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Die Autorin

lisa büßler

Lisa Brüßler
arbeitet bei der Zeitung Das Parlament und beim Pressedienst heute im Bundestag.

Lisas Blog
Auf Spurensuche

01.02.2019 |

Überlebende treffen, auf Spurensuche gehen, miteinander ins Gespräch kommen – der Deutsche Bundestag hatte 78 junge Menschen aus aller Welt eingeladen, sich mit dem Phänomen "versteckte jüdische Kinder" in der Nazi-Zeit zu beschäftigen. Lisa war dabei. Lest hier ihren Blog.

31. Januar: Diskussionsrunde

Die jungen Gäste diskutieren mit Prof. Saul Friedländer über das Thema "Versteckte Kinder". – © DBT

Gedenkstunde im Bundestag

Der Bundestag gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus - die 78 jungen Gäste des Parlaments sind mit dabei. Die Gedenkrede hält der international renommierte israelische Historiker und Holocaust-Überlebende Prof. Saul Friedländer. – © DBT

31. Januar: Betroffenheit, Respekt, Tränen

Wir mittendrin

Der große und zugleich letzte Tag unserer Projektwoche ist da, die den offiziellen Titel "Jugendbegegnung" trägt. Heute findet im Parlament die Gedenkstunde des Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus statt - und wir werden mit im Plenarsaal sitzen, den in der Regel nur Politiker betreten dürfen. Ganz klar, das wird ein besonderes Erlebnis für uns alle.

Wir werden die Gedenkrede von Prof. Saul Friedländer hören, einem sehr bekannten 86-jährigen israelischen Historiker und Holocaust-Überlebenden. Anschließend können wir mit ihm und dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) diskutieren.

Schick gemacht

Als wir im Reichstagsgebäude ankommen, ist die Stimmung angespannt. Alle haben sich schick gemacht. Ich unterhalte mich mit Mathilde aus Lille, die in ihrem Freiwilligendienst hier in Berlin mit Geflüchteten arbeitet. Sie ist zum ersten Mal im Bundestag und wir sprechen über Unterschiede zum französischen Parlament. Als wir in den Plenarsaal hineingehen und auf den fosterblauen Stühlen Platz nehmen, ist sie erstaunt: "Von innen sieht es viel kleiner aus als im Fernsehen und von der Besuchertribüne oben", sagt sie verwundert.

Was der Name mit der Identität zu tun hat

Als wir die "heiligste Halle" des Parlamentes betreten, gehen direkt neben uns bekannte Politiker: der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Jürgen Trittin (B90/Die Grünen), der früher einmal Umweltminister war. Viele von uns sind etwas eingeschüchtert, als sie auf ihren Sitzen Platz nehmen.

Als der Gong erklingt, stehen alle Abgeordneten und Gäste auf – so auch wir. Die Reihen hier sind fast voll. Bundestagspräsident Schäuble begrüßt alle und spricht davon, dass die Identität eines Menschen in der Regel mit dem Namen verknüpft ist. "Die Täter riefen in den Konzentrationslagern die Häftlinge mit Nummern. Ihre Namen sollten getilgt werden. Und damit ihr Menschsein", sagte Schäuble.

Betretenes Schlucken in unseren Reihen. Auch bei Saul Friedländer, der als Pawel in Prag geboren, in seinem Versteck in einem katholischen Internat in Frankreich Paul genannt und in Israel dann zu "Saul" wurde, gibt es viele Namenswechsel – und damit Brüche in der Biographie.

Jedes vierte Opfer ein Kind

"Keine Nation kann sich ihre Geschichte aussuchen oder sie abstreifen", sagt Schäuble und betont, dass sich vor dem Schicksal jedes Einzelnen verneigt werde. Friedländer überlebte dank neuer Identität, doch jedes vierte Opfer des Nazi-Rassenwahns sei ein Kind gewesen.

Dann spricht er auch uns an: "Der Bundestag setzt mit der Jugendbegegnung ein Zeichen gegen schwindendes Wissen rund um die NS-Zeit und möchte Geschichte vergegenwärtigen", sagt er. Manche der Abgeordnete drehen sich zu uns um, die wir in den letzten Reihen des Plenums sitzen.

Viele Deutsche wussten Bescheid

Dann kommt Friedländer ans Rednerpult, setzt sich und beginnt darüber zu sprechen, dass Millionen Menschen in Deutschland 1942/1943 wussten, dass Juden systematisch ermordet wurden. Einige Teilnehmer sind erstaunt über die deutlichen Worte. Friedländer wählt eine noch eindringlichere Sprache als er von seiner eigenen Geschichte der Flucht und des Versteckens berichtet. Denn da war er noch nicht mal zehn Jahre alt.

