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Die Autorin

klaudia

Klaudia Wackermann (24)
ist Stipendiatin im Deutschen Bundestag

Stipendium im Bundestag
WLAN, Wetter, Wahlkreis

16.03.2018 |

Sie schauen Abgeordneten über die Schulter, studieren an der Uni und finden Freunde aus aller Welt finden: Die 116 Teilnehmer des fünfmonatigen internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS). Was sie verblüfft, ihnen an Deutschland gefällt und wir von ihrer Heimat lernen können, siehst du im Video und Claudias Blog.

© DBT

15. März: Offiziell willkommen in Berlin!

IPS Stipendium

Feierlich starteten die IPS-Stipendiaten ihr Praktikum bei den Bundestagsabgeordneten. – © Michael Kuchinke-Hofer

Hans-Peter Friedrich (CDU/CSU) und Németh Márton

Németh aus Ungarn macht sein Praktikum beim Abgeordneten Dr. Hans-Peter Friedrich von der CDU/CSU-Fraktion. – © Michael Kuchinke-Hofer

Johannes Kars (SPD) und Kevin

Kevin aus den USA wird sein Praktikum beim SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs machen. – © Michael Kuchinke-Hofer

Heiko Heßenkemper (AFD) und Yury Frolov

Yuri aus Russland macht sein Praktikum beim AfD-Abgeordneten Prof. Dr. Heiko Hessenkemper. – © Michael Kuchinke-Hofer

Christian Sauter (FDP) und Demet Kara

Kara aus der Türkei verbringt ihr Praktikum bei Christian Sauter von der FDP. – © Michael Kuchinke-Hofer

Sabine Leidig (Die Linke) und Filipp Semyonov

Filipp aus Kasachstan macht sein Praktikum bei der Abgeordneten Sabine Leidig (Die Linke). – © Michael Kuchinke-Hofer

Britta Haßelmann (Die Grünen) und Laura Petrossiantz

Laura aus Armenien verbringt ihr Praktikum bei der Grünen-Abgeordneten Britta Haßelmann. – © Michael Kuchinke-Hofer

Am 15. März fand für uns Stipendiaten die Auftaktveranstaltung des IPS-Programms "Willkommen in Berlin" im Reichstag statt. Wir hatten die Möglichkeit, unsere Abgeordneten kennenzulernen. Einige Stipendiaten besuchten bereits die Abgeordnetenbüros und lernten ihre neuen Chefs für die nächsten Wochen kennen.

Am 9. April startet die Praktikumsphase – der Kern unseres IPS-Stipendiums. Seit über 30 Jahren haben junge Menschen die Möglichkeit, während eines dreimonatigen Praktikums im Büro eines Bundestagsabgeordneten das deutsche parlamentarische System und politische Entscheidungsprozesse kennenzulernen und praktische Erfahrung im Bereich der parlamentarischen Arbeit zu sammeln. Auch wir 2018er-Stipendiaten werden an Ausschuss- sowie Fraktionssitzungen teilnehmen, den Wahlkreis unserer Abgeordneten kennenlernen und die Abgeordneten auch bei der alltäglichen Arbeit in den Büros unterstützen.

Europa-Experte als "Dienstherr"

Mein Abgeordneter ist der Unionspolitiker Dr. Johann David Wadephul. Er ist in den Ausschüssen für Angelegenheiten der Europäischen Union, für Außen- sowie Verteidigungspolitik tätig. Das freut mich besonders, da mir der Bereich Europapolitik sehr wichtig ist. Ich bin mir sicher, dass ich nach dem Praktikum mit einem großen Erfahrungsschatz in die Zukunft schauen kann. Meinen neuen Chef und die zukünftigen Arbeitskolleginnen und -kollegen habe ich persönlich noch nicht kennengelernt. Aber in den nächsten Tagen, bevor mein Praktikum beginnt, werden wir uns auf eine Tasse Kaffee treffen und die Details meiner Praktikumsphase besprechen. Die Kekse bringe ich mit!

Ich nutze die Gelegenheit, um mit ein paar anderen Stipendiaten und ihren Abgeordneten zu sprechen.

