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Der Autor

Lukas

Lukas Pauls (22)
studiert Politikwissenschaften

Rückblick
Wie war das erste Mal?

30.08.2017 |

Die erste Rede im Plenum, das erste Mal Chef sein, erste große Entscheidungen: Wir haben junge Abgeordnete vier Jahre lang begleitet. Kurz vor der Sommerpause hat Lukas sie nochmal getroffen. Johannes Steiniger (CDU), Dennis Rohde (SPD), Susanna Karawanskij (Linke) und Katharina Dröge (Grüne) über gute Tipps und schlaflose Nächte.

Autor im Gespräch mit den MdBs

Autor Lukas lauscht gespannt, als die Abgeordneten sich über den Plenums-Endspurt austauschen. In den letzten Wochen vor der Sommerpause wurde viel diskutiert. – © Michael Kuchinke-Hofer

Dennis Rohde

Dennis Rohde (SPD): "Man sollte sich von dem politischen Betrieb hier in Berlin nicht einschüchtern lassen." – © PR

Johannes Steiniger

Johannes Steinigers (CDU) Motivation: "Ich will etwas bewegen und mich engagieren, statt das Geschehen nur zu konsumieren." – © Michael Kuchinke-Hofer

Susanna Karawanskij

Susanna Karawanskij (Linke): "Man kann etwas bewegen, das ist unglaublich sinnstiftend – Dinge anregen, manchmal Türöffner sein, Themen in die Debatte oder in den Mittelpunkt rücken." – © Michael Kuchinke-Hofer

Katharina Dröge

Katharina Dröge (Grüne): "Als Bundestagsabgeordnete kann man die Dinge in Deutschland wirklich verändern." – © Michael Kuchinke-Hofer

MdBs im Gespräch mit Autor

Susanna Karawanskij und Johannes Steiniger tauschten sich auch über Startschwierigkeiten aus. Mit der Unterstützung von Familie und Mentoren: alles halb so wild. – © Michael Kuchinke-Hofer

Die Legislaturperiode ist fast zu Ende: War es ein stressiger Endspurt?

Karawanskij: Ja, zum Ende der Legislaturperiode ist es ganz schön hektisch geworden. Die Plenarsitzungen fanden in den letzten Wochen auch mittwochs statt, damit die Tagesordnungspunkte überhaupt noch behandelt werden konnten. Viele Vorhaben wurden jetzt sehr schnell, unter anderem mit Sondersitzungen der Ausschüsse, zu Ende gebracht. In der vorletzten Woche wurden umfangreiche Grundgesetzänderungen abgestimmt. So viel Dampf wie auf den letzten Metern hätte ich mir manchmal auch während der Legislaturperiode gewünscht.

Dröge: Auch im Wirtschaftsausschuss hatten wir noch einen Marathon an Expertenanhörungen. Alle versuchen, noch einmal sehr wichtige Themen zur Abstimmung zu bringen. Wir Grünen hatten zum Beispiel einen Antrag eingebracht, der einen Abschiebestopp nach Afghanistan fordert. Und wir haben zum Thema gemacht, dass US-Präsident Trump das Klimaabkommen von Paris gekündigt hat.

Rohde: Und viele Themen werden mich auch den Sommer über beschäftigen. Man lässt ja zum Ende der letzten Sitzungswoche nicht einfach alles stehen und liegen. Man sollte schon längerfristig denken.

Steiniger: Das Ende der Sitzungszeit bietet immer auch die Möglichkeit zum Blick auf die nächste Legislaturperiode. Ich wünsche mir hier, die Erfolge fortzuführen und die gute Grundlage für weitere Investitionen zu nutzen. Wir haben eine ganze Legislaturperiode keine neuen Schulden gemacht, das soll auch in Zukunft so sein. Dennoch wollen wir die Spielräume nutzen: Familien sollen entlastet, Steuern gesenkt und in Zukunftsbereiche wie die Digitalisierung investiert werden. Für die nächste Wahlperiode müssen wir uns darüber hinaus den Megathemen Rente und Pflege stellen. Eine Expertenkommission, die in Ruhe über ein Rentensystem nach 2030 entscheidet, halte ich dabei für geeigneter als große Wahlkampfversprechen.

mitmischen.de hat Sie viele Jahre lang begleitet. Sie sind vor vier Jahren als junge Parlamentarier erstmals in den Bundestag eingezogen. Zeit für ein (Zwischen-)Fazit …

Steiniger: Meine Zeit war vielfältig. Die öffentliche Auseinandersetzung mit Rede und Gegenrede im Plenum war genauso faszinierend wie die nicht öffentliche Ausschussarbeit im parlamentarischen Alltag. Am meisten gefallen hat mir die ständige Rückkoppelung mit den Menschen aus meiner Heimat. Wenn man Bürgern konkret helfen kann und Feedback zur "großen Berliner Politik" bekommt, macht einem die Arbeit besonders Spaß. Das kommt auch meiner Grundmotivation nach: Ich will etwas bewegen und mich engagieren, statt das Geschehen nur zu konsumieren.

