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Der Autor

Ein junger Mann mit Locken schaut in die Kamera

Jonas Seufert (24)
studiert Internationale Beziehungen

Hintergrund
Bye bye, Quote!

14.04.2015 |

Seit zwei Wochen dürfen in der EU alle so viel Milch produzieren wie sie wollen: Die Milchquote ist Geschichte. Was heißt das für die Betriebe? Und was sagen die Fraktionen?

Eine Milchkuh wird gemolken

Der Milchpreis schwankte in den letzten Jahren zwischen 24 Cent und 38 Cent pro Kilogramm. – © picture alliance / blickwinkel

Bis zum 31. März 2015 gab es in der gesamten EU gesetzlich festgelegte Produktionsmengen für Milchbetriebe, die sogenannten Milchquoten. Wer mehr produzierte, als er durfte, musste eine Strafe zahlen.

Eingeführt wurde die Milchquote EU-weit 1984, um eine drohende Überproduktion zu verhindern und die Preise auf lange Sicht stabil zu halten. Zuvor war häufig von Milchseen und Butterbergen gesprochen worden: Die waren entstanden, weil die EU die Produkte, die sich auf dem freien Markt nicht verkaufen ließen, zu Garantiepreisen ankaufte. Diese staatlichen Subventionen machten es für Erzeuger besonders attraktiv, Milch und Milchprodukte zu erzeugen, auch wenn dabei weit über dem Bedarf erzeugt wurde. Um die Überproduktion wieder einzudämmen, folgte dann eine weitere staatliche Regulierung: die Milchquote.

Quote hat ihr Ziel verfehlt

"Richtig funktioniert hat die Quote nie", sagt der Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, Alois Gerig (CDU) und spricht dabei für alle Bundestagsfraktionen. Der Milchpreis schwankte in den vergangenen Jahren deutlich zwischen 24 Cent und 38 Cent pro Kilogramm. Doch vor allem für kleine Betriebe ist ein stabiler Milchpreis wichtig, um überleben zu können. Durch die Schwankungen ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in den vergangenen 30 Jahren die Zahl der deutschen Milcherzeuger von 369.000 auf 78.000 zurückgegangen. Das entspricht einem Rückgang von 79 Prozent.

Das Ende der regionalen Versorgung?

Vor allem in strukturell schwächeren Gebieten ist die regionale Milcherzeugung immer schwieriger. "Es ist zu befürchten, dass sich die Milchproduktion immer weiter in die Küstenregionen verlagern wird, wo Platz für Weide- und Futterflächen ist", sagt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen-Fraktion. Gerade in den Bergregionen könnten kleine Produzenten mit den großen Betrieben nicht mehr mithalten. Zu deren Schutz fordert er deshalb ein flexibles System, das die Bauern bei einem drohenden Überschuss an Milch dafür belohnt, keine Milch zu produzieren.

Auch für Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion die Linke, ist das drohende Aus der regionalen Milchversorgung ein zentrales Problem. Sie setzt deshalb vor allem auf das Prinzip der Erzeugergemeinschaften. "Wenn sich mehrere Betriebe zusammenschließen, können Preisschwankungen ausgeglichen und die Milchmenge gesteuert werden – ganz ohne Quote," sagt sie.

Stabile Preise gibt es auch ohne Quote nicht

Die Preisschwankungen lassen sich durch die Abschaffung der Quote nicht verhindern, sie werden eher noch größer werden. Deshalb sprechen sich auch SPD und CDU für die Förderung von Erzeugergemeinschaften aus. "So können Milcherzeuger besser mit ihren Molkereien über Preise und Konditionen verhandeln," erklärt Dr. Wilhelm Priesmeier, SPD-Obmann im Agrarausschuss des Bundestags.

Zudem setzen die beiden Fraktionen auf den vermehrten Abschluss von Warentermingeschäften. Dabei wird die Milch zu einem späteren Termin produziert, jedoch zu einem vorher festgelegten Preis. Ein Vorschlag, der von der Fraktion die Linke heftig kritisiert wird. "Gerade nach der Finanzmarktkrise finde ich diesen Vorschlag abenteuerlich," erklärt Kirsten Tackmann. "Milch ist kein Spekulationsobjekt für den Weltmarkt."

Exportschlager Milch?

Durch den Wegfall der Quote müssen sich die Milchbauern künftig am Weltmarktpreis orientieren. Das begrüßen grundsätzlich alle Fraktionen im Bundestag, das wurde in einer Debatte des Bundestages am 27. März deutlich. Die Abgeordneten kündigten an, sich für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Milchbauern einzusetzen. Dafür haben sowohl die schwarz-rote Koalition als auch die Grünen Anträge vorgelegt.

Denn früher konnten die Betriebe weder ihren Kapazitäten gemäß produzieren, noch konnten die Preise stabil gehalten werden. Genau dort sehen die Fraktionen von CDU/CSU und SPD auch die Zukunft der deutschen Milch. "Den Milcherzeugern eröffnen sich nun Möglichkeiten, ihre Produktion zu erweitern. Sie können dadurch die Chancen nutzen, die sich aus der weltweit steigenden Nachfrage nach Milch ergeben," sagt Priesmeier.

Alois Gerig sieht diese Chancen vor allem bei der stark anwachsenden Nachfrage in China. "Milch ist ein begehrter Exportschlager", sagt er. "Mit dem Wegfall der Milchquote bleiben wir international konkurrenzfähig."

Die Fraktion der Grünen sieht darin keinen Erfolgsweg. "Für den internationalen Markt wird vor allem Milchpulver exportiert", sagt Friedrich Ostendorff, doch das bringe den Betrieben kaum Gewinn. Sie sollten sich deshalb lieber auf die Veredelung von Milch, zum Beispiel in Butter oder Käse konzentrieren. Zudem nehme das billige Milchpulver aus Europa den häufig noch kleinen Milchbetrieben in anderen Ländern die Existenzgrundlage. Vor allem betroffen seien Länder des globalen Südens.

Keine Veränderungen für Verbraucher

Wie sich die Abschaffung der Milchquote auf die deutschen Milchbetriebe auswirken wird, bleibt abzuwarten. Eins scheint jedoch klar: Für die Verbraucher wird sich nicht viel ändern, da der Endpreis von vielen weiteren Faktoren abhängt. Schließlich wird die Milch im Regelfall von Molkereien und Lebensmittelkonzernen gelagert, weiterverarbeitet und transportiert. Erst dann landet sie in den Regalen der Supermärkte.

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