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Die Autorin

Schedler Anita

Anita Schedler (25)
studiert Kunstgeschichte

Kükentötung
Flauschig, männlich, tot

15.04.2016 |

Männliche Küken haben in der Eierbranche keinen wirtschaftlichen Nutzen, deshalb werden jedes Jahr Millionen von ihnen vergast. Das sollte verboten werden, fordern die Grünen im Bundestag – die Koalition ist dagegen und schlägt andere Lösungen vor.

Küken in einem Korb

Männliche Küken auf dem Biohof Walkendorf in Mecklenburg-Vorpommern – © picture alliance/ dpa

Männliche Küken können keine Eier legen, für die Eierproduktion sind sie also nutzlos. Da die Küken von Hühnerrassen, die speziell fürs Eierlegen gezüchtet werden, zu wenig Fleisch ansetzen, können sie auch in der Fleischindustrie nicht gebraucht werden. Die Küken werden daher gleich nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert. Die männlichen, "nutzlosen" Küken werden nach nur wenigen Stunden mit Kohlendioxid erstickt oder geschreddert. Ihre Überreste werden dann beispielsweise zu Futtermittel für Zoos weiterverarbeitet.

420 Millionen tote Hähne

In den letzten zehn Jahren sind so laut einem Antrag der Grünen im Bundestag in Deutschland mehr als 420 Millionen Hähne getötet worden. Im Vergleich zu 2014 ist die Zahl der getöteten Küken 2015 sogar um 3,3 Millionen auf 48 Millionen gestiegen. Im europäischen Ausland ist diese Praxis ebenfalls üblich.

Was die Grünen wollen

Gegen die Praxis des Tötens der sogenannten Eintagsküken gibt es Widerstand. Die Grünen-Fraktion will das Töten der männlichen Küken verbieten. Die Linke unterstützt das Vorhaben. Mit ihrer Forderung beziehen sie sich auf den ersten Paragraphen des Tierschutzgesetztes (TierSchG). Der verbietet es, dass einem Tier "ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden" zugefügt werden. Die Grünen sehen in der fehlenden wirtschaftlichen Nutzbarkeit keinen ausreichenden Grund, warum massenweise Küken getötet werden sollten.

Sie fordern in ihrem dem Bundestag vorgelegten Antrag, dass das Töten der männlichen Küken verboten und zeitnah gestoppt wird. Die Bundesregierung soll in die Erforschung von Alternativen investieren, wie mit den Hähnen umgegangen werden kann. Außerdem fordern die Grünen, dass den Brütereien finanzielle Unterstützung zugesichert wird, damit diese schnell auf neuere Technik umsteigen können.

Was sagt die Koalition?

CDU/CSU und SPD stimmten am 17. März 2016 gegen die Forderungen der Opposition. Dieter Stier von der CDU sagte, eine Verbesserung des Tierwohls kann nur gemeinsam mit den Tierhaltern erreicht werden.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kündigte indes bereits 2015 in einer Pressemitteilung an, das Küken-Schreddern "so schnell wie möglich" beenden zu wollen. Allerdings sieht er in einem übereilten Verbot keine Vorteile. Es müssen praktikable Lösungen verfügbar sein. Denn, so das Landwirtschaftsministerium, "ein Verbot ohne Alternative würde die Geflügelhaltung lediglich ins Ausland verlagern."

Was bisher geschah

Der Streit um das Kükentöten schwelt schon länger. Nicht nur Tierschützer kritisieren die Praxis. 2013 hatte Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Die Grünen) das Töten in seinem Bundesland verboten. Jedoch musste er den Erlass nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Minden im Februar 2015 zurückziehen. Im Bundestierschutzgesetz gebe es für den Erlass keine Grundlage, so die Begründung des Gerichts.

Die Staatsanwaltschaft reichte daraufhin Beschwerde ein, sodass nun das Oberlandesgericht Hamm entscheiden wird. Remmel kündigte bereits an, sich weiter für ein Verbot des Tötens zu engagieren. Dass dieser Vorstoß aus Nordrhein-Westfalen kommt, ist kein Zufall. Rund 27 Millionen männliche Küken werden allein in diesem Bundesland jährlich vergast, denn viele Brütereien haben im benachbarten Niedersachen ihren Sitz.

Alternativen zum Töten

Alternativen sind bereits in der Entwicklung. Es könnte vermehrt in die Züchtung von Rassen investiert werden, bei denen die männlichen Küken mehr Fleischmasse als bisher ansetzen und so von der Fleischindustrie weiterverwendet werden können. Diese Art der Nutzung wird Zweitnutzungshuhn genannt. Dafür sprach sich in der Bundestags-Debatte auch Christina Jantz-Herrmann für die SPD aus. Mit Blick auf Verbotsinitiativen grüner Landwirtschaftsminister forderte die Sozialdemokratin, dass ein für die Bundesrepublik einheitlicher Ansatz gefunden werden müsse, weil sonst ein Flickenteppich drohe.

Eine andere Alternative wird an der Uni Leipzig erforscht. Dort wird ein Verfahren entwickelt, mithilfe dessen nach drei Tagen im bebrüteten Ei das Geschlecht bestimmt werden kann. Männliche Küken werden dann nicht mehr ausgebrütet. Diese Alternative wird von der CDU/CSU unterstützt und auch der Landwirtschaftsminister setzt darauf, dass die Kükentötung damit schon 2017 ein Ende haben könnte.

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