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Die Autorin

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Marina Dirks (22)
studiert Germanistik und Anglistik

Schönere Stadt mit Postkarte und Stift

15.11.2013 |

"Wohin mit meinem Engagement?" – das hat sich mitmischen-Autorin Marina gefragt. Bis sie ein eigenes Projekt in ihrer Stadt umsetzen konnte und sozialkritische Postkarten entworfen hat. Die sollen Solinger Bürger zur Teilhabe aufrufen.

Sie verändern ihre Stadt

Grüne Postkarte mit der Aufschrift Samenspende

Mit einer Samenspende und der dazugehörigen Saat – befestigt an dieser Postkarte – riefen Marina und ihre Mitstreiter dazu auf, eigenes Bio-Gemüse anzubauen. – © Marina Dirks

Blaue Postkarte mit Schnipseln einer Brücke

Ein weiterer Entwurf: Diese Postkarte soll symbolisch dazu beitragen, Brücken zwischen Menschen zu bauen. – © Marina Dirks

Junge Leute malen an Maltafeln in einer Fußgängerzone

Eine der Postkarten von Marina und ihren Jungredakteuren rief zu einer Malaktion auf: Die Teilnehmer trieben es ganz schön bunt bei der bildhaften Verschönerung einer Solinger Straße. – © Marina Dirks

Ein blondes Mädchen mit Brille hockt und malt

Auch im Rahmen der Changemaker gab es eine Aktion zur Gewaltprävention in der Solinger Innenstadt: Marina gestaltet den Aufdruck für einen Stoffbeutel, um ein Statement zu setzen. – © Marina Dirks

Eine Gruppe junger Menschen sitzt an einem Billiardtisch

Zu den neuen Changemaker-Projekten gehört auch die Theatergruppe „Jumbo“ : (v.l.) Christoph, Lisa, Serafina, Aline, Fabian und Jan-Marco. – © Marina Dirks

Zwei Mädchen und ein junge mit Brille schauen in die Kamera

Beim Changemaker-Projekt „smart routes“ unterstützen Asena, Richard und Pia (v.l.) Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. – © Marina Dirks

Zwei Mädchen sitzen auf einer blauen Matte

Das Postkartenvorhaben von Marina und Co. brauchte einen konkreten Plan, den Marlene Hennicke (rechts) und Pia gemeinsam durchgehen. – © Marina Dirks

Ein eigenes Projekt haben, in dem man seine Kreativität ausleben und andere Leute mitreißen kann – so etwas wollte ich schon als Teenager machen. Leider wusste ich damals nie, an wen ich mich hätte wenden sollen. Erst vor etwa zwei Jahren fand ich die richtige Umgebung dafür: und zwar im Projekt Youth Changemaker City in meiner Heimatstadt Solingen – ein Projekt, bei dem Jugendliche den Wandel ihrer Stadt vorantreiben wollen.

Herzenssachen mit anderen teilen

Das Team um Projektleiterin Theresa Hirn kennt solche Fälle wie mich: "Viele Teenager wollen sich engagieren, wissen aber nicht wo. Wir gehen in Schulen und Jugendeinrichtungen und holen die Jugendlichen dort ab. Gemeinsam mit ihnen versuchen wir, die Hemmschwellen für jugendliches Engagement herabzusetzen."

So kam auch ich dazu. In einer Sitzung der Jugendredaktion "Karl" des Solinger Tageblattes, in der ich arbeite, luden uns die Changemaker dazu ein, uns mit einem eigenen Projekt zu beteiligen. Wir waren sofort Feuer und Flamme und schon war die fünfköpfige Gruppe "PlaKarl.tiert" geboren. Nun hatten wir die Möglichkeit, uns auch außerhalb der Zeitung kreativ auszulassen und Dinge, die uns am Herzen liegen, mit noch mehr Menschen zu teilen.

Aus Plakat wurde Postkarte

Die Grundidee unseres Projektes war, wie der Gruppenname schon sagt, Plakate zu gestalten. Und zwar mit Themen, die uns bewegen. Nach und nach hatten wir immer mehr Ideen und Themen. Aber wo fängt man an, bei so einem großen Plakat? Wir beschlossen also, erst mal im Postkartenformat zu beginnen. Mit einer kleineren Fläche kommt man zügiger voran und kann schneller erste Erfolge verzeichnen, die zur Weiterarbeit motivieren.

