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Die Top Ten der Sommerloch-Themen

Aus der Froschperspektive ist ein gelbes Ortsschild mit der Aufschrift "Sommerloch" zu sehen.

Sommerloch ist tatsächlich der Name eines Ortes in Rheinland-Pfalz. Was da im Juli/August wohl los ist? – © dpa

Hilfe, das Loch kommt!

Ungefähr zur selben Zeit, wenn ihr eure Sommerferien genießt, gibt es auch im Bundestag die so genannte parlamentarische Sommerpause. Die dauert normalerweise zwei Monate, nämlich von Juli bis August – in diesem Jahr exakt vom 7. Juli bis zum 5. September. In dieser Zeit finden im Hohen Haus keine regulären Sitzungen der Ausschüsse oder des Plenums statt.

Weil die Gesetzgebungs-Maschine stillsteht, wird es ein wenig ruhiger um Themen, bei denen sonst politisch die Fetzen fliegen. Schlecht für die Medien, bei denen Themennotstand herrscht. Journalisten suchen händeringend nach guten Stories, um Online-Portale, Zeitungen oder Nachrichtensendungen zu füllen. Schließlich wollen User, Zuschauer und Hörer auch jetzt Infos bekommen und unterhalten werden.

Daher ist die Sommerpause, auch Sommerloch genannt, genau die richtige Zeit für ausgefallene Ideen und Gesetzesvorschläge oder kuriose Schlagzeilen. Das hat seit Jahren Tradition. Wir hätten längst eine Deo-Pflicht gegen müffelnde Arbeitnehmer in deutschen Büros, eine Sperrstunde für Jugendliche ab 21 Uhr und eine Strafe für Autofahrer, die im Sommer zu laut Musik bei geöffnetem Fenster hören, wenn manches Sommerloch-Thema es tatsächlich in die Tagespolitik geschafft hätte und auch umgesetzt worden wäre. Wir haben eine Hitliste mit zehn Sommerlochthemen der letzten Jahre erstellt. Und was schlagt ihr als Sommerlochthemen vor? Nutzt die Kommentarfunktion für eure Ideen.

(alle Texte: sh)

Auf einem weißen, rechteckigen Teller liegt eine Currywurst in reichlich Soße.

Die Currywurst sei zu ungesund und sollte stärker besteuert werden, lautete ein Vorschlag im Sommerloch vor zehn Jahren. – © dpa

Platz 10: Die Currywurst-Steuer

Ungesunde Lebensmittel höher zu besteuern, forderte im Sommer 2004 die damalige Abgeordnete der Grünen Ulrike Höfken. Was zu fettig, zu salzig oder zu süß ist, sollte nicht mehr mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz begünstigt werden. Der liegt derzeit bei sieben statt der üblichen 19 Prozent. Noch am gleichen Tag erklärte das Finanzministerium, das Vorhaben sei nicht durchführbar.

Postkarten aus Griechenland in einem Postkartenhalter

Gibt es mehr deutsche Urlauber in Griechenland, kaufen sie dort Postkarten oder was auch immer und kurbeln somit vor Ort die Wirtschaft an. Förderungswürdig? – © picture alliance/M.i.S./Sportpressefoto

Platz 9: Prämie für Griechenland-Urlauber

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, das wollten im Sommer 2012 zwei FDP-Politiker. Sie forderten, dass Urlaub in Griechenland staatlich gefördert wird. So könnte einerseits die kriselnde Wirtschaft in Griechenland angekurbelt werden und andererseits würden die Deutschen davon profitieren, da sie in besagtem Sommer unter schlechtem Wetter litten. Der Vorschlag sorgte nur für Kopfschütteln.

Sarah Wagenknecht, eine schwarzhaarige Frau, steht vor einem roten Hintergrund.