Tränen fließen

Die ein oder andere Träne fließt als er erzählt, wie er versuchte, aus dem Internat zurück zu seinen Eltern auszureißen. Das war die letzte Begegnung mit ihnen, bevor sie in Auschwitz ermordet wurden. "In jenen Tagen waren rationale Entscheidungen für Juden sinnlos", sagt er.

Wir alle stehen auf als er endet. Manche verneigen sich. Das ist die höchste Form der Anerkennung, die man im Parlament aussprechen kann.

Viele Eindrücke

Tim aus Dresden hat die Zeit im Plenarsaal beeindruckt: "So nah dran an den Politikern, die ja sonst eher etwas fern wirken, ist man selten. Das ist schon sehr besonders, mit im Plenarsaal sitzen zu dürfen."

Einige meinen, die Reden seien beide "sehr sanft" gewesen. Henri findet zum Beispiel: "Ich hatte das Gefühl, dass da der Historiker der 1980er Jahre sprach. Mich hat es erstaunt, dass zum Beispiel nicht direkt eine Partei angesprochen wurde, die sich gegen demokratische Werte stellt."

Tim aus Österreich entgegnete, dass er es verstehen könne, dass eine Gedenkstunde nicht so politisch werde. "Es war beeindruckend, Politiker wie Frau Merkel mal real zu sehen. Ich habe sogar mit zwei Abgeordneten sprechen können, die mich fragten, was wir im Plenum machen", berichtete Margarita aus Polen.

Auf zur Diskussion

Wir gehen in einen großen Saal und können jetzt direkt ins Gespräch kommen. "Saul Friedländers Biographie war der Anstoß, dass sich die diesjährige Jugendbegegnung mit den Schicksalen versteckter Kinder und Jugendlicher, die von mutigen Menschen geschützt wurden, beschäftigte", beginnt Schäuble die Gesprächsrunde.

Im Vorfeld hatten wir Fragen notiert, die sich mit Friedländers Biografie beschäftigen. "Bis in die 1960er Jahre wollte ich nicht viel von dem Thema und der Zeit im Versteck hören. Ich erinnerte mich nur an das Geschehen – aber das war wenig emotional", erzählt uns der 86-Jährige.

Vier Identitäten

Wie sich das verändert habe, wisse er nicht genau, antwortet er Luca. Es habe aber einen Wendepunkt gegeben, als er einen ehemaligen Mitschüler aus dem katholischen Internat wiedergetroffen habe. Mit ihm habe er ein Gegenüber aus der Zeit im Versteck gehabt, mit dem er zwei Tage über die Vergangenheit gesprochen habe, berichtet er. "Ab da kamen die Emotionen und Details in meine Erinnerung", berichtet Friedländer.

"Ich hatte vier Identitäten", antwortet Friedländer auf die Frage von Anton, der im Konzentrationslager Bergen-Belsen seinen Freiwilligendienst leistet. "Aber eins blieb: das – nicht religiöse – Jude-Sein, das zieht sich durch und ist sogar noch stärker geworden", erklärt er.

Zweite Chance

Auch Fragen zu seiner Rolle als Historiker und Zeitzeuge haben die jungen Gäste. An Bundestagspräsident Schäuble gerichtet, fragt Lorenz vom Anne Frank Zentrum Berlin nach der Bedeutung der nationalen Identität heute: "Nach 1945 hat unsere Nation eine zweite Chance bekommen", sagt Schäuble. Mit Blick auf den Einzelnen mahnt er zu mehr Zivilcourage im Alltag und merkt an, dass nach Friedländers Rede keiner im Plenum die Courage hatte, nicht aufzustehen.

Bilanz der letzten Tage

Jemma ist nicht ganz zufrieden nach der Diskussion: "Ich hätte mir noch mehr politische Dimensionen und aktuelle Bezüge gewünscht. Genau als es spannend wurde, hatten wir leider keine Zeit mehr", sagt sie. Trotzdem sind alle froh, die vergangenen Tage miterlebt zu haben.

Der rote Faden zwischen den einzelnen Programmpunkten sei manchmal etwas verloren gegangen, heißt es und auch, dass das Programm für dreieinhalb Tage sehr ambitioniert gewesen sei.

Vernetzt euch!

Diese Kritik hört der Organisator der Jugendbegegnung, Hans-Henner Becker vom Deutschen Bundestag, fast jedes Jahr: "Auch wenn die Begegnung fünf oder sieben Tage gedauert hätte, wäre es noch zu kurz gewesen", sagt er. Deswegen sei die Jugendbegegnung auch dazu da, junge Menschen mit ähnlichen Interessen miteinander zu vernetzen.

Und genau das tun die Jugendlichen dann auch. Sie tauschen Nummern und Adressen aus, bevor sie in die Züge und Flugzeuge steigen, die sie wieder zurück dahin führen, woher sie gekommen sind.