Ganz so leicht war das dann aber doch nicht, was auch an unserem dezenten Gruppenperfektionismus lag. Fast jede Woche haben wir einige Stunden in der Bücherei verbracht und über unseren Ideen gebrütet. Über ein halbes Jahr haben wir mit Händen, Köpfchen sowie Bildbearbeitungsprogramm an unseren Postkarten von 10,5 mal 14,8 Zentimetern herumgedoktert. Doch es hat sich gelohnt: Schlussendlich hielten wir vier verschiedene, selbst entworfene "FreeKarl.s" in den Händen. Der Name ist abgeleitet vom englischen Wort freecard, meint also eine kostenlose Postkarte, die häufig als Werbemittel eingesetzt wird. "FreeKarl." zielt natürlich auf unsere Jugendredaktion ab, in der das Projekt entstanden ist.

Aus Meckern wird Machen

Wir haben Ideen entwickelt, vertieft, verworfen, neue Einfälle eingebaut und immer neue Denkansätze in den bereits bestehenden Entwürfen gefunden. Auf der Rückseite der Postkarten konnten wir die Ideen, die dahinter stecken, erläutern.

Schließlich waren die endgültigen Versionen gefunden: Mit einer Bio-"Samenspende" – inklusive Aussaat – wollen wir die Leute dazu animieren, sich ihr eigenes Gemüse anzubauen und so gesünder und nachhaltiger zu leben. Und mit dem Buntstift an unserer "Mach dem Grauen ein Ende!"-Karte konnten alle Meckernden zu Machern werden. Anstatt sich über das graue, trostlose Stadtbild zu ärgern, soll die vorgegebene Bleistiftzeichnung einer Solinger Straße auf der Rückseite der Karte verschönert werden.

Die anderen beiden Karten drehen sich um friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft und kulturelle Vielfalt. Unsere Karten legten wir in der Bücherei und dem Kino aus. Schon nach wenigen Tagen waren alle 500 Stück vergriffen, und auch im Bekanntenkreis fanden sie reißenden Absatz.

Aus Ideen werden Projekte

Das Projekt Changemaker City ist seit 2013 in der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Solingen und wird von einer großen Mobilfunkmarke gefördert. 2009 gründete die Organisation Ashoka Deutschland die erste Youth Changemaker City in Potsdam. 2010 folgten dann Wuppertal und Frankfurt am Main. Noch ein weiteres Jahr später ging die Changemaker City Solingen an den Start. Vor wenigen Monaten kam Herten im Ruhrgebiet als fünfte Changemaker City dazu.

In meiner Stadt Solingen sind viele Changemaker-Projekte auf den interkulturellen Dialog ausgerichtet: Die "Kulturreisen"-Gruppe veranstaltet beispielsweise interkulturelle Kochabende, Jugendliche mit Migrationshintergrund produzieren im bergischen Land ein Theaterstück namens "randmale". Und die Gruppe "smart routes" unterstützt Kinder mit Migrationshintergrund bei ihrer schulischen und sozialen Entwicklung.

Potenzial ausarbeiten

Die beiden letztgenannten Projekte waren Newcomer und haben unter anderen in der Jurysitzung am 5. November 2013 eine Projektfinanzierung von 400 Euro abgestaubt. Eine solche Jurysitzung muss jedes neue Team durchlaufen, um dort seine Projektidee vorzustellen. Auch ich habe im Oktober 2011 unser Postkartenprojekt vor einer fünfköpfigen Jury aus Vertretern der Jugendförderung, dem Projektinitiator Ashoka und den finanziellen Unterstützern vorgestellt. Meine Mitstreiter und ich wurden geehrt und wir bekamen den Zuschuss von damals noch zweimal 400 Euro.

Mittlerweile hat sich unsere Gruppe leider aufgelöst. Ich besuche dennoch regelmäßig die Changemaker-Treffen und unterstütze neue Teams bei ihrer Projektentwicklung. Es ist toll, zu sehen, wie viel Potenzial in den Jugendlichen steckt, und das mit ihnen auszuarbeiten.

Weitere Beiträge zu: Engagement, Demokratie.

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