Inhalt

Teilnehmer-Blog
Kampf um Kompromisse

26.06.2018 |

Was haben die Teilnehmer des großen Bundestags-Planspiels erlebt? Im Blog nehmen sie euch mit hinter die Kulissen. Wie war das mit der neuen Identität, erster Rede im Plenum und politischem Hickhack?

David

Aus links wird rechts: David musste im Planspiel Positionen einnehmen, die im wahren Leben nicht wirklich seine sind. – © privat

Resümee: David, 17, ändert die Perspektive

Am Samstag, 23. Juni, war es soweit: Jugend und Parlament (JuP) konnte los gehen! Für vier Tage nahmen über 300 Jugendliche die Rolle von Mitgliedern des Deutschen Bundestages ein. Bundesweit haben Bundestagsabgeordnete dazu aufgerufen, sich für das Planspiel zu bewerben und ihren Platz im Parlament einzunehmen. Das Planspiel, das seit vielen Jahren durch den Besucherdienst des Bundestages organisiert wird, hat ein klares Ziel: Jungen Menschen politische Prozesse näher zu bringen und für Politik zu begeistern.

Als ich vom Planspiel erfahren habe, war ich sofort interessiert, habe mich informiert und mich dann beworben. Als ich von "meinem" Abgeordneten Klaus Mindrup aus Berlin-Pankow für JuP nominiert wurde, stand vier aufregenden Tagen nichts mehr im Wege!

Gewöhnungsbedürftige Rolle

Die eigene Fraktion und Rolle konnte man sich nicht aussuchen. Für viele waren die zugeteilte politische Zugehörigkeit zu den Fraktionen und die entsprechenden Überzeugungen ihrer Rolle völlig fremd. Dadurch mussten sehr viele Teilnehmer ihren Blickwinkel erweitern und die Dinge aus anderen Perspektiven betrachten. Ein guter Nebeneffekt des Planspiels! Für mich war es eine besondere Erfahrung, als politisch links orientierter Jugendlicher in der konservativen Fraktion für liberale Werte und Marktwirtschaft einzustehen.

Fraktionen, Ausschüsse, und und und ...

Die vier Tage hatten ein volles Programm. Zu einem Bundestagsabgeordneten gehört auch ein voller Terminkalender. Während wir in unseren Fraktionen uns klar zu den Gesetzesentwürfen positioniert haben, fand in den Ausschüssen die richtige Debatte zwischen den verschiedenen politischen Parteien mit ihren verschiedenen Auffassungen statt.

Im Plenum haben sich die Abgeordneten einer Partei klar auf Außenwirkung fokussiert. Eine Fraktion beziehungsweise eine Partei muss geschlossen und stark auftreten. In diesen vier Tagen waren alle Jugendlichen mit Eifer und Begeisterung dabei. Wir haben viel dazu gelernt und nehmen spannende Eindrücke mit nach Hause. Meinen potentiellen Nachfolgern kann ich die Teilnahme nur empfehlen!

Dienstag: Diskussion mit den "echten" Chefs

© DBT

Dienstag: Zweite und dritte Lesung

© DBT

Montag: Erste Lesung

© DBT

Montag: Aaron, 17, findet Kompromisse

Am dritten Tag des Planspiels ging es nun erstmals an den Austausch zwischen den verschiedenen Fraktionen. Doch um den Tag zu starten, fand vor diesem Austausch eine Sitzung im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes statt. Diese fiel zwar sehr kurz aus, lieferte aber schon einen guten Eindruck, wie eine solche Sitzung vonstatten gehen kann.

Ans Eingemachte

Danach ging es ans Eingemachte. In den verschiedenen Ausschüssen fing nun der Austausch und die Diskussion mit den anderen Fraktionen an. Es ging darum, Kompromisse zu finden, denn: Die führen meistens besser zum Ziel, als wenn man nur auf seiner Meinung beharrt. Als kleinste Fraktion, die der Partei für Engagement und Verantwortung, kurz PEV, mussten wir besonders darauf achten, mit unserem Koalitionspartner, der Fraktion der Partei für Gerechtigkeit, kurz GP, einen Kompromiss zu finden, der für beide Seiten passt. Dies gelang dann meines Erachtens auch und mit dem Ergebnis schienen alle äußerst zufrieden.

Treffen mit den Echten

Nach den Ausschüssen trafen sich die meisten Teilnehmer des Planspiels mit den echten Abgeordneten, die uns zu Jugend und Parlament eingeladen hatten. Mit Heike Baehrens von der SPD konnte ich über Politik sprechen, aber auch über persönliche Erfahrungen. So konnte ich nochmal einen tieferen Einblick in das Leben und Arbeiten eines Abgeordneten bekommen, aber auch in die Arbeit der Büroangestellten.

Wer redet im Plenum?

Zuletzt ging es noch einmal in die Gesamtfraktion des Planspiels, um die Ergebnisse der Ausschüsse zu präsentieren und diese zu bestätigen oder zu verändern. Desweiteren wurden nun die Redner für die nächste Sitzung im Plenarsaal bestimmt. Nach einigem Hin und Her standen diese schließlich fest und der Tag konnte noch einmal in den Landesgruppensitzungen rekapituliert werden.

