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Constantin Germann 68x68

Constantin Germann (19)
studiert Jura

Ernährung
Bald Burger aus dem Labor?

14.02.2018 |

Billigfleisch, Massentierhaltung, Antibiotika im Stall: Der Bundestag hat kürzlich über gesunde Ernährung diskutiert. Was jedoch ist gesund? Constantin tischt alles rund ums Fleisch auf. Und ob wir in zehn Jahren Kunst-Wurst essen, haben wir sechs Fraktionen gefragt.

veganer Burger

Ist das die Zukunft: Burger aus Kunst-Fleisch? – © picture alliance/dpa

Öfter ins Kino, mehr Sport oder gesünder essen – alles gute Neujahrsvorsätze, doch die meisten sind längst verflogen. Dieses Problem ist auch der Agrarexpertin der Union, Gitta Connemann (CDU), bekannt. Sie weiß, wen die Menschen dann für Übergewicht und Atemnot verantwortlich machen: den Stress, die Gene, die Industrie und natürlich auch die Politik, sagte sie kürzlich im Bundestag bei einer Debatte über gesunde Ernährung.

Doch die Anschuldigungen gehen nach Ansicht der Abgeordneten an die falschen Adressen. "Wir bestimmen selbst, ob wir an Übergewicht, Diabetes oder Herzinfarkt erkranken", sagte Connemann am 18. Januar, als es im Plenum auch um die Massentierhaltung, Antibiotika im Stall und Billigfleisch ging. Im Einklang mit anderen Rednern warb die Politikerin für Aufklärung über gesunde Ernährung in Kitas und Schulen.

10 goldene Regeln

Wann aber ist Ernährung gesund? Fachpolitiker der Fraktionen verweisen häufig auf die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), welche, gestützt auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, ein paar Richtlinien für eine gesundheitsförderliche Ernährung erstellt hat. Diese zehn goldenen Regeln beinhalten Tipps zu Getränken, Vollkorkprodukten, Fisch und Obst oder etwa Gemüse.

Was sich auch in der Liste findet: Fleisch. Es enthält wichtige Inhaltsstoffe wie Zink, Selen oder Eisen, ist aber nur in gemäßigten Mengen wirklich gesundheitsfördernd. So empfiehlt die DGE, nicht mehr als 400 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche.

Ein Kilo Fleisch

Doch die Realität sieht anders aus: Die Deutschen essen durchschnittlich über ein Kilo wöchentlich. Aber was genau ist das Problem dabei? Fleisch wird in zwei Sorten unterteilt: rotes und weißes. Das rote Fleisch sind Schweine-, Kalb-, Rind- und Lammfleisch, das weiße Geflügel- und Kaninchenfleisch. Rotes Fleisch wird mit Darmkrebserkrankungen in Verbindung gebracht, seitdem unter anderem die Weltgesundheitsorganisation 2015 dazu eine Studie veröffentlichte. Eine großangelegte europaweite Studie ergab, dass Menschen, die überdurchschnittlich viel Steaks und Würste konsumieren, öfter an chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder einer Fettleber leiden (Studie des European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition, EPIC).

Antibiotika im Essen

Mit Burgern und Co. nehmen wir nicht nur Nährstoffe, sondern oft auch Medikamente zu uns. So werden laut dem aktuellen Fleischatlas der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung jährlich weltweit 131.000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert. Das entspricht circa der doppelten Menge Antibiotika, die jährlich weltweit bei Menschen verwendet wird. Doch die Erreger, gegen die die Mittel eingesetzt werden, können auf längere Zeit Resistenzen aufbauen, sodass die Medikamente nicht mehr anschlagen. Und dies auch beim Menschen, der das Fleisch konsumiert.

Dass bei Tieren, die wir essen, überhaupt Antibiotikum verwendet wird, hängt mit der Nachfrage zusammen. Denn bei uns sinkt der Fleischkonsum zwar leicht, global betrachtet steigt er aber immer mehr. Deswegen ist die Fleischindustrie in den letzten Jahren extrem gewachsen und somit auch die einzelnen Betriebe. Dort werden Tiere oft aus Kostengründen in einem Umfeld gehalten, das schnell krank machen kann und deshalb schon vorbeugend mit Medikamenten versorgt.

Gülle und Gase

Die Massentierhaltung birgt weitere Probleme für die Gesundheit der Menschen. Da immer mehr Tiere gehalten werden, entsteht automatisch mehr Gülle. Diese Gülle wird in der Regel über die Felder der Bauern gekippt, als Düngemittel. Aber mittlerweile ist es für viele Felder zu viel Gülle, sodass vielerorts mehr Nährstoffe in die Böden kommen, als dieser aufnehmen kann. So gelangen diese zum Teil ins Grundwasser, was dieses belastet.

Auch jenseits der individuellen Gesundheit hat der hohe Fleischkonsum negative Effekte, etwa in Gebieten, wo es noch tropischen Regenwald gibt. Dort werden, um Flächen für Tiere zu schaffen, Teile des Regenwaldes abgeholzt. Laut dem Fleischatlas 2018 wird die Weltbevölkerung bis 2050 um ein Drittel zunehmen, sodass, wenn sich der Fleischkonsum und die Haltung nicht ändern, immer mehr Flächen für Tiere geschaffen werden müssen. Weniger Regenwald bedeutet: mehr Kohlendioxid (CO2) in der Luft. Denn Pflanzen können den Klimakiller abbauen.

Schädliche Pfürze

Der hohe Energieverbrauch, der bei der Herstellung von Futtermitteln entsteht, trägt ebenfalls zum Klimawandel bei. Und die Tiere selbst: Wiederkäuer wie Rinder produzieren beim Verdauen jede Menge Methan, ein Gas das 25 mal klimaschädlicher ist als CO2. Japanische Forscher haben ausgerechnet, dass ein Kilo Rindfleisch das Klima so stark belastet wie 250 Kilometer Autofahrt.

All dies sind Gründe, warum einige Forscher inzwischen mit Fleisch aus dem Labor herumexperimentieren. Ob künstliche Steaks und Würste eines Tages die Nutzertierhaltung zum Teil ablösen werden und wann wir "Clean Meat" im Kühlregal finden, das hat Noah die Wissenschaftlerin Arianna Ferrari vom Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung gefragt. Ihre Antworten findet ihr hier.

Positionen der Fraktionen

Nicht nur ums Fleisch, sondern auch um Nährwert-Ampeln für Lebensmittel, die finanzielle Lage von Landwirten oder etwa die Reduzierung von Zucker ging es in der Bundestagsdebatte im Umfeld der Agrarmesse "Grüne Woche" am 18. Januar. Die Positionen aller Fraktionen könnt ihr euch im Video anschauen.

mitmischen.de hat bei den Fachleuten der Parteien speziell zum Thema Fleisch nachgehakt und wollten zum Beispiel wissen, ob wir in zehn Jahren Burger aus dem Labor essen und inwieweit sich die Politik in die Ernährung überhaupt einmischen sollte. Die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus, ihr findet sie hier.

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