf jeden Fall sein. Die Grundvoraussetzung liegt bei den Noten momentan bei einer Drei in Deutsch und wenigstens einer Vier in Englisch. Einsatz- und Leistungsbereitschaft sind auch wichtig. Ansonsten kann sich jeder bewerben, der Spaß am Umgang mit Menschen hat, der die Abwechslung und die Teamgemeinschaft liebt. Die Bewerbungsfrist zum "Vorbereitungsdienst für den mittleren Polizeivollzugsdienst" läuft noch bis 31. Januar 2019. Alle Infos dazu gibt es auf der Ausbildungsseite des Bundestages.

Wie genau sieht die Ausbildung aus?

Die Ausbildung umfasst insgesamt 30 Monate. Wir bilden bei der Bundespolizei in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern aus. Das erste Ausbildungsjahr ist die Grundausbildung in Neustrelitz selbst. In der Grundausbildung lernt man zum Beispiel Polizeirecht, Staats- und Verfassungsrecht, Selbstverteidigung, aber auch den Umgang mit Waffen kennen. Das Ganze schließt man mit einer Prüfung ab.

Im zweiten Ausbildungsjahr werden insbesondere drei Praktika gemacht. Davon absolviert man zwei im Bundestag als zukünftiger Einsatzort, wir nennen das Verwendungsdienststelle. Man lernt in dieser Zeit aber auch die ganze Bandbreite der polizeilichen Arbeit der Bundespolizei kennen. Abschließend besucht man nochmal ein halbes Jahr einen Lehrgang in Neustrelitz.

Gibt es bei Ihnen eine Aufteilung in mittleren, gehobenen und höheren Dienst wie zum Beispiel bei der Bundespolizei?

Den gibt es, analog zur Bundespolizei. Die Kollegen vom Streifendienst arbeiten im mittleren Dienst. Man hat aber auch die Möglichkeit des Aufstiegs in den gehobenen Dienst aus den eigenen Reihen. Dann gibt es auch bei uns noch den höheren Dienst, unseren Polizeiführer, den Leiter der Polizei, der alle 186 Polizisten unter sich hat. Davon sind zwei höherer Dienst, 35 gehobener Dienst und 149 mittlerer Dienst. Von den 149 Kollegen des mittleren Dienstes sind 30 Beamte als Unterstützungskräfte der Bundespolizei bei uns. Vier Kollegen befinden sich aktuell auf dem Aufstiegslehrgang für den gehobenen Dienst

Warum kann der Bundestag nicht einfach von der Bundespolizei geschützt werden?

Die Gewaltenteilung muss strikt eingehalten werden, um die Unabhängigkeit des Parlaments aufrechtzuerhalten. Wir wollen verhindern, wie wir es schon in der Vergangenheit hatten, dass einzelne Abgeordnete an der Ausübung ihres Mandats gehindert werden. Zum Beispiel könnte das dadurch passieren, dass sie im Vorfeld festgenommen werden oder am Betreten des Plenarsaals gehindert werden. Dass genau das nicht passiert, dafür sind wir da.

Ist es möglich, nach der Ausbildung zu einer anderen Polizeibehörde zu wechseln?

Nach Ablauf von einem Jahr ist es möglich, zu einer anderen Polizei wechseln. Das kommt aber auch immer auf den Einzelfall an. Oft wechseln die Kollegen mit einem Tauschpartner, in einzelnen Fällen auch ohne. Die Frage ist eher, ob man überhaupt wieder weg möchte.

Warum sind Sie Polizistin geworden?

Ich wollte schon im Alter von zehn oder zwölf Jahren Polizistin werden. Für mich kam nichts anderes in Frage, als zur Polizei oder zur Feuerwehr zu gehen, sehr zum Ärger meiner Eltern. Zu diesem Zeitpunkt gab es in beiden Bereichen nämlich noch keine Frauen. Die Polizei hat dann noch vor der Feuerwehr Frauen eingestellt und ich habe am 1. September 1990 meine Ausbildung angefangen.

Über Bettina Jahn:

Bettina Jahn (44) betreut als stellvertretende Leiterin des "Sachgebiets Einsatz" die Anwärter bei der Polizei des Bundestages. Sie ist Polizeihauptkommissarin im Referat ZR 3 Polizei, Sicherungsaufgaben.

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