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Der Autor

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Samuel Nepomuk Schwarz (20)
studiert Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft

Serie: Kunst im Parlament (2)
Vierecke im Treppenhaus

11.09.2018 |

Im Bundestag gibt es einiges zu entdecken, unter anderem auch: Kunst. Wir stellen einige Werke vor. Zum Beispiel: die Berlin Panels von Ellsworth Kelly.

Berlin Panels

Schwer abbildbar: Um der dreidimensionalen Wirkung auf die Spur zu kommen, muss man sich die Panels schon vor Ort angucken. – © DTB

Ellsworth Kelly: "Berlin Panels 2000" (2001)

Falls jemand von euch schon einmal vor der großen gläsernen Fassade des Paul-Löbe-Hauses stand (einem Gebäude des Bundestages gegenüber dem Kanzleramt in Berlin-Mitte), hat er sich bestimmt über die bunten Vierecke gewundert, die es zwischen den Treppenauf- und -abgängen zu entdecken gibt. Was hat es mit diesen vier Objekten auf sich?

Stehen das blaue, schwarze, rote und grüne Aluminiumpanel für Fraktionen im Bundestag? Oder verbirgt sich hinter ihnen irgendeine statische Funktion für das Gebäude? Alles falsch! Diese vier Farbfelder gehören zur "Kunst am Bau", die ihr in allen Gebäuden des Bundestags entdecken könnt.

Seit 1950 müssen öffentliche Gebäude einen Teil ihrer Bausumme in Kunst investieren. 1998 entschied sich der Bundestag in diesem Zusammenhang für das Konzept des amerikanischen Künstler Ellsworth Kelly, der die vierteilige Arbeit mit dem Titel "Berlin Panels 2000" im Jahre 2001 vollendete.

Optische Tricks

Um die mehrteilige Installation zu entdecken, muss der Betrachter ein paar Schritte zurücktreten. Kelly fügt die monochromen (also einfarbigen) Farbtafeln so in die Fassade ein, dass sie Teil der Gesamtarchitektur zu werden scheinen. So werden die Wand, das Treppenhaus und sogar die Glasfassade zum Teil der Installation.

Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir, dass die vier Tafeln nicht die gleiche Form haben. Vielmehr variiert Kelly die Winkel der Vierecke und verkrümmt die zweidimensionalen Objekte perspektivisch, sodass sie der ansonsten glatten Betonwand eine neue Tiefe geben, wie bei einer optischen Täuschung. Spielerisch schafft die Installation so Bezüge innerhalb der Fassade und bricht die schlichte geometrische Gestalt und Ordnung der Architektur auf.

Ziemlich "edgy"

Ellsworth Kelly gilt als einer der Hauptvertreter der sogenannten Hard-Edge-Malerei, eine abstrakte Gestaltungsform, bei der großflächige geometrische oder organische Farbfelder klar und scharf voneinander abgegrenzt werden, so wie bei dem Berliner Werk. Dabei sind die Formen zwar der Natur entnommen, aber soweit abstrahiert, dass sie "nur noch" Form-Farb-Objekte sind.

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