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Computerspiele
Zum Zocken ins Museum

17.01.2017 |

Pong, Grand Theft Auto und die Sims: Ein Berliner Museum soll zur größten Video- und Computerspiele-Sammlung der Welt werden – Gelder dafür hat der Bundestag bewilligt. Beatrice hat eine Zeitreise unternommen – und traf auf zockende Politiker.

Computerspielemuseum Berlin

Computerspielemuseum Berlin

Autorin Beatrice hat sich im Berliner Computerspielemuseum einmal durch die Gaming-Geschichte gezockt. – © Anna Rakhmanko

Computerspielemuseum Berlin

Heute fast schon unvorstellbar: So sah mal des Gamers Traumwelt aus. – © Anna Rakhmanko

Computerspielemuseum Berlin

Was heute aussieht wie ein zu dunkel geratenes Kinderspielzeug, war vor gar nicht so langer Zeit noch eine moderne Konsole. – © Anna Rakhmanko

Computerspielemuseum Berlin

Museums-Direktor Andreas Lange zeigt Beatrice auch die skurrilsten Spielautomaten der vergangenen Jahrzehnte. – © Anna Rakhmanko

Computerspielemuseum Berlin

Der heutige Stand der Dinge: Virtual Reality. Das Computerspielemuseum bietet drei verschiedene Brillen zum Testen an. – © Anna Rakhmanko

Apple-Mit-Gründer Steve Wozniak, die Gamer Gronkh und Sarazar und der Entwickler des Videospiels "Metal Gear" Hideo Kojima: Sie alle hängen an der Wall of Fame im Computerspielemuseum Berlin-Friedrichshain. Freundlich in die Kamera lächelnd, Hände schüttelnd, fein-säuberlich eingerahmt. Sichtlich stolz präsentiert Museums-Direktor Andreas Lange in gestreiftem Hemd die Fotowand mit den Stars der Gaming-Szene, die dem Museum bereits einen Besuch abgestattet haben.

30.000 Spiele

Die Idee, ein Computerspielemuseum zu gründen, hatte 1997 ausgerechnet Dr. Klaus Spieler, Geschäftsführer des Fördervereins für Jugend und Soziales, dem Gründer- und Besitzerverein. Bei der Eröffnung im selben Jahr war es das erste Computerspielemuseum auf der Welt. Heute umfasst das Museum eine Sammlung von 30.000 Originalspielen, 10.000 Magazinen, einen halben Raum voller Bücher und 2.300 Hardwareteilen.

Warum ein solches Museum? "Computerspiele sind ein fester Teil der Kultur", erklärt Andreas Lange. Auch deshalb hat der Deutsche Bundestag für 2017 Gelder bewilligt, um die weltweit größte Computer- und Videospielesammlung zu ermöglichen.

Die Sammlung wächst weiter

Schrittweise sollen Bestände, die an verschiedenen Stellen zu finden sind, zusammengelegt und zugänglich gemacht werden: Material des Computerspielemuseums, der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), der Computerspielesammlungen des Zentrums für Computerspielforschung der Universität Potsdam (DIGAREC) und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Und jetzt: Rein in die Computerspielewelt!

Flimmern und blinken

Nun ja: Es flimmert im blinkt in allen Ecken. Wenn man das Museum chronologisch erkundet, blickt man beim Anfang der Computerspiel-Ära auf ein altes schwarz-weiß Foto aus dem Jahre 1951. Es zeigt das allererste Computerspiel überhaupt, hier in Berlin. Es handelt sich dabei um einen englischen Computer mit einem Streichholzlegespiel, den seine Entwickler liebevoll "Elektronengehirn" getauft haben. Um das Gerät möglichst erfolgreich zu vermarkten, lieferten sich berühmte Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit ein Duell mit dem Computer. So sieht man auf dem Foto Ludwig Erhard (damaliger Wirtschaftsminister), wie er gerade eine Partie mit "Elektronengehirn" spielt. Im Publikum hinter ihm sitzt in der ersten Reihe der skeptisch guckende Konrad Adenauer (damaliger Bundeskanzler), weiter rechts Ernst Reuther (damaliger Berliner Bürgermeister).

