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Ex-Stipendiaten
Mutmacher und Karrierekick

Ein Mann mit Brille vor einem Bücherregal.

Vor 20 Jahren war Daniel als Stipendiat im Bundestag, jetzt ist er Professor für Germanistik in den USA. – © privat

Daniel Villanueva, 46 Jahre, aus den USA

20 Jahre ist es her, dass Daniel Villanueva als Teilnehmer des Internationalen Parlaments-Stipendiums Praktikant im Bundestag – bei der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Es war nicht sein erstes Mal in Deutschland: Als 14-Jähriger war der US-Amerikaner zum ersten Mal durch einen Schüleraustausch hier. Bei einer Wahlkampf-Veranstaltung in Goslar, einer Kleinstadt in Niedersachsen, hat er den damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens Ernst Albrecht und den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf einem Marktplatz sprechen hören. "Das hat mich begeistert und mein Interesse für Deutschland und deutsche Politik geweckt."

"Deutschland hat mich schon früh fasziniert"

Der Begeisterung ist er treu geblieben. 1991 studierte er an der Freien Universität zu Berlin und war nur fünf Jahre später IPS-Stipendiat. Heute, mehr als 20 Jahre danach, ist Daniel Professor für Germanistik an der University of Nevada in Reno, einer Großstadt im US-Bundestaat Nevada. Dort forscht er über die deutsche Parteienlandschaft.

Deutschland habe ihn schon früh fasziniert, und eigentlich wollte er schon immer Professor werden oder vielleicht Diplomat, sagt er. "Doch meinen jetzigen Job, das hätte ich mir nie ausgemalt."

Seine Verbundenheit mit Deutschland kam auch durch das Stipendium zustande: "Ich wollte ja zuvor schon unbedingt die schwerste Sprache lernen, die es gab. Das war eben Deutsch."

"Das Internationale Parlaments-Stipendium hat mein Leben verändert"

Deutschland hat ihn einfach nicht mehr losgelassen. "Inzwischen habe ich auch zahlreiche professionelle Kontakte in Deutschland, auch dank dem Stipendien-Programm." Gerade für Daniels Forschung ist das sehr wertvoll.

Mit großem Interesse verfolgt er die Veränderungen in der deutschen Politik und insbesondere bei den Parteien. "Insbesondere wie die konservativen Parteien zur europäischen Idee stehen, finde ich spannend."

Ein Leben lang verbunden

Neben den professionellen Kontakten freut sich Daniel besonders über die zahlreichen engen Freundschaften, die durch das Stipendium entstanden sind. Vielleicht auch deshalb fühlt er sich dem Bundestag nach wie vor verbunden. Inzwischen ist er Koordinator für das Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP), mit dem junge Menschen, vom Bundestag gefördert, ein Jahr in den USA leben. Außerdem lädt er immer wieder Bundestagsabgeordnete dazu ein, Vorträge an der Uni zu halten, wenn sie gerade auf USA-Reise sind.

Noch viel lieber reist er selbst zurück nach Deutschland. Diesmal zur Feier des 30-jährigen Bestehens.

(Autor: Jens Augspurger)

Eine Frau steht vor einer Plakatwand mit der Aufschrift Bundestag.

Im Herbst verschlägt es Sarka wieder für längere Zeit nach Berlin. – © privat

Sarka Strahalova, 35 Jahre, aus Tschechien

"Plötzlich hat man 25 Urlaubsziele", fasst Sarka einen Mehrwert des Programms zusammen, denn die Teilnehmer kommen schließlich aus verschiedenen Ländern. Selbst nach zehn Jahren genüge ein Anruf und schon treffe man sich mit anderen ehemaligen Stipendiaten auf eine Tasse Kaffee.

Sarah Strahalova ist sich sicher, dass die Zeit als Stipendiatin außerdem einiges zu ihrer Karriere beigetragen hat. Die 35-Jährige kommt aus Prag, der Hauptstadt von Tschechien. Deutsch lernte sie als Fremdsprache in der Schule und schon früh wusste sie, dass sie eines Tages für längere Zeit nach Deutschland gehen will.

Nachdem Sarka internationale Beziehungen und Politik studierte, arbeitete sie aber erstmal beim Umweltministerium in Tschechien. Dann bewarb sie sich für das Internationale Parlaments-Stipendium und nahm sich fünf Monate Urlaub für ihren Traum. In diesen Monaten wurde sie um "eine wundervolle Erfahrung" reicher, sagt sie.

"Das hat mich geprägt"

Obwohl sie vor Beginn des Praktikums im Deutschen Bundestag 2006 bereits einige Auslandspraktika absolviert hatte, war das Programm etwas ganz Besonderes für Sarka. Mit anderen Stipendiaten fünf Monate lang zu arbeiten, zu leben und sich auszutauschen, habe sie geprägt. "Was mir am meisten im Kopf geblieben ist, sind die Kontakte", erzählt sie im Rückblick auf das Praktikum im Büro eines Linken-Abgeordneten.

Chancen erhöhen

Das IPS sei auch ein ausschlaggebender Punkt in ihrem Lebenslauf gewesen, der zur Aufnahme an der Diplomatischen Akademie in Tschechien beigetragen habe. "Ich hätte zu der Zeit nicht gedacht, dass ich es schaffe, dort aufgenommen zu werden", sagt sie. An der Diplomatischen Akademie in Tschechien können junge Menschen den höchsten diplomatischen Ausbildungsgrad des Landes erlangen. Sarka ist sich sicher: "Das IPS ist ein wichtiger Mosaikstein und einer der Gründe, weshalb ich es geschafft habe".