Ob sie sich daran wohl erfreute? Die Linke Dr. Sahra Wagenknecht galt als besonders attraktive Politikerin des Bundestages.. – © dpa

Platz 8: Sexiest Bundestagsmitglied alive

Das war mal eine Abwechslung: Im Jahr 2011 gab es eine Webseite, auf der man abstimmen konnte, welche Abgeordnete und welcher Abgeordnete im Bundestag am attraktivsten sind. Die drei zu den bestaussehendsten Frauen Gekürten gehörten allesamt der Linksfraktion an: Das waren damals Yvonne Ploetz, Nicole Gohlke und Dr. Sahra Wagenknecht. Bei den Männern lag Sven-Christian Kindler von den Grünen knapp vor Daniel Bahr von der FDP, die damals noch im Bundestag vertreten war. Es folgte ein CDU/CSUler: Andreas Jung. Erst auf Platz acht kam ein SPD-Politiker, nämlich Michael Roth. Das Ranking variierte allerdings ständig, weil permanent abgestimmt wurde.

Zwei goldene Ringe liegen übereinander. Zwei Spielzeugfiguren, ein Brautpaar, steht in einem der Ringe.

Das Thema Ehe füllte gleich zwei Sommerlöcher: einmal der Trauschein auf Zeit und einmal gleich ein Eheverbot. – © picture alliance/dpa

Platz 7: Ehe mit Verfallsdatum

Ebenfalls 2011 und schon einmal 2007 gab es zwei ausgefallene Ideen zur Ehe, die im jeweiligen Sommerloch thematisiert wurden: Vor sieben Jahren schlug die einstige CSU-Politikerin Gabriele Pauli vor, die "Ehe auf Zeit" einzuführen – nach sieben Jahren würde demnach eine Ehe automatisch getrennt. Lebenslänglich gäbe es nur, wenn die Ehepartner eine Verlängerung beantragen würden. Die Ehe gleich ganz abschaffen wollte dann einige Jahre später die Linkspolitikerin Kersten Artus. Begründung: Das Lebensmodell sei "überholt, ungerecht und verzichtbar".

Im Hintergrund ist das Reichstagsgebäude zu sehen, im Vordergrund ein geöffnetes Überraschungsei mit Spielzeugfiguren darin.

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages warnte 2008 vor Spielzeug in Schokolade und wollte das Überraschungsei verbieten. – © dpa

Platz 6: Aus fürs Ü-Ei?

Im Sommer 2008 machte die Kinderkommission (Kiko) des Bundestages von sich reden: Sie wollte das bei Kindern und Jugendlichen beliebte Überraschungsei abschaffen. Die Kombination aus Süßem und Spielzeug schien den Abgeordneten damals zu gefährlich. Das hat sich allerdings nicht durchgesetzt und so gibt es weiterhin Spannung, Spiel und Schokolade.

Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander, man sieht nur die Beine bis zum Schoß, der Mann hat seine Hand auf dem Knie der Frau, die Frau will die Hand des Mannes weg legen.

Das Thema Grabschen schaffte es im Sommerloch 1983 bis auf die Titelseite eines Nachrichtenmagazins. – © picture alliance/Frank May

Platz 5: Politiker werden selbst zum Thema

Manchmal sind es nicht nur ihre Vorschläge, sondern auch die Politiker selbst, die zum Sommerloch-Thema werden. Das ging zum Beispiel 2009 der damaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) so. Ihr Dienstwagen wurde in Spanien geklaut, nachdem sie ihren Chauffeur in ihren Urlaub nachkommen ließ. Oder das Jahr 1983: Als alle im Urlaub waren, gab es Tumult in der grünen Bundestagsfraktion. Grund dafür war der "grüne Grabscher", ein Bundestagsabgeordneter der Fraktion, der seine Kolleginnen begrabschte, angeblich aufgrund von Einsamkeit. Er löste damit eine Debatte über Sexismus am Arbeitsplatz aus. Am 15.8.1983 widmete gar das Nachrichtenmagazin Der Spiegel dem Thema eine Titelgeschichte.

Eine Hand hält ein Nummernschild so, dass man nur das B am Anfang sieht.

Jedes Fahrrad hätte ein Nummernschild, wenn sich die Idee aus dem Sommer 2009 durchgesetzt hätte. – © dpa

Platz 4: Nummernschilder für Fahrräder

Im Sommer 2009 schlug der Unionsabgeordnete Gero Storjohann vor, Fahrräder mit Nummernschildern auszustatten. Vor allem in Großstädten sollten so Verkehrssünder auf Drahteseln besser belangt werden können. Realisiert wurde das bis heute (noch) nicht, aber Storjohann sitzt zumindest noch immer im Verkehrsausschuss.

