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Die Autorin

Ein braunhaariges Mädchen hält die Hände am Kopf und lächelt

Anne Juliane Wirth (25)
studiert Politikwissenschaft


Lebensmittel
Grüner wird's nicht

19.01.2016 |

Selfie mit Kuh, Diskussionen über Tierschutz, Bio-Snacks: In Berlin ist Landleben angesagt. Was Städter auf die Landwirtschaftsmesse Grüne Woche lockt und wie der Bundestag für mehr Durchblick bei Lebensmitteln sorgt, hat mitmischen-Autorin Anne Juliane recherchiert.

Gemüse aus dem diesjährigen Partnerland Marokko

In Marokko gibt es nicht nur Wüste: Die fruchtbaren Täler des diesjährigen Partnerlandes liefern körbeweise frisches Gemüse. – © PR

Heute schon den Kochlöffel geschwungen? Dann seid ihr voll im Trend. Laut Ernährungsreport schenken wir unserem Essen immer mehr Beachtung. Kochen macht tatsächlich Spaß – das jedenfalls gaben drei Viertel der Befragten an. Die Begeisterung zieht sich durch alle Altersgruppen, besonders ausgeprägt ist sie jedoch bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Hier bestätigen 81 Prozent, dass sie sehr gerne hacken, schneiden, dampfen und braten, so der Bericht des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher.

Pasta und Regionales

Der Deutschen liebstes Gericht ist übrigens Pasta. Außerdem zeigt die Studie, dass wir sehr wohl Wert darauf legen, dass unsere Lebensmittel keine weiten Wege haben: Regionales liegt im Trend. 76 Prozent aller Befragten achten darauf, dass die Lebensmittel aus ihrer Region kommen.

Viele Verbraucher wollen wissen, was sie essen. Die Abgeordenten des Bundestags möchten es ihnen künftig leichter machen. Am 14. Januar stimmte die Mehrheit einem Koalitions-Antrag zu, der fordert, dass die Vorschriften, die es für bestimmte Lebensmittel gibt, transparenter werden.

Woher kommt das Schnitzel?

Was kennzeichnet etwa Kartoffelchips, was unterscheidet ein Fruchtsaftgetränk von einer Fruchtschorle und von welchem Tier stammt ein Wiener Schnitzel? Antworten auf solche Fragen gibt das Deutsche Lebensmittelbuch. Dort sind mehr als 2000 Lebensmittel beschrieben: So sind Kartoffelchips verkehrsüblich frittierte Kartoffelscheiben und werden nicht aus Kartoffelteig hergestellt. Ein Fruchtsaftgetränk unterscheidet sich von einer Fruchtschorle dadurch, dass eine Fruchtschorle Kohlensäure enthält. Ein Wiener Schnitzel stammt nur vom Kalb. Das Handbuch wird von der Lebensmittelbuch-Kommission erstellt. Diese arbeitet ehrenamtlich und ist mit Vertretern der Verbraucher, der Lebensmittelüberwachung, der Wirtschaft und der Wissenschaft besetzt. Ihre Arbeit soll sich nach dem Willen der Koalitionsfraktionen in Zukunft stärker an den Interessen der Verbraucher orientieren. So sollen auch Anfragen von dem Portal lebensmittelklarheit.de in die Arbeit einfließen.

Weltgrößte Agrarmesse eröffnet

Um Chips und Schorlen, also Ernährungs- und Landwirtschaftsthemen, geht es auch bei der Internationalen Grünen Woche. Noch bis zum 24. Januar 2016 präsentieren rund 1.660 Aussteller aus Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau ihre Produkte aus über 60 Ländern in Berlin. Die Großveranstaltung ist ein Genusstempel sondergleichen, zugleich die besucherstärkste Messe der Hauptstadt und auch weltgrößte Leistungsschau von Mensch, Tier und Pflanze.