Dröge: Das sehe ich auch so: Als Bundestagsabgeordnete kann man die Dinge in Deutschland wirklich verändern. Das ist wichtig und ist eine riesige Verantwortung – das macht mir aber auch unheimlich Spaß. Durch meine Arbeit als Abgeordnete kann ich Themen und auch Menschen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden.

Gibt es auch Nachteile?

Dröge: Man ist auch eine sehr öffentliche Person. Gerade in den sozialen Netzwerken verwechseln das manche Menschen mit einer Einladung, ihren ganzen Hass bei dir loszuwerden. Das ist schon übel. Eine private Herausforderung war sicher das Pendeln zwischen Berlin und Köln. Immerhin über 500 Kilometer mit dem Zug hin und her – und das fast jede Woche.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job, Herr Rohde?

Rohde: Am meisten gefällt mir, dass ich wirklich etwas bewegen und mitgestalten kann. Ich habe in den letzten vier Jahren hier viel für meine Heimatregion erreicht und auch an großen bundespolitischen Vorhaben mitgewirkt. Was mir nicht so gefällt, ist, dass ich manchmal zu wenig Zeit mit meiner Familie habe. In den Sitzungswochen sehe ich sie natürlich so gut wie gar nicht. An den Wochenenden und in Wahlkreiswochen gehen die Termine oft bis spät abends und ich bin meist durchgängig unterwegs. Da freue ich mich immer besonders, wenn ich mal einen freien Sonntag habe! Aber das wusste ich natürlich vorher. Bundestagsabgeordneter ist eben kein normaler "Nine to five"-Job.

Karawanskij: Abgeordnete zu sein, ist natürlich etwas Besonderes. Es ist eine privilegierte Position, die man einnimmt – die Menschen hören zu, wenn man etwas sagt. Man kann etwas bewegen, das ist unglaublich sinnstiftend – Dinge anregen, manchmal Türöffner sein, Themen in die Debatte oder in den Mittelpunkt rücken. Und es ist nie irrelevant, womit man sich beschäftigt. Was natürlich manchmal frustriert, ist, dass die Dinge so lange dauern, aber das gehört zum demokratischen Prozess dazu.

Was waren für Sie die wichtigsten Inhalte, mit denen Sie sich in den letzten vier Jahren auseinandergesetzt haben?

Steiniger: Ganz klar: Die Flüchtlings- und Migrationskrise hat uns gerade in den letzten zwei Jahren sehr beschäftigt. Ein Punkt, der mir persönlich besonders wichtig ist – auch mit Blick auf die kommende Legislaturperiode – ist das Bemühen um einen ausgeglichenen Haushalt. Hier spielt vor allem die Generationengerechtigkeit eine große Rolle. Als drittes vielleicht noch ein Beispiel aus meinem eigenen Fachbereich – Sport – die "Sportanlagenlärmschutzverordnung". Damit haben wir den Vereinen geholfen und endlich dafür gesorgt, dass die Fußballmannschaften auf den Sportplätzen auch mal lauter sein dürfen.

Rohde: Ich finde auch: Zu den prägendsten Ereignissen der letzten Jahre gehörte mit Sicherheit die sogenannte Flüchtlingskrise. Es sind so viele Menschen weltweit auf der Flucht! Und wir haben eine Verantwortung denen gegenüber, die in ihrer Heimat alles zurücklassen, um in Sicherheit zu sein. In besonders grausamer Erinnerung ist mir dabei der unsagbar schreckliche Massenmord an den Jesiden im irakischen Sindschar-Gebirge im Sommer 2014 geblieben. In dieser Zeit waren ich und mein Büro über zwei Wochen hinweg von morgens bis in den späten Abend hinein mit dem Auswärtigen Amt in Kontakt, um alles dafür zu tun, Leben zu retten. Ich stand und stehe bis heute in engem Kontakt mit den jesidischen Vertretern in meiner Heimat Oldenburg.

Karawanskij: Die Diskussionen über die Angleichung der Renten zwischen Ost und West sind für mich sehr wichtig. Außerdem möchte ich mich auch in der nächsten Legislaturperiode für die Einführung eines "Finanz-TÜV" einsetzen, das heißt Finanzprodukte sollten, ähnlich wie Klettergerüste oder ein Föhn, überprüft werden, bevor sie auf den Markt kommen.