30. Januar 2019: Zwei Leben

Ausstellung

„Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust“ heißt eine aktuelle Ausstellung im Bundestag, die die jungen Gäste besuchten. – © DBT/Saldern

Rosenthal

Birgit Hofmann und Gert Rosenthal, die Kindern des bekannten jüdischen Quizmasters Hans Rosenthal, erzählen von der Zeit, in der sich ihr Vater versteckt halten musste. – © DBT/Saldern

Helene Waysbord

Hélène Waysbord erzählt im Zeitzeugengespräch wie sie nach der Deportation ihrer Eltern anonym bei Nachbarn aufwuchs und so überlebte. – © DBT/Saldern

Versteckter Vater

Besondere Vorfreude herrschte bei den 78 Teilnehmern der Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages auf die Zeit- und Zweitzeugengespräche heute Vormittag. Zeitzeugen sind Personen, die von bestimmten historischen Ereignissen Zeugnis geben können, weil sie zu der betreffenden Zeit gelebt haben. Zweitzeugen haben ihre Informationen von den Zeitzeugen.

Kurz zur Erinnerung: Die jungen Leute sind alle zwischen 17 bis 26 Jahren alt und setzen sich in irgendeiner Form mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander oder engagieren sich im Alltag gegen Antisemitismus und Rassismus.

"Zwei Leben"

Ich bin in der Gruppe, die mit Birgit Hofmann und Gert Rosenthal, den Kindern des bekannten jüdischen Quizmasters Hans Rosenthal, sprechen kann. Er selbst starb bereits 1987 mit Anfang 60. Sein Buch "Zwei Leben in Deutschland" wird vor mir durch die Reihen gereicht.

Rosenthal wurde als Jugendlicher in einer Berliner Laubenkolonie von verschiedenen Frauen versteckt. "Bis zu seinem achten Lebensjahr hatte mein Vater eine tolle Kindheit bis dann die Verfolgung einsetzte, und er sich irgendwann verstecken musste", erzählt Gert Rosenthal über seinen prominenten Vater, der den meisten Jugendlichen kein Begriff mehr ist.

Erinnerung an den Vater

Über zwei Jahre blieb er versteckt, ging nur bei Bombenangriffen aus seinem kleinen Verschlag. "Ich glaube, er wollte uns als Kinder nicht mit der Erfahrung dort belasten, also fielen Sätze zu der Zeit im Versteck wenn eher zufällig. Ich merkte auch als Kind, dass er nicht wollte, dass man nachhakte", sagt Gert.

Seine acht Jahre ältere Schwester Birgit erinnert sich, dass der Vater bei ihr immer Wert auf gute Noten und Fleiß legte. "Vielleicht auch, weil er selbst kein Abitur und Studium abschließen konnte", sagt sie in der Diskussion mit den Jugendlichen.

Showmaster im "Land der Täter"

In ihren Fragen wollten die Jugendlichen noch mehr zu Rosenthals Menschenbild erfahren: "Mein Vater mochte es, erkannt zu werden als Showmaster und akzeptiert zu sein", erinnert sich Sohn Gert. "Rückblickend wundere ich mich, wie unvoreingenommen unser Vater eigentlich war. Es wurde nie über andere geschimpft oder schlecht geredet", ergänzt Birgit.

Warum er im "Land der Täter" blieb, fragt Isa die beiden Geschwister: "Er hat keine andere Sprache gesprochen und während seiner Zeit im Versteck wuchs die Idee in ihm, zum Rundfunk zu gehen und diese Idee setzte er auch zügig um", berichtete seine Tochter weiter.

Zeitzeugen und Zweitzeugen

Über die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Geschwister kamen immer mehr Details in dem offenen Gespräch zum Vorschein – aber eben doch ein Unterschied dazu, wie es ist, mit "echten" Zeitzeugen zu sprechen, resümierten die Teilnehmer.

Dies bestätigten die Jugendlichen, die parallel mit Hélène Waysbord sprachen, einer Zeitzeugin aus Frankreich, die nach der Deportation ihrer Eltern anonym bei Nachbarn aufwuchs und so überlebte. "Über die Zeit im Versteck hat sie zwar kaum etwas erzählt, aber es war eine sehr intensive Begegnung mit einer starken Frau", berichtet Anastasia aus Russland meiner Gruppe.

Bewegender Moment

"Ich habe schon mehrere Zeitzeugengespräche mitgemacht, aber das war einer der bewegendsten Begegnungen für mich seit langer Zeit", sagt Paula, die in einer französischen Gedenkstätte ihren Freiwilligendienst leistet. Emily, die in Frankfurt Geschichte studiert, stimmt zu: "Mich hat das Gespräch und als sie den Abschiedsbrief ihres Vaters vorlas so berührt, dass ich fast weinen musste. Es war toll zu sehen, wie sie aus dieser verlorenen Kindheit im Versteck so stark herausgegangen ist. Das bekräftigt mich darin, dass unsere Arbeit wichtig und richtig ist", zog sie ihr persönliches Fazit. Einen neuen Aspekt brachte Anton aus Österreich ein: "Mich hat beeindruckt, dass sie so frei von negativen Gedanken ist und sogar sagt, dass Deutschland das Land ist, wohin sie am liebsten verreist."

