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So tickt Deutschland

07.03.2018 |

Wie funktioniert die deutsche Demokratie? 116 junge Akademiker aus aller Welt blicken fünf Monate lang hinter die Kulissen des Bundestages. Was die Gäste erwartet und was das Parlament mit dem Programm bezweckt.

Junge Menschen halten Schilder in die Kamera.

Stipendiaten des Jahres 2016 zeigten zum 30. Jubiläum mit Schildern, seit wann ihre Heimatländer am Programm des Bundestages teilnehmen. – © Anna Rakhmanko

116 aus 42 Ländern

Sie kommen aus Mittel- und Osteuropa, aber auch aus den USA, Frankreich, Israel, der Kaukasus-Region und Zentralasien sowie erstmals aus Kanada: 116 junge Akademikerinnen und Akademiker aus 42 Ländern werden in den kommenden fünf Monaten hinter die Kulissen des Parlaments schauen.

Typisch deutsch

Die jungen Gäste nehmen teil am sogenannten Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) des Deutschen Bundestages. Die meiste Zeit arbeiten die Stipendiaten in den Büros von Bundestagsabgeordneten mit. Sie besuchen jedoch auch Vorlesungen an der Humboldt-Universität, der Freien Universität und der Technische Universität Berlin, die Partner des Programms sind. Zudem lernen die jungen Ausländer auch die "Arbeitskultur in Deutschland" kennen, besuchen politische Stiftungen und reisen mit Parlamentariern in deren Wahlkreis.

Einblick gewähren

Mit dem Programm möchte der Bundestag den Teilnehmern Einblicke in das politische System der Bundesrepublik gewähren und die hiesige Demokratie präsentieren. "Dazu gehört auch der Schutz von Minderheiten, der sich zum Beispiel in partizipatorischen Rechten in der Geschäftsordnung des Bundestages zeigt", erklärt Sybille Koch, Leiterin Internationale Austauschprogramme in der Bundestagsverwaltung, "aber eben auch in der Berücksichtigung von Minderheiten im Alltag." Außerdem würden Werte wie "Respekt, Toleranz und Offenheit gegenüber anderen und anderen Meinungen" vermittelt.

Ein weiterer wichtiger Programmbaustein des IPS ist das Thema Erinnerungskultur. Die Teilnehmer erfahren, wie sich das Parlament und die Gesellschaft hierzulande mit ihrer Geschichte und den zwei Diktaturen auseinandersetzen. Dazu gehören auch Besuche entsprechender Gedenkeinrichtungen.

2016er Stipendiaten sagen Danke

Die ehemalige Stipendiatin Polina drehte diesen Film mit Teilnehmern von 2016 als Dankeschön an den Bundestag. – © Polina Spartyanova

"Polit-Nachwuchs" zu Gast

Das Programm richtet sich vor allem an Teilnehmer aus jungen Demokratien und Transformationsländern. Das sind Staaten, die sich gerade erst von einer autoritären Regierungsform hin zu einer Demokratie entwickeln. Und genau dieser Prozess soll unterstützt werden, indem man dem "Polit-Nachwuchs" aus diesen Ländern beispielhaft zeigt, wie ein demokratisches System funktionieren kann. Teilnehmer aus klassischen Demokratien ergänzen das Spektrum, so dass ein interessanter Austausch zwischen den jungen Leuten möglich wird.

Netzwerk weltweit

"Das IPS ist als Instrument der Demokratieförderung konzipiert", erläutert Sybille Koch, "das als langfristige politische Investition wirkt. Es soll zivilgesellschaftliches Engagement in den Teilnehmerländern fördern und die Zusammenarbeit mit diesen Ländern vertiefen."

Ein wichtiger Bestandteil dessen ist die Pflege der Kontakte zu den Alumni. Alumni sind die "Ehemaligen", also Leute, die irgendwann einmal beim IPS dabei waren. Viele von ihnen arbeiten in ihren Heimatländern mittlerweile in politischen Funktionen, in Außenministerien, Parlamenten und so weiter. "Die Kontaktpflege ist uns wichtig", sagt Koch, "wir verstehen unsere Alumni als bilaterale Brückenbauer. So lässt sich das ein oder andere aktuelle politisch drängende Thema besser besprechen und manches Problem einfacher lösen." Eben weil es persönliche Kontakte und damit ein großes Vertrauen gibt.

Was die 2018er Stipendiaten erleben, wie sich das IPS "von Innen" anfühlt und was den Teilnehmern im politischen System Deutschlands besonders auffällt, wird euch Klaudia in ihrem IPS-Blog in den kommenden fünf Monaten berichten.

Die kleine Schwester

Das IPS gibt es seit 1986, es findet jedes Jahr von Anfang März bis Ende Juli statt und steht unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten. Seit 2012 existiert außerdem ein arabischer Ableger. Dieses Programm dauert vier Wochen und findet jährlich im Herbst statt. Der Bundestag möchte damit die arabische Demokratiebewegung unterstützen.

Wer sich bewerben kann

Für einen der begehrten Plätze müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Für beide Programme sind das:

  • die Staatsbürgerschaft des teilnehmenden Landes
  • ein abgeschlossenes Universitätsstudium
  • sehr gute deutsche Sprachkenntnisse
  • jünger als 30 Jahre zum Beginn des Stipendiums (beziehungsweise 35 bei Beginn des arabischen Stipendiums)
  • Interesse an politischen Zusammenhängen sowie gesellschaftliches und politisches Engagement

Mehr Informationen zur Bewerbung und zu aktuellen Ausschreibungsfristen gibt es auf den Seiten des Bundestages für das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) und das arabische IPS.

(sh/ah)

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