Wer alle 26 Hallenkomplexe sehen will, muss gutes Schuhwerk und etwas Durchhaltevermögen mitbringen – immerhin handelt es sich um eine Wegstrecke von acht Kilometern. Bis zu 400.000 Besucher werden diese Herausforderung gerne annehmen – so die Prognose der Veranstalter.

Spitzenpolitiker rücken an

Begleitet wird die Messe von mehreren hundert Vorträgen und Tagungen. Spitzenpolitiker aus dem In- und Ausland diskutieren aktuelle Themen. In diesem Jahr steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Welternährung gesichert und gleichzeitig nachhaltiges Wachstum der Landwirtschaft bei knappen Ressourcen ermöglicht werden kann. Weitere Top-Themen: Landwirtschaft und Klimawandel, Lebensmittelkennzeichnung und Ernährungsbildung oder etwa Auskommen in der Landwirtschaft. Am Donnerstag werden auch die 34 Mitglieder des Bundestags-Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft die Messe besuchen.

90 Jahre – und immer für eine Überraschung gut

Insider wissen: Die Grüne Woche feiert in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag. Aus einer lokalen Warenbörse hat sich eine international bekannte Verbraucherschau entwickelt. Im Jahr 1926 wurde die Grüne Woche zum ersten Mal abgehalten. Mit der Veranstaltung führten die Organisatoren die zahlreichen Kleintierausstellungen, Reit- und Fahrturniere, einen Saatenmarkt und Jagdschauen zu einem zentralen Event zusammen. Die Idee kam an: Schon im Eröffnungsjahr kamen mehr als 50.000 Besucher zur Grünen Woche.

Übrigens: Ein Kleidungsstück ist schuld an der Namengebung. Damals schlenderten die Bauern mehrheitlich im grünen Lodenmantel durch die Stadt – und so erhielt die Messe ihren Titel.

Im Jahr 2005 gab es erstmals ein offizielles Partnerland bei der Grünen Woche: Den Auftakt machte Tschechien. In diesem Jahr ist Marokko das erste afrikanische Partnerland und zeigt landestypische Produkte, darunter Gewürze, Oliven, Kapern, Datteln, Couscous und Linsen, aber auch Arganöl und Rosenblütenwasser.

Demos zum Start

Schon traditionell ist auch die Großdemonstration "Wir haben es satt" zum Start der Grünen Woche. Pünktlich zum Messeauftakt rief ein Bündnis von rund 100 Organisationen zur Großdemonstration am Potsdamer Platz auf. Die Teilnehmer kritisierten lautstark die Subventionen (also staatlichen Zuschüsse) für die konventionelle Landwirtschaft und fordern eine ökologischere Agrarwirtschaft. Die Polizei zählte bis zu 23.000 Teilnehmer. Mit ihrer Gegenveranstaltung "Wir machen euch satt" demonstrierten Bauern in Berlin für eine vorurteilsfreie Betrachtung moderner Landwirtschaft. Zeitgleich zu der Kundgebung mit rund 1500 Teilnehmern in Berlin fanden auch kleinere Demonstrationen in anderen Städten statt.

Auf nach Berlin

Tickets für die Grüne Woche könnt ihr übrigens online bestellen oder vor Ort kaufen. Fragt auch nach Ermäßigungen für Gruppen, Schüler, Studenten oder Schulklassen. Für einige der Veranstaltungen aus dem Schülerpogramm könnt ihr euch ebenfalls noch online anmelden. Ihr könnt euch zum Beispiel über verschiedene Berufe informieren und selbst gärtnern, backen oder kochen – liegt schließlich im Trend.

Wenn ihr an ein paar weiteren Hintergrundinfos zur kritischen Lage der Landwirtschaft und zu Lebensmitteln in Deutschland interessiert seid, dann schaut doch mal in das Video rein. Darin erklärt Alois Gerig, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, was es mit dem Lebensmittelbuch auf sich hat, wie die Lage der Bauern verbessert werden soll und warum ihr beim Kartoffelkauf genau hinschauen solltet.

Alois Gerig im Interview

© DBT

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