Entspannen beim Abendessen

Beim anschließendem Abendessen gab es nun wieder die Möglichkeit, sich zu entspannen und interessante Gespräche zu führen, oder schlichtweg Spaß zu haben. So ging der bisher produktivste Tag von Jugend und Parlament vorbei, einerseits mit Erleichterung über das Vollbrachte, andererseits mit Bedauern über das baldige Ende des Planspiels.

1

Am Montag wurden die Vorlagen in den Ausschüssen bearbeitet. – © Charles Lother

2

Politik ist eine ernste Sache. – © Charles Lother

3

Und Politik ist auch ... viel Papierkram. – © Charles Lother

4

Mit Thomas Oppermann (SPD) leitete ein echter Bundestagsvizepräsident die Plenarsitzung. – © Charles Lother

Sonntag: Wie stellen sich die Fraktionen auf?

Jugendliche im Fraktionssaal

Wer wird Vorsitzender oder Vorsitzende der Fraktion? – © Charles Lother

Stimmabgabe

Die Planspiel-Teilnehmer geben ihre Stimmen ab. – © Charles Lother

Applaus im Saal.

Gespannt warten die Nachwuchs-Politiker auf das Ergebnis. – © Charles Lother

Applaus

Wer am meisten überzeugt, darf die Fraktion in den nächsten Tagen vertreten. – © Charles Lother

Sonntag: Lin, 16, spürt die Verantwortung

Mein Name ist Lin Großmann, ich bin 16 Jahre alt und komme aus Mönchengladbach. Ich bin zwar in keiner Partei aktiv, aber politisch interessiert und hab mich deshalb für die Teilnahme an diesem Planspiel des Bundestages beworben. Für die nächsten Tage bin ich Ina Hesse, seit 15 Jahren Abgeordnete der Gerechtigkeits-Partei im Deutschen Bundestag und komme aus Gummersbach in Nordrhein-Westfalen.

Direkt auf die Fraktionsebene

Heute ging es nach dem Sicherheitscheck am Besuchereingang des Bundestages direkt auf die Fraktionsebene. Dort wurden in den einzelnen Fraktionen noch einmal einige Dinge genauer erklärt. Dann haben wir in den Landesgruppen zwei Landesgruppenvorsitzende gewählt. Diese wurden der ganzen Fraktion vorgestellt und es wurde der Fraktionsvorsitzende gewählt. Das alles hat sich ein wenige hingezogen. Erst herrschte Gleichstand, dann mussten noch die Stellvertreter gewählt werden und so weiter.

Essen vergessen

Nach einer langen, intensiven Fraktionssitzung gab es Mittagessen im Paul-Löbe-Haus, einem Gebäude des Bundestages. Während der Pausen und des Essens kommt man immer mit interessanten Leuten ins Gespräch. Das geht so weit, dass man manchmal sogar das Essen vergisst.

Immer in der Rolle bleiben

Nach dem Mittagessen kam die Arbeit in den Arbeitsgruppen. Ich bin im Innenausschuss und beschäftige mich mit einem Gesetzesentwurf zum Thema chancengleiche Bewerbung. Mit dem Entwurf beschäftigen sich sonst noch der Gleichstellungsausschuss und der Arbeitsausschuss. In der Arbeitsgruppe, aber vor allem in der Fraktion mussten wir feststellen, dass es nicht einfach ist, immer in seiner Rolle im Planspiel zu bleiben, aber wir versuchen unser Bestes und hatten einen sehr interessanten Tag im Deutschen Bundestag.

Samstag: Die Teilnehmer schlüpfen in ihre Rollen

Ankunft mit Koffern

Aus ganz Deutschland reisen die Teilnehmer für das Planspiel an. – © Charles Lother

Unterlagen

Erste Station: Die Anmeldung, bei der die Jugendlichen ihre neuen Identitäten bekommen. – © Charles Lother

Daumen hoch

Zwischen den einzelnen Programmpunkten bleibt immer wieder Zeit, neue Leute kennenzulernen oder alte Bekannte wiederzutreffen. – © Charles Lother

Jugendliche im Plenarsaal

Gleich am ersten Tag dürfen die Planspiel-Politiker im echten Plenarsaal Platz nehmen. – © Charles Lother

Nick vor dem Reichstagsgebäude..

Erstes To-Do in Berlin: Nick aus Rheinland-Pfalz macht ein Selfie vor dem Reichstagsgebäude. – © privat

Samstag: Nick, 18, trifft im Bundestag ein

Am Morgen um sechs Uhr begann meine Reise nach Berlin. Ich wusste, dass ich in ein spannendes Abenteuer starten würde, allerdings war ich anfangs wohl noch zu müde, um wirklich aufgeregt zu sein. Doch je mehr ich realisierte, dass ich bis zum Ende des Tages auf dem Stuhl eines Abgeordneten im Bundestag sitzen würde, desto mehr Vorfreude kam auf, natürlich gemischt mit ein wenig Nervosität.

