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Die Autorin

Sophia Förtsch 68x68

Sophia Förtsch (24)
studiert Kunstwissenschaft und Journalismus

Bienen im Bundestag
Schwarzgelbe Symbolträger

30.05.2018 |

Rund um's Paul-Löbe-Haus brummt es. Ein Innenhof des Bundestags-Gebäudes beherbergt drei Bienenstöcke. Sophia hat die Tiere besucht und mit deren Paten gesprochen.

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Oliver Krischer (Grüne) zeigt Autorin Sophie die Bundestagsbienen. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen hat sich schon im Studium mit Bienen beschäftigt. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Der Blick in den Stock zeigt: Hier ist alles in Ordnung. – © Michael Kuchinke-Hofer

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Der Bundestagshonig wird zweimal im Jahr geschleudert. – © Michael Kuchinke-Hofer

Glas Bundestagshonig

So sieht er aus, der Bundestags-Honig. Öffentlich verkauft wird er nicht. – © Michael Kuchinke-Hofer

Jeden Tag gehen hunderte Menschen im Paul-Löbe-Haus ein und aus. Der gläserne Bundestagsbau direkt neben dem Reichstagsgebäude ist auch an diesem späten Donnerstagnachmittag noch gut besucht. Nachdem ich die Sicherheitskontrolle am Haupteingang passiert habe, wird der Blick in einen modernen rund 200 Meter langen lichtdurchfluteten Bau frei. Eine Schulklasse steht neben dem Besuchertresen, im ersten Stock steht eine Traube Journalisten.

Aus dem Fenster steigen

Dass der Deutsche Bundestag neben Politikern, ihren Mitarbeitern und Verwaltungsleuten noch mehr "Bewohner" hat, weiß kaum jemand. Ihr Zuhause ist recht schwer zu finden. In der Nähe des Sitzungssaals E 600 geht es durch eine Glastür, geradeaus und dann wieder links. In einem kleinen Seitengarten, nur erreichbar über ein Seminarraumfenstert, leben verborgene Völker. Annalena, Sylvia und Kathrin – die Königinnen – haben ihre Gefolgschaft fest im Griff.

"Wir brauchen Insekten"

Die Rede ist von den Bienen. Diese besonderen Haustiere des Bundestages gibt es hier seit 2016. Aktuell schwirren zwischen 25.000 und 50.000 Bienen pro Volk in dem kleinen Garten umher. Versorgt werden die schwarz-gelben Tierchen vom stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Oliver Krischer. Er ist seit Oktober 2017 Pate der Bundestagsbienen. Übernommen hat er das Projekt von der Gründerin und ehemaligen Vorsitzenden des Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne).

Von seinen summenden Kollegen schwärmt er in den höchsten Tönen: "Ich fand Bienen schon immer toll." Bereits im Biologie-Studium hat Krischer sich mit Kommunikationsformen der Bienen beschäftigt. Sein eigentliches Steckenpferd aber ist die Vogelbeobachtung (Ornithologie). Und als Experte weiß er: "Wo es keine Bienen und keine Insekten gibt, gibt es auch keine Vögel. Wenn wir eine intakte Natur wollen, brauchen wir Insekten."

"Es gibt viele Gifte"

Zum Schutz der Insekten hatten die Grünen im April einen Antrag eingebracht. Ein Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel sollte die Tierchen retten. Zwar wurde der Antrag von der Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt, das Verbot wird es allerdings trotzdem geben – durch Entscheidungen der EU. Bienenfreund Krischer geht die Entscheidung in Brüssel allerdings noch nicht weit genug: "Es ist gut, dass jetzt erst mal drei Neonikotinoide, also Giftstoffe, die die Landwirtschaft verwendet, auf europäischer Ebenen verboten sind. Es gibt aber noch eine Menge anderer Gifte."

Honig für Politiker

Auf den ersten Blick scheint bei den Bundestagsbienen alles in bester Ordnung. Summen und Brummen ist zu hören, als Daniel Holstein einen der Bienenstöcke vorsichtig öffnet. Er ist einer der Büromitarbeiter von Oliver Krischer und unterstützt den Abgeordneten bei seiner Patenschaft. Dafür hat Holstein extra Imker-Kurse besucht. Zwei Mal im Jahr schleudert er den Bundestagshonig.

