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Pro und Contra
Retter oder Verbrecher?

25.04.2017 |

Es gibt Menschen, die noch genießbare Lebensmittel aus dem Müll von Supermärkten oder Kantinen fischen und mitnehmen – bislang eine Straftat. Das "Containern" sollte nicht strafbar sein, findet die Linksfraktion im Bundestag und Caro meint das auch. Marie hält dagegen.

Profilbild Carolina Pfau

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Contra

Marie, 22: Guter Gedanke – falscher Weg!

82 Kilogramm Müll wirft jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr weg, 313 Kilogramm Abfall landen dadurch jede Sekunde in Deutschland im Müll, im ganzen Jahr sind das etwa 18 Millionen Tonnen. Egal mit welcher Zahl wir die Wegwerf-Gesellschaft beschreiben – zu viel Müll, darunter Tonnen an Lebensmitteln, bleibt es am Ende immer. Aber macht es Sinn, dem Problem mit einer Entkriminalisierung von Lebensmittelrettern zu begegnen?

Keine Grundwerte untergraben!

Nein, und das hat gute Gründe. Denn Besitz und Eigentum, ganz gleich ob Lebensmittel oder nicht, enden nicht durch Lagerung in der Mülltonne. Juristisch gesehen handelt es sich also um Diebstahl, wenn Mülltaucher Lebensmittel aus dem Abfall fischen. Gleichzeitig überwinden die Mülltaucher häufig Zäune und Grundstücksgrenzen, was als Einbruch oder Hausfriedensbruch bewertet werden kann.

Das mag angesichts der massenhaften Vernichtung genießbarer Lebensmittel nebensächlich klingen, dennoch würde man mit der Legalisierung von Mülltauchern juristische Grundwerte untergraben. Selbst an dieser Stelle enden die juristischen Argumente nicht, denn es stellt sich die Frage, wer bei möglichen gesundheitlichen Schäden haftet.

Containern löst das Problem nicht

Es stimmt: Viel zu viele Lebensmittel werden weggeworfen, obwohl sie noch genießbar sind. Ein Teil der weggeworfenen Menge landet allerdings auch mit gutem Grund im Müll: Etwa weil er verdorben ist, von Bakterien befallen, oder weil es eine begründete Rückrufaktion gab. Mülltaucher setzen sich somit gesundheitlichen Risiken aus, besonders wenn man bedenkt, dass Müll unter unhygienischen Zuständen, oftmals in der Hitze, gelagert wird.

Händlern fehlen Umsätze

Anzumerken ist auch, dass Supermärkte vermutlich Umsatzverluste einfahren würden, wenn sich Leute durch die Entkriminalisierung fragen: Warum soll ich eigentlich noch im Supermarkt einkaufen? Zwar mag der Einzelne durch Lebensmittelrettung Geld sparen, sich der Wegwerf-Gesellschaft durch moralisches Handeln entgegenstellen und den Anspruch haben, etwas Gutes für die Umwelt zu tun – ein "Tropfen auf den heißen Stein" bleibt es aber leider dennoch.

Lebensmittelrettung löst die weltweite Hungerproblematik nämlich nicht, da sie nichts am generellen Produktionsüberschuss ändert und Hungernde, etwa in Afrika, nicht nährt. Als Protest mag Containern ein gesellschaftliches Mittel sein, um Aufmerksamkeit auf die Problematik zu lenken, lösungsorientierte wäre es aber, an den Wurzeln anzusetzen. Durchaus sinnvoller wäre es auch, es Supermärkten zu erleichtern, abgelaufene Lebensmittel zu spenden und mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen.

Keine Strafen mehr für Lebensmittelretter?





Kommentare

 

Judd chic fn schrieb am 19.10.2018 14:23

Aber wir sollten mit diesem guten Gedanken vorangehen und nicht denken das Schaft dich eh keiner

 

 

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