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Die Autorin

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Marie Illner (21)
studiert Medienwissenschaften und Anglistik

Abgeordneter
"Der Wandel ist gigantisch"

17.01.2017 |

Zocken damals und heute: Der Bundestag hat Gelder bewilligt, um eine Computerspiele-Sammlung zu fördern. Warum das? Marie hat Rüdiger Kruse (CDU) gefragt. Er ist im Haushaltsausschuss Berichterstatter für Kultur und Medien.

Rüdiger Kruse (CDU): Selbst zockt er kaum, ist sich aber der kulturellen Bedeutung von Computerspielen bewusst. – © Marcus Renner

Die weltweit größte Computerspielesammlung soll in Berlin entstehen und der Bundestag hat dafür Gelder bewilligt. Warum?

Wir, als Deutscher Bundestag, würden natürlich keine Computerspielesammlung in Kalifornien fördern, da wir uns mit der Kultur in Deutschland beschäftigen. Computerspiele sind als Teil der deutschen Kultur gewachsen, sodass es sich lohnt, eine solche Sammlung in Deutschland zu realisieren. Wir sind ein Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Etwas humorvollere Voraussetzungen sind auch, dass das Wetter hier oft mittelmäßig ist, daher spielen vermutlich viele Menschen am Computer. Außerdem ist es recht typisch für die Deutschen, abzuheften und zu sammeln.

Der Haushaltsausschuss hat am 10. November 2016 für eine neue Datenbank im Museum insgesamt fast 400.000 Euro zugesagt. Was hat der Haushaltsausschuss mit Computerspielen zu tun?

Der Bundestag hat mit einem breiten Feld an Thematiken zu tun. Von der Sozialhilfe, über den Straßenbau bis hin zur Verteidigung beschäftigen wir uns mit allen lebensweltlichen Angelegenheiten. Es gibt daher auch Beauftragte für den Bereich Kultur und Medien, sodass wir hier eine Zuständigkeit haben, Haushaltsmittel für diesen Bereich zu bewilligen. Den Betrag empfinde ich als angemessen. Uns wurde von den Zuständigen vorgetragen, welchen Betrag es für die Umsetzung braucht und was damit genau geschehen soll. Wir haben es für glaubwürdig gehalten, dass dieser Betrag notwendig und ausreichend ist und haben die Mittel daher beschlossen.

Die Sammlung will verschiedene Bestände unter einem Dach zusammenführen. Wie profitiert die Öffentlichkeit?

Wie in jedem Museum wird es Öffnungszeiten geben. In diesem Zeitraum können die Interessierten die Ausstellung besuchen und haben durch eine Regelung mit den Lizenzgebern sogar die Möglichkeit, die einzelnen Spiele selbst zu spielen. Das wird vor Ort möglich sein, aber auch online und funktioniert dann wie in einer Bibliothek – immer nur einer kann zur selben Zeit das Spiel spielen.

Genau wie bei Büchern in einer Bibliothek können die Spiele aber auch wissenschaftlich genutzt werden. Wer sich zum Beispiel mit der Darstellung von Charakteren oder Geschlechterrollen in Computerspielen befasst, kann mit den Spielen wissenschaftlich arbeiten. Das Museum ist weiterhin auch für diejenigen interessant, die selbst gar keine Computerspiele spielen. Ich würde es auch besuchen, da mich der Wandel der Spiele etwa hinsichtlich der Ästhetik interessiert. Ich selbst kenne nämlich noch die Zeiten des Heimcomputers Commodore 64. Für die Bürger ist es spannend, denn es wird ein dynamisch wachsendes Museum sein, das neue Errungenschaften aufnimmt.

Die Sammlung zeichnet die frühen Anfänge von Video- und Computerspielen bis heute nach. Wie lässt sich der Wandel seit Tetris beschreiben?

Der Wandel ist gigantisch. Ich erinnere mich, wie mein Bruder als 17-Jähriger kleine Spiele programmiert hat, die nur aus leuchtenden Kästchen bestanden – das war damals cool. Heute kann man in 3D-Welten eintauchen und mit hunderten von Spielern gleichzeitig spielen, das ist eine wahnsinnige Entwicklung. Für einige, die spielen, werden diese Welten sogar zur zweiten Realität. Besonders beeindruckend und noch vor Kurzem kaum vorstellbar ist auch die Geschwindigkeit, mit der sich dieser Wandel vollzogen hat.

Über Rüdiger Kruse:

Rüdiger Kruse, geboren 1961, ist ein Hamburger Politiker (CDU) und seit 2009 Abgeordneter des Bundestags. Kruse ist unter anderem Mitglied des Haushaltsausschusses, des Rechnungsprüfungsausschusses und des Umweltausschusses. Im Haushaltsausschuss ist er Berichterstatter für Kultur und Medien und für das Bundeskanzleramt.

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