Inhalt

 

Der Autor

Nico-Hajrahmatollahi_68x68

Nico Amiri (22)
studiert Biomedizin

Hintergrund
Was uns satt macht

09.01.2015 |

Fastfood, Bio, Nervennahrung – einmal im Jahr spricht ganz Deutschland über Lebensmittel und Landwirtschaft. Dann nämlich, wenn die weltgrößte Agrarmesse Grüne Woche stattfindet, die auch Experten des Bundestages besuchen. Was auf dem Programm steht und euch interessieren könnte.

Man sieht einen grünen Korb mit Gemüse.

Gemüse und Politik: Auf der Messe "Grüne Woche" treffen Gourmets und Abgeordnete aufeinander. – © dpa/picture alliance

Lachs in Riga-Black-Balsam-Marinade, Graupenpilaw mit Gemüse und Pilzen, Staburadze-Kuchen und Milchbonbons – der Speiseplan im Restaurant der Lettland-Halle klingt vielversprechend. Wenn die weltgrößte Agrarmesse Grüne Woche am 16. Januar in Berlin ihre Pforten öffnet, wird landauf und landab wie alljährlich im Januar über Landwirtschaft und Lebensmittel diskutiert werden. Lettland ist in diesem Jahr Partnerland der Grünen Woche und fährt dabei das Beste auf, was seine Küche zu bieten hat.

Zwischen Häppchen und Politik

Seit 1926 gibt es die Grüne Woche. Mehr als 1.200 Aussteller aus aller Welt präsentieren sich in diesem Jahr auf der internationalen riesigen Agrarmesse; die Veranstaltung zog 2014 gut 410.000 Besucher an. Nicht nur Fans des guten Essens kommen nach Berlin: Die Grüne Woche ist regelmäßig auch der Ort, an dem sich aus- und inländische Minister, Staatssekretäre und die Ministerpräsidenten der Bundesländer treffen. Auch die Parlamentarier des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages kommen hier jährlich zur Stippvisite vorbei – einige von ihnen sind selbst Landwirte. Die Messe ist nicht nur ein kulinarisches, sondern auch politisches Ereignis.

Kein Wunder, dass es dabei nicht immer nur kuschelig zugeht. Seit Jahren nutzen Tierschutz- und Umweltorganisationen die Grüne Woche, um unter dem Motto "Wir haben es satt" gegen die industrialisierte Landwirtschaft zu protestieren. Regelmäßig wird die Messe damit auch zum Austragungsort einer Diskussion zu der Frage, die viele Menschen umtreibt: Was bedeutet die moderne Landwirtschaft für Tiere und Menschen?

Auch in diesem Jahr wollen sich die Macher der Grünen Woche ihr stellen und haben viele Info- und Diskussionsveranstaltungen angekündigt. Über unsere täglichen Speisen wollen sie zum Beispiel sprechen im "Dialog Lebensmittel", über den regionalen Bezug und nachhaltiges Handeln, aber auch über die "Lust aufs Land" und das Jagen und Angeln.

Schweine-Mobil und Kuhstall

Dabei sollen auch junge Besucher Erkenntnisse gewinnen können. Der Erlebnisbauernhof in Halle 3.2, nur ein Teil des großen Schülerprogramms, soll ihnen "einen praxisnahen Einblick" in die Vielfalt der Ernährungswirtschaft ermöglichen. Unter der Überschrift "Wir nutzen und schützen aus Verantwortung" geht es um den Zusammenhang von Mensch, Tier und Umwelt und die Verantwortung der Agrarwirtschaft, aber natürlich auch des Einzelnen.

Die Möglichkeit, miteinander in Dialog zu treten, ist für die Organisatoren dabei besonders wichtig, da der Einzelne oft Probleme hat, die Schritte der Wertschöpfungsketten bei Produktion und Herstellung zu überblicken.

Jung und Alt sollen im Bereich der "Tierproduktion", so formuliert es die Pressemitteilung im Vorfeld, drei Highlights erleben dürfen: im Schweine-Mobil, einem Putenstall und einem Kuhstall. Moderne Nutztierhaltung soll so mit Tierschutz und Produktivität in Verbindung gebracht werden. Die Besucher können in diesem Bereich außerdem eine Schaufleischerei besichtigen und einen Einblick in eine gläserne Bäckerei bekommen. Und dann gibt es noch ein Novum in diesem Jahr, das vor allem für junge Besucher interessant sein dürfte: Erstmals werden auch Lebensmittel für Allergiker, Vegetarier und Veganer präsentiert.

Allergiker aufgepasst

Dabei ist die Branche riesig. Jeder achte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet im Bereich der Lebensmittelwirtschaft, mit mehr als 80 Millionen Verbrauchern und 170.000 Produkten ist sie einer der wichtigsten Bereiche unseres Binnenmarktes. Ihre Interressenverbände sind auf der Messe aktiv. So kooperieren dieses Jahr etwa die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) und schaffen den „Dialog Lebensmittel". Es treffen sich Verbraucher, Fachbesucher, Politik und Medien. Im Fokus sind diesmal etwa die Etiketten auf unseren Lebensmitteln sowie die Mindestschriftgrößen auf den Verpackungen. So sollen Allergiker beispielsweise sofort erkennen können, ob ein Produkt für sie unverträgliche Zutaten enthält.

Auf der Messe findet auch das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) statt: Unter dem Titel "Wachsende Nachfrage nach Nahrung, Rohstoffen und Energie: Chancen für die Landwirtschaft, Herausforderung für die Ernährungssicherung?" will das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hier Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine Plattform bieten, um "über Chancen, Potentiale und Herausforderungen einer biobasierten Agrarwirtschaft unter der Prämisse der Ernährungssicherung zu diskutieren".

Zeit für Lettland

Und dann gibt es noch den Blick über den Tellerrand: Unter dem Motto "Nimm dir die Zeit" ist die Lettische Republik diesjähriger Partner der Grünen Woche. Der Zeitpunkt sei besonders für seine Regierung, so der lettische Minister für Landwirtschaft Jānis Dūklavs, da Lettland zeitgleich die halbjährige EU-Ratspräsidentschaft übernehme. Das Land selbst sei neben seiner Offenheit und Gastfreundschaft für seine Natur bekannt, die nur wenig beeinflusst durch den Menschen sei und eine große biologische Vielfalt hervorbringe. Man freue sich weiterhin über die Möglichkeit, bei der international ausgerichteten Messe die lettische Lebensmittelindustrie präsentieren zu können.

Neugierig? Die Gründe Woche findet in Berlin in der neuen Messehalle CityCube statt. Wer Interesse hat, sollte sich Zeit nehmen zwischen dem 16. und dem 25. Januar und als Schüler oder Student neun Euro dabei haben, Eltern fünf Euro mehr. Sonntags und für Schulklassen ist das Ticket noch günstiger. Kinder unter sechs Jahren bekommen freien Eintritt.

Kommentare

 
 

Dein Kommentar



Artikel bewerten:

 

Der Autor

Nico-Hajrahmatollahi_68x68

Nico Amiri (22)
studiert Biomedizin