Zwischen Tätern, Mitläufern und Widerstand

Nach diesem intensiven Gespräch und einem schnellen Mittagessen ging es zur Ausstellung "Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust" des United States Holocaust Memorial Museum (USHMM). Anlässlich des Gedenktages wird sie in der Halle des Paul-Löbe-Hauses, einem Gebäude des Bundestages, in dem wir heute tagen, gezeigt und morgen offiziell eröffnet.

Jetzt weitete sich der Blick der Jugendlichen noch einmal dafür, welche Beweggründe und Druckmittel die Entscheidungen und Verhaltensweisen einzelner Menschen während des Holocausts beeinflussten. In der Diskussion mit der Direktorin des Museums, Sara Bloomfield, kamen vor allem Fragen zu Identität und Antisemitismus heute auf. "Ich nehme in unserer heutigen Gesellschaft einen enormen Mangel an Verantwortungsbewusstsein für unsere Demokratie sowie an Empathie und Demut wahr. Deswegen freut es mich umso mehr, dass ihr diese wichtige Arbeit hier fortführt", lobte sie die Teilnehmer.

Ein Blick nach Frankreich

Zum Abschluss des Tages lassen wir den Blick nach Frankreich schweifen, denn natürlich wurden nicht nur in Berlin Kinder jüdischen Glaubens versteckt. Hélène Waysbord, die schon am Vormittag als Zeitzeugin gesprochen hatte, ist Ehrenpräsidentin der Gedenkstätte Maison d’Izieu in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes. Zusammen mit deren Präsident, Thierry Philip, erzählt sie von der Arbeit der Gedenkstätte, die an die Schicksale von in einem LKW nach Auschwitz deportierten Kinder erinnert.

"Die Maison d’Izieu war sowohl ein Zufluchtsort, als auch ein Ort des Schreckens. Heute ist sie zu einem Ort der deutsch-französischen Freundschaft geworden", erklärte Philip. "Viele der Kinder dort waren sich der Gefahren bewusst und vermuteten, dass sie ihre Eltern nie wieder sehen würden", sagte Waysbord. Seit 1994 wird dort mit Zeugenaussagen, Fotos, Zeichnungen und Comics an die Kinder erinnert und auch die Kollaboration des französischen Staates wird mit aufgearbeitet.

Die Erinnerung aufrecht erhalten

"Unser Ziel ist es, die Erinnerung in der Gegenwart aufrecht zu erhalten und einen Ort zu zeigen, an dem Geschichte gelebt wird", resümierte Philip die Arbeit der 1994 eingeweihten Gedenkstätte. Die sichtlich müden Jugendlichen brachten trotzdem noch die Energie auf, einige Fragen an die Gäste aus dem französischen Ausland zu richten.

So wollten sie ihre Einschätzungen zu der Bedeutung von Prozessen gegen Kriegsverbrecher wissen, fragten nach Details zum alltäglichen Leben in der Maison und richteten aber auch – mit Blick auf Polen – die Frage nach Rückschritten, was die Erinnerungskultur und Gedenkprozesse angeht an die Gäste. "Eine Lehre aus diesem Kapitel der Geschichte zu ziehen ist schwer. Aber für mich steht fest, dass wir die Vergangenheit anerkennen müssen, um die Gegenwart analysieren zu können und Angriffe auf unsere Gesetze und Werte abwehren zu können", gab Waysbord den Jugendlichen für den Tag mit.

29. Januar: Das jüdischen Leben in der NS-Zeit

Gruppe im Hof

Vor der Gruppe liegt ein arbeitsintensiver Tag. – © DBT/Saldern

Gruppenarbeit

Was bedeutet Zivilcourage? Der Frage gingen die Jugendlichen in Arbeitsgruppen nach. – © DBT/Saldern

Innenhof

Ihre Wege durch Berlin führen die internationale Gruppe auch in den farbenfrohen Hinterhof des Anne Frank Zentrums. – © DBT/Saldern

Anne musste sterben

Heute liegt ein arbeitsintensiver Tag vor uns. Wir sind zu Gast in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, um uns dem Thema "versteckte Kinder" in der Nazi-Zeit zu widmen. Versteckt wurde zum Beispiel das deutsche jüdische Mädchen Anne Frank, die ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch festhielt, das nach dem Krieg als "Tagebuch der Anne Frank" veröffentlicht wurde.

Otto Frank, der Vater von Anne Frank, ging zum Beispiel jeden Tag zum Bahnhof, um Ausschau nach seinen Töchtern zu halten, nachdem sie in ihrem Versteck aufgeflogen und deportiert worden waren. Das erzählt uns Patrick Siegele, der Direktor des Anne Frank Zentrums Berlin zu Beginn des Tages. Otto hielt vergeblich Ausschau, denn Anne und ihre Schwester starben im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus. Das haben ihm später Freigelassene mitgeteilt.