Viele Wege führen nach Berlin

Derzeit wohnt und arbeitet Sarka in Prag, doch ab September ist sie wieder in Berlin. Dort wird sie als Diplomatin in der tschechischen Botschaft arbeiten.

(Autorin: Carolina Pfau)

Ein Mann schaut in die Kamera.

Alla freut sich andere Ehemalige beim 30-jährigen Jubiläum zu treffen. – © privat

Alla Eldin Ahmed, 38 Jahre, aus Palästina

Für fünf Monate im Bundestag arbeiten, Platz der Republik 1 seinen Arbeitsplatz nennen zu dürfen: für viele ist das ein Traum. Auch für Alla Eldin Ahmed aus Palästina. Vor vier Jahren hat er sich für das Programm Internationales Palaments-Stipendium (IPS) registriert. Der damals 34-Jährige wollte vor allem jenseits des Horizonts eine neue Kultur kennenlernen. Es war "eine große und einmalige Sache" für Ahmed. Heute arbeitet er als Redakteur und Autor für die Deutsche Welle in Bonn, lebt in Köln und schreibt an seiner Doktorarbeit im Bereich Medienwissenschaften.

Stipendium macht Mut

Für fünf Monate arbeitete Ahmed mit der Abgeordneten Marieluise Beck von den Grünen gemeinsam in Bremen und Berlin. An einen Moment aus dieser Zeit erinnert er sich besonders gut: als Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU/CSU) sich die Zeit genommen hatte, um die Stipendiaten persönlich zu begrüßen.

Durch das Stipendium konnte sich Ahmed einen komplett neuen Karriereweg aufbauen, sagt er. Dabei haben ihm vor allem die Kontakte geholfen, die er hier knüpfen konnte. In Palästina sei das schwerer als in Deutschland, meint Ahmed. Mit dem Stipendium im Rücken habe er den Mut aufgebracht, die von ihm angepeilte Karriere als Journalist auch zu verfolgen.

Zurück in Deutschland

Sein Aufenthalt in Deutschland und vor allem die Arbeit als Praktikant im Bundestag habe ihm geholfen, die hier gelebte Demokratie besser zu verstehen. Es sei wichtig gewesen, zu verstehen, wo die Stärken der deutschen Politik liegen und wo die Schwächen. Palästina ist eine Region in Israel und Jordanien, die um ihre Anerkennung als eigener Staat seit langem kämpft. Ahmed schlägt vor, die deutsche Demokratie für sein Heimatland "als Schablone zu benutzen". Für das Ehemaligen-Treffen der Stipendiaten am 23. Juni ist er erneut nach Berlin gereist, um seine damaligen Kollegen wiederzusehen.

(Autor: Leon Hanschmann)

Eine Frau mit schwarzen Haaren.

Svitlana war 2004 mit dem Internationalen Parlaments Stipendium in Deutschland. – © privat

Svitlana Gootsal, 37 Jahre, aus der Ukraine

"Alles, was ich im Praktikum gelernt habe, kann ich heute in die Realität umsetzen", sagt die heute 37-jährige Svitlana Gootsal. Durch ihr Stipendium im Bundestag vor mehr als zehn Jahren wollte sie erfahren, wie bestimmte Dinge in Deutschland funktionieren. "Ich war beeindruckt davon, wie die politischen Prozesse in Deutschland laufen", sagt Svitlana rückblickend. Sie beschreibt sowohl das Vorbereiten und das Treffen von Entscheidungen, als auch die Plenarsitzungen als sehr deutlich und geordnet im Verlgeich zur ihrer Heimat, der Ukraine.

Seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet sie im Nationalen Institut für strategische Studien für den Präsidenten der Ukraine, derzeit Petro Poroschenko. Seit vier Monaten ist Svitlana Leiterin der Abteilung für internationale Zusammenarbeit. Sie ist somit für die Außenbeziehungen des Institutes verantwortlich und hilft bei den Treffen mit verschiedenen Botschaftern.

Das Stipendium im Bundestag hat ihren Berufsweg stark geprägt, sagt sie heute. Sie absolvierte es 2004 bei der CDU-Abgeordneten Marie-Luise Dött. In ihrem späteren Beruf hat Svitlana mehrere Arbeiten über die deutsch-ukrainischen Beziehungen geschrieben, manche davon in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

"In einem Land wie Deutschland"

Noch heute trifft sie sich regelmäßig mit anderen ehemaligen Stipendiaten beim sogenannten IPS-Kolloquium (IPS steht für Internationales Parlaments-Stipendium), das diesmal im Rahmen der Jubiläumsfeier stattfand. Dort sammelt sie Anregungen für ihre Heimat. Die Ukraine ist eine junge Demokratie. Erst mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 erlangte das Land seine Unabhängigkeit und es fanden freie Wahlen statt. Vor allem in Hinblick auf den angestrebten EU-Beitritt muss die Ukraine von den größeren Ländern lernen, meint Svitlana Gootsal: "Deutschland ist eines der führenden Länder der EU und wir brauchen diese Erfahrung und Unterstützung."

(Autorin: Lou Antoinette Godvliet)

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