USA und Japan vorn

Spielekonsolen an Privatleute zu verkaufen, gelang Herstellern allerdings erst in den 70ern. Zunächst aber nur im Mutterland der Videospiele – den USA. "Japan wollte den Amerikanern nacheifern und kopierte anfangs deren Spiele und Geräte. Spätestens mit der Firma Nintendo wurde es jedoch zum zweiten Mutterland der Videospiele", erklärt Andreas Lange.

Das Computerspielemuseum hat Jugendzimmer mit alten kastenförmigen Fernsehern und ebenso antiken Spielkonsolen nachgestellt. Dort kann man Platz nehmen und sich in die Zeit zurückversetzen lassen. Die Fernseher, auf denen die Spiele liefen, waren damals genauso tief wie breit: quadratische, flimmernde Kisten – von HD keine Spur. An so etwas wie Handy-Games war damals noch nicht zu denken.

Entwicklungsland statt Entwicklerland

Nur halb so spannend wie in den USA und Japan ging es in den 70ern in Deutschland zu. Aufgrund der Teilung gibt es im Museum eine Ecke für Ost- und eine für Westdeutschland. Überraschend ist hier, dass der Teil für die DDR größer ist: Computerspiele waren dort populärer als in Westdeutschland. In der DDR gab es recht früh sogenannte Computerkabinette, um jungen Menschen die Technologie näherzubringen und sie für Aufgaben als Entwickler zu begeistern. Viel verbreiteter als in Westdeutschland war es dort, dass Jugendliche Spiele selbst nachgebaut haben, um sie auf Audiokasetten zu speichern und zu tauschen.

Keine Schreie, kein Blut

Im damaligen Westdeutschland hingegen waren die Jugendschutz-Vorgaben sehr streng, erzählt Andreas Lange und nennt als Beispiel das Spiel "River Raid", das im Museum auf einem alten Fernseher läuft. Sinn des Spiels ist es, einen kleinen Flieger zu steuern, Feinde abzuschießen und über Benzinfässer zu fliegen, um den Tank aufzufüllen. Es ist sehr bunt und wenig realistisch, man hört keine Schreie, es gibt kein Blut und keine Menschen.

Andreas Lange kommentiert: "Aus heutiger Sicht ist es ein abstraktes Spielgeschehen. Damals war es hochrealistisch und sehr erfolgreich." Allerdings stand das Spiel in Westdeutschland auf dem Index. Es wurde als "kriegsverherrlichend" eingestuft und für Minderjährige verboten. Diese Skepsis gegenüber Computerspielen hemmte auch den Fortschritt. "Insgesamt war und ist die BRD als Entwicklerland eher ein Entwicklungsland", so Lange.

Mit Brille durch die virtuelle Realität

Natürlich hat sich in den letzten Jahren so einiges in der Computerspiele-Landschaft getan. Der neuste Trend: Virtual Reality, also eine computergenerierte Realität. Dafür bietet das Computerspielemuseum drei verschiedene Brillen, die man bei einer Klettersimulation testen kann. Ein unbeschreiblich verrücktes Gefühl, das man dort am besten selbst erleben sollte.

Tennis und Schmerz

Was bei den Besuchern besonders gut ankommt? Andreas Lange zögert nicht lange: "Der Liebling der älteren Besucher ist die Painstation." Der auf den ersten Blick sehr alt wirkende Automat ist ein berühmtes Kunstwerk der Künstlergruppe "//////////fur//// art entertainment interfaces" , das 2001 in Köln gebaut wurde. Die zwei Spieler bedienen mit jeweils einer Hand einen Regler an einem Bildschirm und legen die andere Hand auf eine Fläche. Auf dem Bildschirm spielen sie den Klassiker "Pong" (also zwei Balken und ein Ball, der tennisartig immer hin und her gespielt wird). Wenn man den Ball nicht trifft, bekommt die liegende Hand einen Schmerzimpuls, also eine Hitzewelle, ein Peitschen- oder einen Stromschlag, zur Strafe. Verlierer ist, wer zuerst seine Hand von dieser Fläche nimmt. Das Spiel ist übrigens nur für volljährige Besucher erlaubt und bildet für manch einen die schmerzvolle letzte Station auf dem Trip ins Gamer Paradies.

Das Computerspielemuseum (Karl-Marx-Allee 93a, 10243 Berlin) ist Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 20 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Telefon Besucherservice: +49 30 6098 8577, (täglich 10-20 Uhr); Infos: http://www.computerspielemuseum.de/