Auf einer Deutschland-Flagge ist Straßenschild gezeichnet, in dessen oberer Hälfte das Wort "Maut" steht und in dessen unterer Hälft ein PKW zu sehen. Über das Bild fährt ein schnelles Auto.

Die Maut für Pkw kommt, aber bis 2016 kann das Thema noch zwei Sommerlöcher füllen. – © picture alliance/Frank May

Platz 3: Urlaubszeit ist Maut-Zeit

Auf Platz 3 unserer Sommerloch-Themen-Charts landet die Pkw-Maut, also die Benutzungsgebühr für Autos auf öffentlichen Straßen. Denn diese Idee ist schon Jahrezehnte alt und genauso lang ganz oft im Sommer in den Schlagzeilen. Wenn die Urlauber sich auf den Straßen stauen und Deutsche Vignetten im Ausland erwerben müssen, erhitzt die Maut regelmäßig im Sommer die Gemüter. Nun soll sie ab 2016 tatsächlich kommen. Doch weil es noch keinen Gesetzentwurf aus dem Verkehrsministerium gibt, können auch diesen Sommer noch hitzig die Pros und Contras aufeinanderprallen: Etwa dass uns die Holländer dann nicht mehr mögen, geschweige denn bei uns Auto fahren wollen. Oder ob für Grenzländer wie Österreich Ausnahmen gelten sollen oder... – ihr könnt es fast täglich lesen und hören.

Ein ausgestopfter Braunbär an einem Bienenstock.

Braunbär Bruno hat das Sommerloch 2006 gefüllt, aber leider den Sommer selbst nicht überlebt. Heute steht er ausgestopft in einem bayrischen Museum. – © dpa

Platz 2: Vom Killer-Wels zum digitalen Moorhuhn

Sie findet man fast jeden Sommer auf den Titelseiten der Medien, mindestens in den Lokalblättern: Tiere prägen Sommerlöcher weitab von der politischen Bühne – egal ob ausgebüchst oder wieder eingefangen.

Das wohl international berühmteste Sommerloch-Tier ist Seeungeheuer Nessie aus dem schottischen Loch Ness. 1975 entstand das schemenhafte Foto, ein entlaufener Zirkuselefant soll angeblich für das Mysterium verantwortlich sein. 1994 ist es der leinenlose Kaiman Sammy, der an einem Baggersee in Nordrhein-Westfalen für Aufregung sorgt. Vier Jahre später ist ein Känguru namens Manni Medienstar. 2001 reißt Killer-Wels Kuno in einem Teich in Mönchengladbach einen Dackel. Wir alle erinnern uns an Braunbär Bruno, dessen Leben 2006 ein trauriges Ende fand. Und auch Alligator-Schildkröte Lotti, Berberaffen aus Thüringen oder digitale Moorhühner weckten das mediale Interesse. Allen Tieren der vergangenen Sommerloch-Jahre ist gemeinsam, dass sie immer Namen hatten – bei uns kommen sie auf den verdienten zweiten Platz.

Ein spanischer Badestrand ist voll mit Touristen. Eine Deutschlandflagge weht im Wind.

Mallorca ist DIE Urlaubsinsel der Deutschen. Aber sie zu kaufen und als 17. Bundesland zu integrieren – das ist DIE Schnapsidee aller Sommerlöcher zusammen. – © dpa

Platz 1: Malle wird Deutsch?

Das lustigste und auch Aufsehen erregendste Sommerloch-Thema, wie wir finden, ist auch nach über zehn Jahren noch haarsträubend genug und wird deshalb als Sieger unserer Top Ten gekürt. Es ist der Vorschlag, die spanische Ferieninsel Mallorca zu kaufen und sie zum 17. Bundesland zu machen. Das war 1993 die Idee des CSU-Politikers Dionys Jobst. 50 Milliarden Deutsche Mark wollte er den Spaniern als Kaufpreis dafür geben. Dass das eigentlich von Anfang an ein Scherz war, bemerkte in der folgenden Schlagzeilenhysterie quer durch alle Medien niemand mehr.

Kommentare

 

Rose schrieb am 29.06.2017 09:33

"Ehe für alle"

 

 

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