Dröge: Für mich war der Kampf für fairen Welthandel und gegen Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA sehr wichtig. Ich bin gegen diese Abkommen, weil sie Druck auf Umwelt-, Verbraucher- und Arbeitnehmerstandards ausüben. Zudem werden die Abkommen im Geheimen verhandelt – und das, obwohl sie das Leben der Menschen in der EU enorm beeinflussen können. Das zweite wichtige Projekt für mich war, dass Internetgiganten wie Google und Facebook sich an faire Spielregeln halten müssen. Fast alle Menschen nutzten die Dienste. Im Internet sind sie praktisch konkurrenzlos, und damit haben die Konzerne viel zu viel Macht. Die Nutzer sind ihnen insbesondere beim Thema Datenschutz ausgeliefert. Ich habe hier an Konzepten gearbeitet, wie man diese Macht durch ein schärferes Wettbewerbsrecht begrenzen kann.

Ihnen stehen nun spannende Wahlkampf-Wochen bevor. Freuen Sie sich drauf?

Karawanskij: Klar macht das Spaß, aber bei mir im Wahlkreis ist deutlich zu spüren, dass sich in den letzten Jahren etwas im Parteiengefüge verändert hat – man denke nur an den Einzug der AfD in den sächsischen Landtag. In Teilen der Gesellschaft hat sich die Akzeptanz für lautstarke Meinungen, die eher rückwärtsgewandt sind und zum Beispiel das Nationalstaatliche betonen, erhöht. Das wird sich im Wahlkampf auf jeden Fall auch zeigen.

Rohde: Sicherlich wird dieser Wahlkampf anders als der letzte, das denke ich auch. Es hat sich seit 2013 allein innenpolitisch viel getan, die Parteienlandschaft hat sich stark verändert. Ich bin gespannt, voll motiviert und optimistisch!

Dröge: Ein Unterschied für mich persönlich: Beim letzten Mal war es meine Premiere, diesmal bewerbe ich mich für die zweite Wahlperiode. Mein Landesverband Nordrhein-Westfalen hat mich unterstützt und mich auf Listenplatz sieben der grünen Landesliste gewählt. Gleichzeitig trete ich in Köln Chorweiler, Ehrenfeld und Nippes in einem Direktwahlkreis an. Ich freue mich jetzt auch auf den Wahlkampf. In Berlin sind wir Abgeordneten Fach-Experten. Im Wahlkampf ist man zuständig und ansprechbar für alle Themen und quasi rund um die Uhr auf der Straße und mit den Menschen in der Diskussion. Das ist sehr intensiv aber auch immer sehr spannend.

Was wird diesmal noch anders sein?

Dröge: Ich glaube auch, dass der Wahlkampf härter wird als im Jahr 2013. Rechtspopulisten werden versuchen aggressiv aufzutreten und gegen Minderheiten hetzen. Das bestärkt mich allerdings nur noch mehr, für meine Ideale, für eine vielfältige, tolerante und gleichberechtigte Gesellschaft zu werben!

Im kommenden Bundestag werden neue "jüngste Abgeordnete" und andere Neulinge sitzen, welche Tipps haben Sie?

Karawanskij: Was mir zum Beispiel am Anfang wahnsinnig geholfen hat, war, mir einen Mentor zu suchen. Das kann ich auch nur jedem empfehlen, der neu ins Parlament kommt. Da kann man sich dann ganz einfach Tipps holen, wenn es zum Beispiel darum geht, wie ich als Arbeitgeber für die Mitarbeiter in meinem Büro ein Konto führe oder wie ich meine Schwerpunktgestaltung am besten hinbekomme.

Steiniger: Als ich neu im Bundestag war, war ich zunächst von der Größe des Betriebs überrascht – Bundestag, Ministerien, Journalisten. Ich rate daher jedem "Neuling", sich davon nicht abschrecken zu lassen und die Hilfen zu nutzen, die einem angeboten werden. Dann geht die Einfindung auch recht schnell. Den neuen jungen Abgeordneten kann ich mit auf den Weg geben, sich weiter für die Themen der Jungen einzusetzen, deren Perspektiven einzubringen und bei Themen wie der Generationengerechtigkeit oder dem Haushalt die eigene Meinung zu verteidigen. Man sollte dabei auch ruhig die Vorteile der jungen Generation im Gespräch und in der schnellen Kommunikation nutzen. Über Facebook, Instagram oder Snapchat kann man vielfach erreichbar sein. Das fällt besonders Jüngeren leichter.