Geschmack je nach Jahreszeit

Krischer verrät, dass der Zeitpunkt des Schleuderns auch den Geschmack des Honigs beeinflusst. Im Sommer schmeckt der Honig nach Lindenblüten und im Frühjahr nach Kirschblüten und Kastanien, je nachdem was gerade blüht. Insgesamt produziert jeder der drei Bienenstöcke rund 40 bis 60 Kilogramm Honig im Jahr. Davon verwerte man rund die Hälfte für die Honigverarbeitung. Der Rest bleibt den Bienen zum Überleben. Mit den 30 Kilo Honig pro Stock liegen die Bundestagsbienen im Durchschnitt. Der Honig der entsteht, verbrauchen die Bienenfreunde selbst oder geben ihn an andere Abgeordnetenbüros ab.

Ablenkung ist alles

Ein Blick in den Bienenkasten verrät: Die Insekten lassen sich nicht bei ihrer Arbeit stören. Mit einem sogenannten Smoker beruhigt Holstein die kleinen Tierchen. Das Imkergerät, aus dem der Rauch von Sägespänen oder Stroh entweicht, simuliert einen Brand und bringt die Bienen so dazu, Vorbereitungen zur Flucht zu treffen. Sie sind also abgelenkt. Durch den Einsatz des Smokers ist es uns erlaubt, stichfrei in den Bienenstock zu blicken. Eine Schutzkleidung, wie ich sie von Fotos oder aus Filmen mit Imkern kenne, brauchen wir nicht, die Bienen sind viel zu beschäftigt.

Viel mehr als Honig

Das Innere des Bienenstocks offenbart ein perfekt organisiertes System: Königin, Arbeiterinnen und Wächterinnen. Die Wächterinnen passen auf, dass keine stockfremden Bienen zu ihnen stoßen. Bisher habe sich auch noch keine der Bienen in eins der vielen Büros im Paul-Löbe-Haus verflogen. Sie starten vor allem in Richtung des benachbarten Tiergartens, um sich dort Kastanienblüten zu holen.

Den Orientierungssinn, den die Tiere dafür brauchen, beeinträchtigen die Pflanzenschutzmittel. Die Nervengifte lösen eine Art Alzheimer aus. Die Biene weiß plötzlich nicht mehr, wo sie hinfliegen soll, kann nicht mehr mit den anderen Stockbewohnern kommunizieren, ist verwirrt. Es führt dazu, dass ein Volk in kürzester Zeit auch absterben kann. "Das trifft die Wildbienen noch viel härter", so Krischer. Klar: Dort, wo Landwirtschaft betrieben wird, gibt es auch mehr Pflanzenschutzmittel als in der Stadt.

Wichtig für alle Pflanzen

"Wir müssen unbedingt eine Landwirtschaft schaffen, die ohne diese Gifte auskommt", appelliert Krischer. Ökolandbau zeige, wie man ohne Pestizide wirtschaften kann. Beim Schutz der Bienen geht es nämlich nicht nur darum, ob wir weiter Honig essen können oder nicht. Mit ihrer Arbeit bestäuben die Bienen alle möglichen Pflanzen und tragen so einen wichtigen Teil zu unserer Nahrungsmittelversorgung bei.

Das könnt ihr tun

Wie ihr Bienen helfen könnt? Die Wiese im Garten wachsen lassen, den Balkon mit Wildblumen bepflanzen. Klinische Sauberkeit in den Gärten oder Kieselboden machen den Lebensraum der Bienen kaputt. Die schwarz-gelben Brummer im Bundestag haben jedenfalls ihre Mission, so der Gedanke der Projekt-Initiatoren: Sie sollen auf das Thema Insektenschutz aufmerksam machen. Heute ist es ihnen gelungen.

Kommentare

 

Lisa schrieb am 30.05.2018 20:06

Toller Bericht über Bienen und deren wichtige Aufgabe für die Natur. War sehr interessant geschrieben.

 

 

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