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4-Tages-Planspiel
Plötzlich Abgeordneter

20.06.2018 |

333 junge Leute aus ganz Deutschland waren in diesen Tagen bei einem 4-Tages-Planspiel im Bundestag dabei. Was die Bundestagsabgeordneten auf Zeit im Plenarsaal und in den Fraktionsräumen erlebt haben und wie ihr im nächsten Jahr dabei sein könnt, lest ihr hier.

Jugendliche im Plenarsaal

Gleich am ersten Tag dürfen die Planspiel-Politiker im echten Plenarsaal Platz nehmen. – © Charles Lother

Sie schlüpften in die Rollen fiktiver Bundestagsabgeordneter, saßen im echten Plenarsaal und sprachen unterm Bundesadler an genau dem Rednerpult, das man regelmäßig in den Nachrichten sehen kann: 333 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen vom 23. bis 26. Juni an einem 4-Tages-Planspiel im Deutschen Bundestag teil. Das Spiel heißt "Jugend und Parlament" (JuP).

Neue Identität

Wer es geschafft hat, einen der begehrten Teilnehmerplätze zu ergattern, den erwarten spannende Tage. Am ersten Tag bekommen die Teilnehmer eine neue Identität – Name, Lebenslauf, Partei und eine politische Ausrichtung werden ihnen zugewiesen. Sie werden entweder Abgeordneter der Bürgerlichen Bewahrungspartei, der Partei für Gerechtigkeit und Solidarität oder der Partei für Engagement und Verantwortung. Ob den Spiel-Politikern die politische Richtung gefällt oder nicht – jetzt heißt es: The show must go on.

Früh aus den Federn

Am ersten Tag lernen sich die Mitglieder der einzelnen Landesgruppen (alle Abgeordneten einer Partei aus einem Bundesland) und Fraktionen erst einmal kennen. Am nächsten Tag muss man früh aus den Federn. Gleich nach dem Sechs-Uhr-Dreißig-Frühstück beginnt das Programm im Bundestag mit einer Landesgruppensitzung – wie im echten Leben treffen sich also die Abgeordneten aus einer Region. Auf diese folgen die ersten Fraktionssitzungen. Hier werden sowohl die Schriftführer als auch die Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Die Fetzen fliegen

Die Tage danach heißt es dann: Ran an die Gesetzesvorlagen! Welchen Inhalt die Entwürfe haben, bleibt bis zum Start des Planspiels geheim. Auf mitmischen.de könnt ihr die Dokumente dann nachlesen.

Logisch, dass bei all den Diskussionen auch mal die Fetzen fliegen, schließlich hat jeder durch seine Rolle eine politische Mission und will sich durchsetzen. Eine Stunde Zeit haben die Nachwuchsparlamentarier zunächst in ihren jeweiligen Arbeitsgruppen, dann in den Fraktionen. Für die erste Lesung muss der Gesetzentwurf fertig sein. Die Videos aus dem Plenum könnt ihr euch übrigens im Blog anschauen.

Zustimmen oder ablehnen?

Nach der ersten Lesung der Gesetzesentwürfe im Plenum unter Leitung (echter) Bundestagsvizepräsidenten gehen die Entwürfe gleich wieder in die Planspiel-Ausschüsse zurück – ganz so wie im echten Parlamentsbetrieb. Jetzt feilen die Planspiel-Teilnehmer weiter an den Vorlagen, streiten darüber, ändern sie womöglich, suchen nach Formulierungen, für die es eine Mehrheit geben könnte. Am Ende stimmen sie darüber ab, was sie dem gesamten Bundestag empfehlen werden. Dies kann sein: Stimmt zu! Oder: Stimmt in der geänderten Fassung zu! Oder aber: Lehnt ab!

Danach geht es zu den Fraktionssitzungen. Hier erwartet die Politiker auf Zeit ein ziemlich hohes Arbeitspensum: Vier Stunden werden dazu genutzt, zu jeder einzelnen Ausschussempfehlung in der Fraktion Position zu beziehen. Zudem bestimmen die Jungparlamentarier die Redner für die zweite und dritte Lesung.

Diskutieren mit den "Echten"

Die weiteren Lesungen finden dann am letzten Planspiel-Tag statt. Wer setzt sich durch? Wer scheitert mit seinen Ideen? Auch das gehört mit zum politischen Alltag eines jeden Abgeordneten. Nach spannenden Debatten erwartet sie ein weiteres Highlight: Eine Podiumsdiskussion mit echten (stellvertretenden) Fraktionsvorsitzenden des Bundestages. Mit dabei waren in diesem Jahr:

  • Nadine Schön, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
  • Andrea Nahles, Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion,
  • Leif-Erik Holm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion,
  • Christian Lindner, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion,
  • Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE,
  • Anton Hofreiter, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und
  • Ulrich Lange, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die CSU-Landesgruppe.

Auch dazu könnt ihr euch das Video anschauen.

Zum Schluss werten die Teilnehmer das Planspiel noch in ihren Landesgruppen aus. Nach vier intensiven Parlaments-Tagen geht es dann wieder nach Hause, zurück in den Alltag.

Den Bundestag verstehen

Ziel der Simulation ist es, dass Jugendliche im Alter von 17 bis 20 Jahren die Arbeit der Abgeordneten kennenlernen – in Landesgruppen, Fraktionen, Arbeitsgruppen und Ausschüssen. Das Planspiel, das jedes Jahr im Frühjahr oder Frühsommer stattfindet, soll die Arbeitsweise des Bundestages vermitteln, nicht politische Inhalte. Auch üben die Jugendlichen sich im Debattieren und versuchen, Mehrheiten für ihre politischen Anliegen zu gewinnen. Zur Teilnahme nominiert werden sie im Voraus von Mitgliedern des Bundestages.

Die Parlamentssimulation "Jugend und Parlament" ist eine Variante des Planspiels "Parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren". Das bietet der Besucherdienst des Deutschen Bundestages insbesondere für Schulklassen ab der zehnten Jahrgangsstufe an.

Ihr wollt wissen, wie ihr bei Jugend und Parlament mitmachen könnt? Dann schaut hier in unsere FAQs!

(red/fb)

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