Márton Németh, Ungarn / Dr. Hans-Peter Friedrich, CDU/CSU

Der Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion und Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich ist ein sehr erfahrener Parlamentarier mit 20 Jahren im Bundestag. Er hat, wie er sagt, "nur gute Erfahrungen mit den Stipendiaten des IPS-Programms gemacht". Erstmals hat Friedrich 2015 teilgenommen. Damals hatte er auch einen ungarischen Stipendiaten. "Es ist einfach fantastisch mitzumachen. Ich bin erstens sehr gerne mit den jungen Leuten zusammen. Und zweitens mit Leuten, die einen Blick von außen auf Deutschland werfen." Der Abgeordnete aus Bayern hofft auf viele gemeinsame Diskussionen.

Sein jetziger wissbegieriger Praktikant Márton Németh kommt aus Ungarn. Er promoviert in seinem Heimatland zum Thema "Politische Partizipation im 21. Jahrhundert". Für ihn ist es sicher, dass er viele wertvolle Erfahrungen im Büro des Abgeordneten sammeln wird. Als Ziel des Praktikums setzt er sich selbst die Stärkung der deutsch-ungarischen Beziehungen.

Kevin Dibb, USA / Johannes Kahrs, SPD

"Man kann das nur machen, wenn das ganze Büro das auch will", sagt der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs und betont, dass er und seine Mitarbeiter sehr viel von den Stipendiaten lernen. In diesem Jahr haben sie sich erneut entschieden, einen zu sich einzuladen. Kahrs möchte den jungen Amerikaner Kevin Dibb in die Ausschüsse mitnehmen und ihm Deutschland und seine Hauptstadt Berlin vorstellen, damit er die Zusammenhänge im Land besser versteht.

"Oh Gott, ich habe schon wieder Sie gesagt", lacht Kevin beim Gespräch mit Kahrs. Er hat sich mit seinem Abgeordneten auf das Du geeinigt und fühlt sich deshalb besonders gut angenommen. Er möchte auch die Beziehungen innerhalb der SPD besser kennenlernen und der Fraktion helfen. Kevin freut sich außerdem schon auf die Reise in Kahrs' Wahlkreis nach Hamburg.

Yury Frolov, Russland / Prof. Dr. Heiko Hessenkemper, AfD

Seine eigene Vita hat den neu gewählten AfD-Abgeordneten dazu gebracht, einen IPS-Stipendiaten in sein Büro einzuladen. "Im Jahr 1978 nahm ich zum ersten Mal an einem internationalen Austauschprogramm in Osteuropa teil. In den paar Monaten habe ich ganz viel gelernt", so der Abgeordnete. Dem IPS-Stipendiaten Yuri Frolov aus Russland möchte Prof. Dr. Heiko Hessenkemper eine Möglichkeit geben, seinen Horizont zu erweitern und die parlamentarische Arbeit kennenzulernen.

Yuri Frolov freut sich auf die Arbeit im Abgeordnetenbüro. "Man weiß, dass der Pianist das Klavier nicht selbst auf die Bühne schiebt, sondern es Personen gibt, die diese extrem wichtige Arbeit machen. Und hier passiert die Arbeit im Abgeordnetenbüro", erklärt er anschaulich. Die Möglichkeit, diese Arbeit kennenzulernen, sieht er als große Chance.

Demet Kara, Türkei / Christian Sauter, FDP

Christian Sauter (FDP) nimmt zum ersten Mal am IPS-Programm teil. "Ich bin neu gewählt und zwar zum ersten Mal. Für mich ist das IPS-Praktikum auch etwas Neues. Ich freue mich auf die Möglichkeit, jungen Menschen die Chance zu geben, einen Einblick in den deutschen Parlamentsbetrieb zu geben und die Abläufe hier näher kennenzulernen". Der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Lippe ist für die Themenbereiche Verteidigung und Verkehr zuständig.

Die neue Praktikantin in seinem Büro, Demet Kara aus der Türkei, hält das politische sowie demokratische System Deutschlands für vorbildhaft − europa- und weltweit. Sie freut sich, dass sie das erfolgreiche Modell der Politik und die Funktionsweise der deutschen Rechtsstaatlichkeit so nah kennenlernen darf. Durch dieses Praktikum möchte sie bei der Entwicklung ihres Heimatlands mitwirken können. Auch die kulturelle Vielfältigkeit, die das IPS-Programm bereithält, ist ihr sehr wichtig.

Filipp Semyonov, Kasachstan / Sabine Leidig, Die Linke

"Ich bin schon IPS-erprobt", meint Sabine Leidig und lacht. Für sie ist es total interessant, junge Leute aus Ländern zu treffen, die sie selbst gar nicht kennt. Sie versucht jedes Jahr, dabei zu sein beim IPS. "Eine frühere IPS-Stipendiatin leitet mein Büro in Berlin", verrät Leidig. Die Abgeordnete der Linken hat unterschiedliche und vielfältige Aufgaben innerhalb ihrer Fraktion. Ihr Schwerpunkt sind soziale Bewegungen und in dem Bereich möchte sie einen Raum für die Arbeit der Praktikanten schaffen.

Filipp Semyonov aus Kasachstan hält sich für eine linksorientierte Person, deshalb freut er sich, das Praktikum bei der Linken zu absolvieren. "Ich möchte so viel Erfahrung sammeln, wie es möglich ist. Dafür bin ich hier", erklärt Filipp. Er hat bereits die Mitarbeiter aus dem Abgeordnetenbüro kennengelernt und fühlt sich als Teil des Teams.

Laura Petrossiantz, Armenien / Britta Haßelmann, Bündnis 90/Die Grünen

Die Abgeordnete Britta Haßelmann unterstützt das IPS- Programm seit Jahren. "Ich finde die Idee, die dahintersteckt, einfach toll. Bisher hatte ich eher Praktikanten aus Deutschland. Deshalb freue ich mich, in diesem Jahr das Programm nicht nur theoretisch zu unterstützen, sondern auch selber mitzumachen", sagt sie. Sie möchte auch selbst die Erfahrungen der IPS-Stipendiaten aus deren Heimatländern kennenlernen, da der Austausch in diese Richtung sie als Politikerin sehr bereichert.

Die junge Umweltschutzjuristin Laura Petrossiantz aus Armenien kann die Praktikumsphase kaum erwarten. "Basis für jedes Fach ist Theorie. Aber nur mit Theorie kann man nicht viel schaffen. Man braucht auch viel Praxis", so Laura. Sie freut ich besonders auf die Menschen, die sie während der Arbeit treffen wird: "Ich hoffe auf viele starke Persönlichkeiten, die meine Zukunft prägen", erklärt sie.

1. März: Ankunft in Berlin

Menschen

Wo kommen die denn her? Warum haben sie so derart viel Gepäck dabei? Das werden sich viele Studenten der Berliner Humboldt-Universität gefragt haben, als sie am 1. März am "Club Orbis Humboldtianus" vorbeikamen. Ein Blick auf unsere Schilder und für Beobachter wird klar: Die jungen Männer und Frauen sind internationale Stipendiaten des Deutschen Bundestages. – © Michael Kuchinke-Hofer

Papierkram

Wie sieht unser Terminplan aus? Auch an der Humboldt-Universität, der Freien Universität und an der Technischen Universität Berlin (TU) können wir Veranstaltungen besuchen, denn sie sind Partner des Programms. Der Bundestag hat viel mit uns vor und große Ziele mit dem Stipendium: Beziehungen zwischen Deutschland und den Teilnehmerländern fördern, demokratische Werte und Toleranz festigen, Verständnis für kulturelle Vielfalt vertiefen und das friedliche Zusammenleben in der Welt sichern. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Ich lerne Barbora aus der Slowakei kennen. Sie arbeitete in ihrem Heimatland für verschiedene Medien sowie für die Vertretung der Europäischen Kommission. Das Stipendium möchte sie nutzen, um vor allem das Verhältnis zwischen Politik und Medien in Deutschland besser zu verstehen und die Erkenntnisse im besten Falle in ihrem eigenen Land zu nutzen. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Ich spreche mit Nacer. Er kommt aus Algerien und konnte lange nicht entscheiden, was er nach Deutschland mitnehmen sollte, da der Platz im Gepäck knapp war. Für einen besonderen Gegenstand fand er aber eine Ecke: Die Fahne seines Heimatlandes. Der ehemalige Germanistik-Student absolvierte bereits zahlreiche Praktika, unter anderem im Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tunis. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Auch mit Jason aus den USA habe ich geplaudert. Er promoviert im Bereich nachhaltige Entwicklung. Er freut sich auch deshalb sehr auf Deutschland, weil er hofft, hier Informationen und Erfahrungen für seine Dissertation sammeln zu können. Aber nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die deutsche Kultur und den Lebensstil möchte er besser kennenlernen. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Asim aus Bosnien-Herzegowina freut sich auf alles, was neu ist: neue Stadt, neue Universität, neue Erfahrungen, neue Kenntnisse, neue Freunde. Das Programm bietet sehr vieles, meint er, und er möchte davon so viel wie möglich in seine Heimat mitnehmen. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Und ich lerne Rachel kennen. Die Historikerin aus den USA arbeitet als freiberufliche Bildungsreferentin in verschiedenen Einrichtungen, die sich mit Geschichte befassen. Sie kann kaum die Praktikumsphase erwarten, weil sie später eine politische Laufbahn einschlagen möchte. Ihr Ziel ist, für die US-Regierung zu arbeiten. – © Michael Kuchinke-Hofer