Rohde: Ich empfehle auch, sich von dem politischen Betrieb hier in Berlin nicht einschüchtern zu lassen. Am Anfang muss man sich schon daran gewöhnen, "mittendrin" zu sein. Aber es lohnt sich, sich gleich von Anfang an einzubringen. Zum Glück habe ich viele nette Kolleginnen und Kollegen in der Fraktion, die mich zu Beginn herzlich empfangen haben.

Was denken Sie: Sollte es mehr junge Abgeordnete geben?

Dröge: Ich glaube, gute Politik ist keine Frage des Alters. Mein Kollege Hans Christian Ströbele ist 78 Jahre alt und ein sehr cooler Typ und ein engagierter Politiker. Ich glaube aber, dass das Parlament ein Spiegel der Gesellschaft sein sollte. Und da gehören eben auch die jüngeren Menschen dazu. Gerade bei CDU und SPD wäre es gut, wenn es da noch ein paar mehr jüngere Kollegen gäbe.

Rohde: Ich finde auch, es kommt gar nicht so sehr darauf an, wie jung oder alt man ist, sondern wie gerne man seinen Job hier macht und wie ernst man seine Aufgabe nimmt. Insofern: Klar, ich finde es toll, wenn junge Menschen sich für Politik interessieren. Ich finde es aber genauso wichtig, dass die älteren Generationen in unserem Parlament vertreten sind. Jeder bringt seine eigenen Erfahrungen mit.

Steiniger: Wenn man sich das in der aktuellen Legislaturperiode einmal anschaut, finde ich ehrlich gesagt sogar, dass wir eine sehr gute Mischung von Jüngeren und Älteren haben – in meiner Fraktion hängt das natürlich auch damit zusammen, dass CDU und CSU ein sehr gutes Wahlergebnis hatten. Aber ja, eine gute Durchmischung der Generationen ist wichtig, aber eine Quotierung oder ähnliches würde ich ablehnen.

Was denken Sie, Frau Karawanskij?

Karawanskij: Also das hat jetzt erstmal nichts mit "jung" zu tun, aber ich war positiv überrascht, wie weiblich der Bundestag mittlerweile ist. Das ist insgesamt eine gesunde Mischung. Es bringt einem auch überhaupt nichts, wenn man nicht auf den Erfahrungsschatz der "alten Hasen" zurückgreifen kann, es braucht da einfach eine gewisse Kontinuität. Eine Quote zum Beispiel würde an dieser Stelle gar nichts bringen und am Ende entscheidet ja auch der Wähler. Aber es tut dem Bundestag definitiv gut, wenn junge Leute da sind. Das merkt man hier intern zum Beispiel auch an der wachsenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Über Johannes Steiniger (CDU/CSU):
Johannes Steiniger, Jahrgang 1987, studierte Mathematik und Politikwissenschaften an der Universität Mannheim. Nach erstem und zweitem Staatsexamen ist Steiniger von Beruf Gymnasiallehrer. Steiniger ist seit 2010 Vorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz und sein Wahlkreis ist Bad Dürkheim. Seit 2013 ist er Mitglied im Bundestag. Er ist Mitglied im Sportausschuss sowie im Unterausschuss "Bürgerschaftliches Engagement".

Über Dennis Rohde (SPD):
Dennis Rohde, Jahrgang 1986, ist direkt gewählter Abgeordneter für die Stadt Oldenburg und den Landkreis Ammerland. Er ist seit 2002 Mitglied der SPD und seit 2013 im Deutschen Bundestag. Dort ist er Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss, im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz und im Haushaltsausschuss.

Über Katharina Dröge (Bündnis 90/Die Grünen):
Katharina Dröge, Jahrgang 1984, ist seit September 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie stammt aus Münster, Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2000 ist sie der Partei Bündnis 90/Die Grünen beigetreten, war 2002 bis 2006 Landesvorsitzende der Grünen Jugend Nordrhein-Westfalen. Dröge hat Volkswirtschaftslehre studiert. Ihre politischen Themen: Freihandel, Außenwirtschaft, Wirtschaftspolitik.

Über Susanna Karawanskij (Die Linke):
Die Linksabgeordnete, Jahrgang 1980, ist in Leipzig geboren. Dort hat sie auch Politikwissenschaften studiert und ist 2008 in die Linkspartei eingetreten. Im selben Jahr wurde sie Geschäftsführerin der Kreistagsfraktion der Linken in Nordsachsen. Im Bundestag sitzt sie seit 2013 und ist Mitglied des Finanzausschusses sowie des Unterausschusses Kommunales.

Kommentare

 

Karl schrieb am 14.09.2017 08:14

ich bin der gerade karl und bin zum 1. mal auch dieser seite und fande sie scheiße

 

 

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