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Die Autorin

Ein braunhaariges Mädchen hält die Hände am Kopf und lächelt

Anne Juliane Wirth (25)
studiert Politikwissenschaft


Imker-Netzwerk
Maja und Willi per Express

30.05.2018 |

Tausende Bienenvölker fehlen deutschen Imkern jedes Frühjahr. Die Brüder Mark und Martin Poreda vernetzen Imker und Bienenschutz-Interessierte. Wie Bienen verschickt werden und was die Trickfilmfigur Biene Maja damit zu tun hat, weiß Anne Juliane.

Martin und Mark Poreda

Die Poreda-Brüder Martin (41) und Mark (37) wollen mit ihrer Plattform Bienen retten. – © Martin und Mark Poreda

"Liebe auf den zweiten Blick" nennen Mark und Martin Poreda ihr Start-up, mit dem sie sich der Bienenrettung verschrieben haben. Im Frühjahr 2017 gründeten die Brüder in Wien Hektar Nektar. Ein Unternehmen, das sich an Imker, Haushalte, Unternehmen und Bauern richtet. Die dazugehörige Plattform vereint Community, Vermittlungsplattform und Marktplatz.

Digitale Köpfe für Maja und Willi

Mark (37) und Martin Poreda (41) sind in der Digitalbranche keine Unbekannten: 2007 gründeten sie bereits die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu. Fünf Jahre nach der Gründung verkauften die Brüder das Unternehmen. Mit Hektar Nektar tüfteln sie nun an einer neuen Erfolgsgeschichte.

Auf die Idee habe sie ein Imker gebracht, verrät Martin. "Das Thema Insektensterben wurde und wird sehr prominent in den Medien gespiegelt. Trotz dieser Dauerbeschallung wären wir von alleine nicht darauf gekommen, dass wir mit unserem digitalen Hintergrund einen Beitrag zur Bienenrettung leisten können."

Und so wurde die Problematik im Rahmen eines Mentoren-Programmes an die Brüder herangetragen: Ein Imker bat Mark und Martin um Hilfe bei der Digitalisierung seiner Imkerei. "Das war unser erster Berührungspunkt mit der Imkerei und echten Bienen. Bis dahin verknüpften wir mit dem Thema wirklich nur Maja und den faulen Willi", erinnern sie sich in Anspielung an die Hauptfiguren einer Zeichentrickserie.

Von der Idee zur Mission

Das Poreda-Duo machte sich ans Werk. Beobachtungen des Imkerei-Alltags führten schließlich zu HektarNektar.com. Die Website widmet sich dem Bienenschutz und der Unterstützung des Bienen-Ökosystems. Aus der Ursprungsidee, eine deutschsprachige Online-Plattform zu bilden, die es Imkern erleichtert, Standplätze für ihre Bienenstöcke zu finden, wurde schnell eine regelrechte Mission.

"Wie viel Arbeit die Bienenpflege ist, war uns bis dato nicht bewusst", berichtet Mark. Je länger sie sich mit dem Thema der Imkerei beschäftigten, desto umfangreicher wurde der Ideenkatalog für Hektar Nektar.

Vernetzung und Austausch fördern

In Deutschland gibt es circa 130.000 Imker und Imkerinnen, in Österreich sind es 30.000 – nahezu 99 Prozent davon sind Hobbyimker. "Gartelnde Haushalte, also jene mit Bewusstsein für die Natur, zählen wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 10 Millionen. Unternehmen, die wir für Bienenschutz begeistern möchten, gibt es schätzungsweise 90.000 – diese Zielgruppen nimmt HektarNektar.com in den Fokus", erklären die Brüder.

Derzeit vereint HektarNektar.com Community, Vermittlungsplattform und Marktplatz, um die Probleme zu lösen, mit denen Imker tagtäglich konfrontiert werden. Die wohl größte Aufgabe ist: Die Beteiligten vernetzen und den Austausch von Wissen fördern.

Flug in die digitale Welt

Warum die Branche den Digitalisierungstrend verpasst hat? "Man muss sich bewusst sein, dass das Durchschnittsalter der Imker noch bis vor zwei Jahren bei über 60 Jahren lag", wissen die Poredas. Die auf HektarNektar.com registrierten Imker gehören jener Imker-Generation an, die offen für die digitale Welt sind, sich bereits über Facebook austauschen und erkannt haben, welche Vorteile ihnen Digitalisierung bringen kann. "HektarNektar.com unterstützt den Wissensaustausch innerhalb der Imkerschaft, damit Fehler beim imkern nicht zum Sterben von Bienen beitragen", betont Martin.

Der Bienen-Marktplatz

Zudem bietet die Plattform einen Online-Marktplatz für Bienenhandel an, der es Imkern erleichtert, die Bienen-Winterverluste wieder aufzufüllen – also neue Bienenvölker zu kaufen und Imkern durch den Verkauf von Bienenvölkern ein Zusatzeinkommen eröffnet. "In vielen Gebieten Deutschlands und Österreichs herrscht eine Unterversorgung mit Bienen und so sind Imker gezwungen, ihren Suchradius auszuweiten", erklärt Martin die Notwendigkeit eines solchen Onlineshops und Versands von Bienen über weitere Distanzen.

Per Express von Wien nach Hamburg

Der Handel mit Bienen stellt eine logistische Herausforderung dar. Der Versand erfolgt in speziell für die Insekten entwickelten Kartons: Dieser Schutz garantiert, dass beim Bienentransport für ausreichend Belüftung, Platz und Kühlung gesorgt ist. "Ein auf Organ-Transport spezialisierter Dienstleister, bei dem Geschwindigkeit und die Einhaltung der Kühlkette ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, nimmt nun neben Herzen und Nieren noch die Bienenvölker mit und stellt diese innerhalb von weniger als 24 Stunden zu", erklärt Martin.

Patenschaften unterstützen Imker

Als dritte Säule, die zum Bienenschutz beitragen soll, möchten die Poredas mittelfristig auch Bienenpatenschaften für Privatpersonen und Unternehmen vermitteln. Mit einer Anmeldung auf ihrer Plattform können Interessierte in Form von Bienenpatenschaften einen Beitrag zum Schutz von bestäubenden Insekten leisten. Das funktioniert wie folgt: "Die Imker bekommen einen verhältnismäßig hohen Preis für den Honig, den man im Gegenzug als Pate von seinen Bienen erhält und können das Geld in die Pflege ihrer Bienenvölker und den Kauf zusätzlicher Bienenvölker investieren", erklärt Martin.

Berührungsängste muss man nicht haben: Jene Imker, die bereits Bienenpatenschaften – auch abseits von HektarNektar.com anbieten – würden sich über den Besuch am Bienenstand freuen und seien grundsätzlich dafür offen, die faszinierende Welt der Bienen den Paten näher zu bringen, versichern die Poredas.

Das alleine reicht nicht

Ihre Plattform alleine könne das Bienensterben nicht stoppen – viele der existierenden Probleme für das Bienensterben seien mitunter nicht mehr rückgängig zu machen und hätten mit der Entwicklung der Industrienationen zu tun, erklären die Brüder abschließend. "Aber eine Plattform wie HektarNektar.com kann dazu beitragen, dass es am Ende des Tages mehr Imker gibt, die sich um mehr Bienenvölker kümmern können und auf diese Weise das Bienensterben eingebremst wird", sind sie sicher.

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