Wo werde ich landen?

In Berlin angekommen dachte ich gerade darüber nach, in welcher Partei und in welchem Ausschuss ich wohl arbeiten würde, als ich das imposante Reichstagsgebäude sah und endgültig der Euphorie erlag. Vor dem Gebäude machte ich dann noch das Foto, das Ihr hier sehen könnt. Dann ging es zum Paul-Löbe-Haus, einem Gebäude des Bundestages, in dem ich all die Informationen erhielt, auf die ich so lange gewartet hatte.

Bundestags-Vize begrüßt uns

Ich begann direkt, mich mit den zahlreichen Materialien zu beschäftigen und erste Kontakte zu anderen Teilnehmern zu knüpfen. Es ist wirklich interessant, wie viel man in kurzer Zeit über den politischen Hintergrund und die Motivationen so vieler junger Menschen erfährt.

Später begann dann auch bereits die Eröffnungssitzung im Plenarsaal, in der der Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich uns alle auf unsere neuen Funktionen als Parlamentarier einstimmte. Ich hatte die Ehre, ihm aus der ersten Reihe zuzuhören und plötzlich überkam mich das Gefühl, ein waschechter Abgeordneter des Bundestages zu sein. Dieses Gefühl lässt sich schwer beschreiben. Es hat etwas Würdevolles, das natürlich auch mit großer Verantwortung einhergeht.

Bereite meine Strategie vor

Ich bin schon sehr gespannt, was die nächsten Tage bringen werden. Ich muss aus meiner Rolle heraus einige äußerst kontroverse Gesetzesentwürfe vertreten, die umzusetzen wahrscheinlich einiges an Überzeugungsarbeit kosten wird. In jedem Fall werde ich mein Bestes geben! Außerdem habe ich vor, für das Amt des Fraktionsvorsitzenden zu kandidieren und bereite dafür gerade meine Strategie vor. "Jugend und Parlament" ist also gewiss anstrengend, aber definitiv auch eine Erfahrung für das ganze Leben. Ich bin wirklich froh, ein Teil dieser großartigen Veranstaltung zu sein.

Junge Frau

Fast wie bei James Bond: Marta, 17, aus Tübingen bekommt eine neue Identität. – © privat

Vorbereitungen: Lesen, schauen, packen

Hallo zusammen. Ich bin Marta, 17 Jahre alt und komme aus Tübingen. Doch das könnt ihr gleich wieder vergessen. Denn ab Samstag bekomme ich für vier Tage eine neue Identität. Anlass ist das Planspiel "Jugend und Parlament" des Deutschen Bundestages, an dem ich dieses Jahr teilnehmen darf. In wenigen Tagen ist es so weit und ich mache mich auf den Weg nach Berlin. Eigentlich hatte nicht mehr damit gerechnet, dieses Jahr teilzunehmen. Ich stand auf der Warteliste und in der Bewerbungsphase war die Auskunft am Telefon, dass die Wahrscheinlichkeit nachzurücken, sehr gering ist. Doch ich habe es geschafft! Jetzt gehe ich seit einigen Wochen meinem privaten Umfeld auf die Nerven und kenne kein anderes Gesprächsthema mehr.

Wie kommt es zu meiner Namensänderung?

"Jugend und Parlament" heißt für mich: das Leben und insbesondere die Arbeit von Abgeordneten spielerisch und doch ernsthaft zu simulieren. Einmal im Jahr erhalten rund 300 Jugendliche zwischen 17 und 20 Jahren die Möglichkeit, die Arbeit im Deutschen Bundestag bei dem Planspiel kennenzulernen. Dafür schlüpfen wir vier Tage in eine Rolle, inklusive neuem Namen, neuem Lebenslauf und der Zugehörigkeit zu einer fiktiven Partei. Genaue Details erfahren wir erst vor Ort.

Was packe ich ein?

Bei mir steigt die Aufregung momentan mit jeder Stunde und tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Was muss ich einpacken? Wie werde ich mich in so einer großen Gruppe zurechtfinden, in der etliche bereits ein politisches Amt ausführen? Merkt man mir mein junges Alter und meine Nervosität an?

Debatten gucken und Zeitung lesen

So habe ich mich auf die Reise nach Berlin vorbereitet: Ich habe viele viele Zeitungsartikel gelesen, mich genau über das Planspiel des letzten Jahres informiert und verfolge seit einigen Wochen echte Bundestagsdebatten. Geht jederzeit online im Parlaments-TV.

In den restlichen Stunden vor meiner Abfahrt bleibt die ungebremste Vorfreude. Vorfreude auf ein Projekt, das zeigt, welchen Wert Demokratie in unserer Gesellschaft hat und das diesen Wert an Jugendliche vermittelt. Vorfreude auf viele andere interessierte Menschen und hoffentlich ganz viele anregende Gespräche. Wir sehen uns in Berlin!

Kommentare

 

Ahrfuchs schrieb am 02.09.2018 11:57

… tolles Projekt! Würde am liebsten gleich mit debattieren. Weiter so!

 

 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: