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Nico Amiri (22)
studiert Biomedizin

Kanadische Stipendiatin
Neugierig auf "typisch deutsch"

07.03.2018 |

Bier, Fußball und Nachhaltigkeit, das verbindet Sarah mit Deutschland. Die junge Kanadierin nimmt am Internationalen Parlaments-Stipendium des Bundestages teil. Nico hat mit ihr gesprochen – über ihre Heimat, ihre Erwartungen und Ahornsirup.

Sarah

Sarah kommt aus Montréal, Kanada. Mit ihrem Faible für Deutsch gilt sie dort als Exotin. – © privat

Mit ihrer Familie aus Toronto spricht Sarah Panjvani Englisch, mit ihren Freunden Englisch und Französisch. Denn das sind in Montréal, wo sie lebt und studiert, und in der ganzen Provinz Québec die offiziellen Amtssprachen. Sarah ist 22 Jahre alt und gehört zu den ersten kanadischen Teilnehmern des Internationalen Parlalements-Stipendiums (IPS) des Deutschen Bundestages.

Die Exotin

Sarahs Interesse an Deutsch wurde durch einen Kurs an der Uni geweckt, dann hatte sie Kontakt zum Goethe-Institut. Diese erste Anlaufstelle für Menschen, die an deutscher Sprache, Kultur und Gesellschaft interessiert sind, ist nämlich auch in Montréal zu finden. "Mit meinen Deutschkenntnissen bin ich in meiner Heimat und unter meinen Freunden jedoch eher eine Exotin", erzählt die studierte Linguistin – nur wenige Menschen in Kanada lernen und sprechen Deutsch.

Praktikum beim Abgeordneten

Sarah schätzt sich sehr glücklich, zu den ersten Kanadiern beim IPS zu gehören. Das Stipendien-Programm existiert seit mehr als 30 Jahren, nun ist erstmals Kanada dabei. Das fünfmonatige Programm bietet den Teilnehmern aus aller Welt einen besonderen Austausch: Neben Seminaren und Veranstaltungen arbeiten die Stipendiaten im Büro eines Bundestagsabgeordneten mit. Darauf freut sich die Studentin besonders.

Nachhaltig leben

"Neben meinem Studium der Sprachen interessiere ich mich brennend für Nachhaltigkeitspolitik", sagt Sarah. Nachhaltigkeit ist ein in der Forstwirtschaft seit Jahrhunderten angewandte Prinzip, das die Art und Weise des Wirtschaftens bezeichnet: Dabei werden derzeitige Bedürfnisse befriedigt, ohne zukünftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu entziehen. Es geht also um langfristig orientiertes Denken und Handeln.

Gerade in diesem Bereich erwartet sich die Stipendiatin in Deutschland eine Menge Erkenntnisse: über den gut ausgebauten Nahverkehr, Fahrradwege und die Mülltrennung. "Ich kann mir gut vorstellen, später einmal dieses Wissen in einer Nichtregierungsorganisation (NGO) einzusetzen, die Nachhaltigkeit fördern möchte", sagt Sarah.

Kanada: Vielfalt und Multikulturalität

Ich frage Sarah auch über ihr Heimatland aus. Dort sehe sie großartige Fortschritte in der Gesellschaft, die sehr offen sei, Vielfalt fördere und sich in vielen Bereichen positiv entwickele. Aber die Studentin spricht auch von "Altlasten". "Dabei denke ich zum Beispiel an das schwierige Verhältnis zur indigenen Bevölkerung", sagt sie, "trotz der Multikulturalität der Gesellschaft werden die Ureinwohner heute immer noch diskriminiert".

Typisch deutsch

Vom IPS erhofft sich Sarah einerseits viel Austausch mit anderen jungen Menschen aus aller Welt und zum anderen greifbares Wissen, um die Gesellschaft im doppelten Sinne – gesellschaftlich und ökologisch – voranzubringen. "Und ich bin gespannt, mehr über Deutschland zu erfahren", sagt sie, "typisch deutsch ist für mich neben Bier und Fußball der Hang zur Nachhaltigkeit, den ich in Deutschland deutlich ausgeprägter wahrnehme, als in meiner Heimat".

Und was ist "typisch kanadisch?", frage ich Sarah. Da fällt ihr als erstes der bekannte Ahornsirup ein. Aber sonst gebe es – außer Eishockey – nicht das eine Symbol für "unser schönes Land in Nordamerika". Und fügt hinzu: "Vielleicht ist es aber die Vielfalt und das Multikulturelle, das meine Heimat so einzigartig macht."

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