Was ist Zivilcourage?

Nach dem kurzen Hallo, geht es gleich in Arbeitsgruppen. Dort soll es um das Thema "Zivilcourage" gehen. Denn ein Leben im Versteck war ja nicht möglich, ohne dass sich Menschen als Helfer engagierten. Ich bin in einer Gruppe mit Lukas, Henri, Julia und Gemma. Erst sprechen wir über eine allgemeine Definition und nähern uns dann langsam dem Thema Zivilcourage im Nationalsozialismus.

Eine Definition wäre "Mut von Zivilisten", die sich für etwas einsetzen, das auch negative Konsequenzen für sie haben kann. "Ich musste in Bezug auf die heutige Zeit zuerst an eine Werbung der Berliner Verkehrsbetriebe denken, bei der man aufgefordert wurde, nicht wegzuschauen, sondern wenn es nötig ist, aktiv zu werden und zum Beispiel die Polizei zu rufen", sagt Henri.

Was sagt der Duden?

Julia aus Tschechien berichtet, dass Zivilcourage in ihrer Heimat kein großes Thema sei: "In der NS-Zeit bedeutete es bei uns vor allem, sich gegen Soldaten zu stellen oder auch Attentate auf Nazis zu unterstützen", berichtet sie den anderen, die das erstaunt.

Nach 15 Minuten zückt Lukas sein Handy und gleicht die Definition mit der aus dem Duden ab. So richtig zufrieden sind die vier nicht, denn es herrscht keine Einigkeit darüber, ob Zivilcourage immer ohne einen eigenen Nutzen stattfand und ob sie immer gegen die Mehrheitsgesellschaft oder den Staat gerichtet ist.

Impulsvortrag

Viel Zeit zum Einigen bleibt uns nicht, denn schon geht es nach einigen Minuten interessanter elektronischer Klänge der Mikronfonanlage weiter mit Beispielen und Fakten. Dr. Beate Kosmala von der Gedenkstätte berichtet, dass es in Deutschland erst spät ein größeres Interesse an der Rettung von Juden gegeben habe. Vor allem durch die Verfilmung der Lebensgeschichte des Schauspielers Michael Degen im Jahr 2006 wurde das Thema überhaupt einem breiteren Publikum näher gebracht.

"Im Unterschied zu Polen oder Frankreich gab es in Deutschland keine organisierte starke Widerstandsbewegung mehr, da diese schon vor den Deportationen zerschlagen worden war", erklärte Kosmala. 1941 lebten die meisten Juden, die noch in Deutschland waren, in Berlin, erläuterte Kosmala. Auch deswegen tauchten hier viele unter, denn in anderen Städten gingen die Deportationen noch viel schneller voran.

Rund 300 versteckte Kinder

"Angaben über genaue Zahlen sind trotz intensiver Forschung nicht möglich", erläuterte Kosmala. Für Berlin lasse sich jedoch sagen, dass wohl etwa 300 Kinder der Geburtenjahrgänge 1928 bis 1944 versteckt wurden. Demgegenüber stehen knapp 3.400 Kinder, die deportiert wurden. Die Beispiele von Helfern und Versteckten illustrierten, dass wenn ein Risiko eingegangen wurde, auch Leben gerettet werden konnten.

Egal ob die vierköpfige Familie Voss, die bei ihrer Helferin Helene Schell in deren 1,5-Zimmer-Wohnung versteckt wurde oder die junge Rita Cohn, die von dem evangelischen Gefängnisseelsorger der Haftanstalt Tegel, Harald Poelchau, versteckt wurde – die Schicksale hinterließen Eindruck bei den Jugendlichen.

Neues und Überraschendes

"Ich hätte nicht gedacht, dass die Helfer oft nichts voneinander wussten. So habe ich mir ein Netzwerk nicht gerade vorgestellt", sagte Tim aus Dresden in der Reflektionsrunde. Auch dass die deutschen Helfer für ihre Hilfe nicht die Todesstrafe zu erwarten hatten und sich oftmals sogar komplett herausreden konnten, sorgte für viel Staunen.

Melisa versucht Parallelen zur Zivilcourage heutzutage zu ziehen: "Wir haben ja heute gehört, dass ganz fremde Leute spontan beim Verstecken geholfen haben. Dann muss es doch auch heute möglich sein, Solidarität zu zeigen und mehr auf Geflüchtete zuzugehen", plädiert sie.