27. Februar: Gestatten, Klaudia

Klaudia Wackerman

Klaudia (24) stammt aus einem kleinen Dorf in Polen, jetzt bloggt sie aus dem Deutschen Bundestag. – © Michael Kuchinke-Hofer

Wer bin ich?

Hallo zusammen, mein Name ist Klaudia Wackerman und ich nehme an einem fünfmonatigen Programm des Deutschen Bundestages teil: dem Internationalen Parlamentsstipendium – und ich blogge für euch.

Bald geht es los!

Meine Checkliste vor der Reise nach Berlin: letzte Sprachkurse erfolgreich absolviert, Handbücher über das politische System Deutschlands noch mal durchgeschaut, Fahrkarte nach Berlin gekauft, Koffer gepackt. Die Aufregung wächst – in den kommenden Tagen startet für mich und für andere Stipendiaten aus der ganzen Welt ein großes Abenteuer, worüber ich euch berichten werde.

Wo komme ich her?

Ich bin am 20. August 1993 in Syców geboren, dies ist eine kleine Stadt in Niederschlesien (Polen). Fast mein ganzes Leben verbrachte ich aber in einem kleinen Dorf an der Grenze zwischen den Woiwodschaften Großpolen, Niederschlesien und Oppeln – in Trębaczów. Woiwodschaften sind polnische Verwaltungsbezirke.

Weil ich mich weiterentwickeln wollte und aus Interesse an unserem westlichen Nachbarn studierte ich deutsche Kultur, Sprache und Politik an den Universitäten in Krakau, Frankfurt am Main und München. Im Oktober 2016 begann ich dann das Studium Internationale Beziehungen mit der Spezialisierung "Europäische Integration und Außenbeziehungen der EU" an der Universität Warschau.

Studieren ist aber nur ein Teil meines Lebens. Für mich als sozialen Menschen kann es kein Leben und kein Studium ohne das Interesse an Politik und Gesellschaft geben. Deshalb engagiere ich mich in Studentenvereinen sowie in NGOs (Nichtregierungsorganisationen), die das zivilgesellschaftliche Engagement in Polen und Europa unterstützen.

Das Programm

Die Teilnahme am Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) sehe ich als große Chance für meine Zukunft. Die Möglichkeit, die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten kennenzulernen, wird die Entwicklung meines politischen und sozialen Wissens unterstützen, denke ich. Best-practice-Beispiele in so vielen Bereichen wie Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit oder politische Diskussionen persönlich zu erleben, werden mich sicher Erkenntnisse gewinnen lassen, die auch die besten Bücher nicht bieten. Nur Übung macht den Meister!

Die neue politische Lage in Deutschland nach der Bundestagswahl im September finde ich sehr interessant – wie wird sich die Politik nun gestalten und welche Auswirkungen wird dies nicht nur für die deutsche, sondern auch für die europäische und die polnische politische Bühne haben?

Die Mannschaft

Eine Entwicklung ohne Austausch und Synergieeffekte ist aber nicht möglich. Man braucht dazu auch inspirierende Treffen und neue Ideen, um im Bereich Politik und Gesellschaft erfolgreich handeln zu können. Deswegen freue ich mich darauf, neue Freundschaften mit den anderen Stipendiaten zu schließen und Netzwerke zu schaffen. Der Austausch wird auch dazu beitragen, so denke ich, andere Perspektiven und Kulturen besser zu verstehen. Drückt mir und allen anderen Stipendiaten die Daumen und stay tuned!

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