Die "Swing-Jugendlichen"

Nun wollen wir aber auch etwas sehen von dem Ort, an dem wir tagen: Zeit für alle 18 Räume der Ausstellung in der Gedenkstätte deutscher Widerstand bleibt nicht, und so konzentrieren wir uns auf Jugendliche in der NS-Zeit, die Widerstand leisteten. Besonderen Eindruck hinterließen die "Swing-Jugendlichen" in Hamburg und Berlin. Das waren junge Menschen, die über ihre Kleidung und musikalische Zugewandtheit zu Swing- und Jazzmusik optischen Widerstand zur üblichen Kleidungs- und Lebensweise leisteten.

Gespür fürs jüdische Leben

Der Nachmittag stand im Zeichen weiterer optischer Eindrücke zum jüdischen Leben in Berlin. Wir machten uns mit Veronika Nahm vom Anne Frank Zentrum Berlin auf einen Stadtrundgang durch die ehemalige Spandauer Vorstadt, das heutige Berlin-Mitte um die Oranienburger Straße. Ein Stadtteil, in dem viele jüdische Menschen lebten.

Los geht’s am Monbijoupark bei frostigen 0 Grad. Hier soll ein Luftschutzbunker gestanden haben. Der konnte bei Bombenalarm nicht ohne weiteres von jüdischen Bewohnern im Versteck genutzt werden, denn so hätten sie ja auffliegen können – dasselbe galt auch für die Bunker in den Kellerräumen der Wohnhäuser. Deswegen blieben viele einfach in ihren Verstecken in der Wohnung. Hinter uns steht die prächtige Stiftung Neue Synagoge, als wir weiter Richtung Große Hamburger Straße gehen.

Folter im Altenheim

Ein jüdisches Altenheim stand mal hier, erzählt uns Veronika. Davon ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen markieren heute rote Pflastersteine den Kellerraum. Dieser wurde von der Gestapo als Verhör- und Folterraum genutzt, denn die Nazis missbrauchten das Altenheim als Sammellager für die Deportation der Berliner Juden über Theresienstadt nach Auschwitz.

Jetzt stehen hier eine Gedenktafel und ein Bronze-Denkmal aus dem Jahr 1953 mit verschiedenen Frauen, die aus dem Konzentrationslager Ravensbrück befreit wurden. Direkt dahinter liegt der älteste jüdische Friedhof. Auch dieser Ort wurde von den Nazis geschändet. Ein Graben wurde ausgehoben, der zum Schutz vor Luftangriffen dienen sollte und später für Massengräber genutzt wurde. Deshalb sind nur noch ganz vereinzelt Grabsteine zu sehen.

Durch die Straße der Toleranz

Kameras und Polizisten fallen uns auf. Neben dem Friedhof liegt auch eine jüdische Oberschule. Diese müsse bewacht werden, weil es immer wieder zu Vorfällen kommt, erklärt Veronika. Wir gehen weiter, immer wieder auch über sogenannte Stolpersteine. Veronika erzählt, dass es mittlerweile in Berlin über 7.000 davon gibt – Messingplättchen, die an den ehemaligen Wohnorten von NS-Verfolgten in den Boden eingelassen sind.

Die Straße hieß angeblich auch Straße der Toleranz. Warum, das wird deutlich, als wir weitergehen: Hier steht neben den jüdischen Institutionen mit der Sophienkirche auch eine evangelische Kirche und nur wenige Meter weiter, auf der anderen Seite, ein katholisches Krankenhaus. Durchgefroren geht es zum Abendessen.

28. Januar: Von Tirol bis Moskau

Jugendliche laufen vor dem Berliner Hauptbahnhof.

Willkommen in Berlin! Vom Hauptbahnhof laufen die Teilnehmer zum Reichstagsgebäude. – © DBT/Saldern

Gruppenarbeit

Wie heißt du, woher kommst du? Am ersten Tag lernen sich die Teilnehmer kennen – © DBT/Saldern

F+hrung durchs Reichstagsgebäude.

Auch eine Führung durch die historischen Mauern des Reichstagsgebäudes steht an. – © DBT/Saldern

Jetzt geht's los

Die Teilnehmer der diesjährigen Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages sind am Nachmittag aus ihren Heimatländern in Berlin eingetroffen. Vor ihnen liegen spannende Tage, an denen sie sich nicht nur mit der Nazi-Zeit beschäftigen werden, sondern ganz speziell mit dem Thema "versteckte Kinder". Mutige Menschen haben damals auf diese Weise versucht, vor allem jüdische Jungen und Mädchen vor dem Tod zu bewahren.

Alle sind bereit für ihren meist ersten Besuch im Bundestag. Der Raum im Paul-Löbe-Haus, einem Gebäude des Bundestages, ist prall gefüllt. Zunächst muss alles Organisatorische geklärt werden, ein Kurzdurchritt durch das Programm folgt, bis es losgeht mit dem Kennenlernen.

Lebende Landkarte

Anna, die im vergangenen Jahr ihren Freiwilligendienst in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz gemacht hat, kennt noch gar keinen der 77 weiteren Teilnehmer: "Ich weiß aber, dass noch jemand von meiner Gedenkstätte bei der Jugendbegegnung dabei ist. Seinen Namen habe ich schon mal, aber ein Gesicht fehlt mir noch", erzählt sie mir. Aus dem schnöden Raum wird nämlich nun binnen weniger Minuten eine lebende Landkarte – sortiert danach, woher die jungen Gäste des Bundestages kommen oder welches ein wichtiger Ort für sie ist.

Sprachenwirrwarr

Die "Landkarte" wird von Berlin aus gebildet. Richtung Osten fällt der Ortsname Wroclaw in Polen. Noch weiter östlich daneben steht Anastasia aus Sankt Petersburg. Sie studiert dort Politik und spricht Deutsch. Ganz knapp neben ihr steht eine Teilnehmerin aus Moskau, das ja eigentlich doch über 700 Kilometer weit weg liegt – aber dafür ist es einfach zu eng.

Gesprächsfetzen auf Französisch, Russisch und Polnisch schwirren durch den Raum. Im Südwesten wird noch diskutiert, wo sich genau aufgestellt werden soll. Etwas einsam im Süden steht Doris aus Südtirol, die in der Gedenkstätte Schloss Hartheim mitarbeitet und sich schon während der Matura mit dem Thema Euthanasie beschäftigt hat, wie sie mir später erzählt.

Viele Franzosen

Ganz im Westen steht eine große Gruppe Jugendlicher: Von Nizza über Lille bis nach Straßburg – viele der Jugendlichen der Jugendbegegnung wohnen in Frankreich.

Und dann soll im zweiten Schritt aus der Landkarte ein Halbkreis werden, indem sich alphabetisch nach Namen aufgestellt wird. Naturgemäß gibt es erst einmal ein Durcheinander, aber immerhin kommen so alle ins Gespräch. Ich stehe neben Lea, Leon und Luca während von rechts neben uns eine kleine Völkerwanderung einsetzt, weil M offensichtlich nicht vor L im Alphabet steht.

Gleich drei Antons

Nach diesem Speed-Dating geht es in fünf verschiedene Arbeitsgruppen. Gleich drei Antons haben sich in derselben Gruppe eingefunden: Anton Eins, der aus Österreich kommt, arbeitet in der Gedenkstätte Ravensbrück mit, eines der größten Frauen-Konzentrationslager Westeuropas.

Der zweite Anton kommt aus der Nähe von Hannover und macht seinen Freiwilligendienst in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Anton drei hat dann aber keinen Gedenkstätten-Hintergrund, sondern engagiert sich im Projekt "Schule ohne Rassismus" in Brandenburg.

"Ich mache einen Friedensdienst in der Gedenkstätte Oradour-sur-Glane und dort denken immer alle, dass ich Paola heiße", erzählt Paula aus Leipzig von anfänglichen Startschwierigkeiten. Ihr gegenüber sitzt Isabell aus Oldenburg, die über ein Schulprojekt zur Jugendbegegnung gekommen ist: "Wir haben in der 10. Klasse angefangen, uns vor Ort mit dem Thema Euthanasie zu beschäftigen und innerhalb von vier Jahren dafür gesorgt, dass die Oldenburger Bevölkerung über Infotafeln und Gräberfürsorge mehr über das Thema erfahren hat", erzählt sie der Gruppe.

Botschafter und Peerguides

Gideon aus Hamburg ist über eine Wanderausstellung des Anne Frank Zentrums zum Thema Erinnerungskultur gekommen und hat sich zum Anne Frank-Peerguide weiterbilden lassen: "Ich habe dann einen Poetry Slam an meiner Schule zum Thema organisiert und bin sogar eine Woche nach Berlin gefahren, um mich zum Anne-Frank-Botschafter ausbilden zu lassen", erzählt er.

Neben ihm sitzt die 17-jährige Lea aus dem Emsland. "Ich habe Geschichte als Leistungskurs", erzählt sie. "In der Nähe von Meppen gibt es ein Strafgefangenen- und Arbeitslager mit Gedenkstätte, für das ich mich interessiert habe. Dann haben wir einen Austausch nach Auschwitz gemacht und ich bin am Thema drangeblieben und mit vier Mitschülern bei der Jugendbegegnung hier dabei", erzählt sie.

"Kein Schlaf"

Wie die Erwartungen und Befürchtungen so sind, will Arbeitsgruppen-Leiterin Anna Rosenhain-Osowska zum Abschluss wissen: "Kein Schlaf", "interessante Gespräche und Impressionen", "unbekannte Geschichten", "genug Kaffee", "spannende Zeitzeugenbegegnungen" und "viele Meinungen und Diskussionen" schreiben die Jugendlichen auf bunte Karten. Nun denn, mal schauen, ob die kommenden Tage den Erwartungen gerecht werden können.

Aber erstmal geht’s zum Abendessen, auf eine Tour durch das Reichstagsgebäude und als Highlight des Tages auf die Bundestags-Kuppel, um Berlin bei Nacht zu sehen.

27. Januar: Lesen, lesen, lesen – die Vorbereitungen

Ausgedrucktes Infomaterial

Um sich auf die Woche vorzubereiten, hat Lisa Artikel und Bücher zum Thema gelesen. – © Lisa Brüßler

Hallo, ich bin Lisa

Jedes Jahr, Ende Januar, veranstaltet der Deutsche Bundestag eine mehrtägige internationale Jugendbegegnung. Und ich, Lisa, bin in diesem Jahr mit dabei und blogge für euch auf mitmischen.de.

Anlass dieser ganz besonderen Woche ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Was hat es mit dem Datum auf sich? Am 27. Januar 1945 befreiten russische Truppen das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Es war das größte deutsche Konzentrationslager und ist Symbol für den Völkermord an sechs Millionen europäischen Juden. Allein in Auschwitz wurden über eine Million Menschen ermordet, vor allem Juden, Sinti und Roma und Andersdenkende.

Auf Spurensuche

Bei der Jugendbegegnung beschäftigen sich Teilnehmer aus der ganzen Welt alljährlich mit den Opfern des Nationalsozialismus, sprechen mit Zeitzeugen und begeben sich an wichtige Orte auf Spurensuche.

In diesem Jahr ist Berlin der Schauplatz der Veranstaltung. Die anderen Teilnehmer, es sind 78 insgesamt, kommen nicht nur aus Deutschland sondern auch aus Aserbaidschan, Frankreich, Israel, Österreich, Polen, Russland, Tschechien sowie der Schweiz und der Ukraine.

Unser Thema: Versteckte Kinder

Ich lebe ohnhehin in Berlin und muss nichts packen, aber noch einiges zur Vorbereitung lesen, denn es geht in diesem Jahr um versteckte jüdische Kinder und Jugendliche. Davon gab es einige in der NS-Zeit und nicht nur in Berlin: Mutige Menschen versteckten sie, um sie vor dem Tod zu bewahren. Mehr zum Phänomen "versteckte Kinder" könnt ihr hier im Interview lesen.

Übrigens: Die Teilnehmer sind zwischen 17 und 26 Jahren alt und engagieren sich alle bereits in Projekten und Initiativen zur Geschichte des Nationalsozialismus oder gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus – da treffe ich also auf echte Experten!

Geschichte zum Anfassen

Der Bundestag organisiert die jährliche Jugendbegegnung seit 1997. In den vergangenen Jahren fand sie schon in Kiew und in Sankt Petersburg statt, aber auch an Orten wie etwa dem Konzentrationslager in Auschwitz. Die Idee: Vor Ort etwas über nationalsozialistische Verbrechen wie Besatzung, Zwangsarbeit, Deportationen oder den Völkermord zu erfahren und Geschichte lebendig werden zu lassen. Feste Bestandteile des Programms sind Vorträge, Experten- und Zeitzeugengespräche sowie Besichtigungen und Reflektionsgespräche.

Wir dürfen in den Plenarsaal

Höhepunkt der Jugendbegegnung ist die Teilnahme an der Gedenkstunde im Plenarsaal des Bundestages – dort dürfen normalerweise nur Politiker rein. Außerdem gibt es eine Podiumsdiskussion mit besonderen Gastrednern am letzten Tag des Programms. Dieses Jahr wird der renommierte Historiker Prof. Dr. Saul Friedländer der Hauptredner sein. Er wurde 1932 geboren und war ebenfalls ein "verstecktes Kind".

Die Gesprächspartner

Während der viertägigen Jugendbegegnung haben alle nicht nur die Gelegenheit, den Bundestag etwas besser kennenzulernen, sondern auch mit Hélène Waysbord, Birgit Hofmann und Gert Rosenthal zu sprechen: Waysbord wuchs nach der Deportation ihrer Eltern anonym bei Nachbarn auf und überlebte. Birgit Hofmann und Gert Rosenthal sind sogenannte "Zweitzeugen". Sie sind die Kinder des in einer Berliner Gartenkolonie versteckten Hans Rosenthal, einem inzwischen verstorbenen deutschen Entertainer, Moderator und Regisseur.

Verstecke besuchen

In Kooperation mit dem Anne-Frank-Zentrum Berlin besuchen wir Orte in Berlin, die an die Schicksale von versteckten Kindern und Jugendlichen erinnern, zum Beispiel das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, in dem sechs Monate lang eine jüdische Familie versteckt wurde. Auch ein Blick ins Ausland steht auf dem Programm: Die Gedenkstätte Maison d’Izieu in Frankreich erinnert an die Schicksale nach Auschwitz deportierter Kinder.

Ein vollgepacktes Programm also, das ihr hier im Blog verfolgen könnt – zusammen mit Fotos und Video von den nächsten Tagen.

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