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Die Autorin

MAriel

Mariel Reichard (20)
studiert Germanistik und Politikwissenschaft

Tierschutz
Mehr Kontrolle auf Schlachthöfen

08.08.2018 |

Tiermisshandlungen im Schlachthof - immer wieder veröffentlichen Aktivisten Videos, die zeigen, wie in Betrieben gegen Tierschutz-Auflagen verstoßen wird. Die Grünen forderten nun, Schlachthöfe besser zu kontrollieren. Was sagen die anderen Fraktionen?

Schweineschlachter

Betäubung per Elektrozange: Dabei wird im Gehirn eine Art epileptischer Anfall ausgelöst. Die Tiere werden bewusstlos und damit schmerzunempfindlich. – © picture alliance/KEYSTONE

Rinder werden in einem Schlachthof mit Elektroschockern vorangetrieben, teilweise noch lebend an Haken aufgehängt und offenbar ohne ausreichende Betäubung geschlachtet. Zuständige Tierärzte greifen nicht ein. Aufnahmen wie diese sind haufenweise im Internet zu finden. In diesem Fall hatte der Verein "Soko Tierschutz" in einem Schlachthof in Tauberbischofsheim (Baden-Württemberg) versteckte Kameras installiert und die Zustände publik gemacht. Der Schlachthof wurde daraufhin geschlossen und von der Fastfoodkette McDonald´s verklagt, die er belieferte. Aber vermutlich existieren noch weit mehr Schlachthöfe, die Tierschutzvorschriften auf ähnliche Art missachten und Tiere quälen.

Massenproduktion und ihre Schattenseiten

So erschreckend die Vorfälle sein mögen, überraschend sind sie nicht. Fastfoodketten, Supermärkte und natürlich die Verbraucher haben eine große Nachfrage nach Fleisch und es soll billig sein. Das sorgt für massiven Druck in den Schlachthöfen. Möglichst viele Tiere müssen möglichst schnell getötet und weiterverarbeitet werden. Immer wieder wird bei Kontrollen allerdings deutlich, dass Schlachthofmitarbeiter gegen Tierschutzauflagen und geltende Vorschriften zum Beispiel für die Betäubung der Tiere verstoßen.

Was soll sich nun ändern?

Die Grünen fordern nun in einem Antrag eine grundlegende Verbesserung der Zustände in deutschen Schlachthöfen. Dazu gehöre in erster Linie eine intensivere Kontrolle. In Zusammenarbeit mit den Ländern sollen einheitliche Standards geschaffen werden, wie zum Beispiel unangekündigte Kontrollbesuche durch unabhängige Institutionen, wechselndes Personal, das überwachen soll, ob tierschutzrechtliche Maßnahmen eingehalten werden und – wenn notwendig – eine Meldung von Unregelmäßigkeiten an die zuständigen Landesämter.

Darüber hinaus gelte: Sorgfalt vor Tempo! Die Bandgeschwindigkeit in den Schlachthöfen soll so bemessen sein, dass ausreichend Zeit bleibt, die Tiere vollständig betäubt zu töten. Dazu müssten auch die Betäubungstechniken überprüft und mit der notwendigen Sorgfalt ausgeführt werden. Gleichzeitig solle auch intensiver erforscht werden, wie insbesondere Schweine schmerz- und angstfrei betäubt werden können.

Grüne fordern Kameras

Es stelle sich auch die Frage nach einer videotechnischen Überwachung in Schlachthöfen – für die Grünen eine besonders heikle Forderung, da die Fraktion in der Regel gegen übermäßige Überwachung ist. Hier solle man aber untersuchen, ob die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer weiterhin gewahrt werden können, bei gleichzeitiger Überwachung ihrer Tätigkeit. Schlussendlich fordert die Fraktion, die Vorgänge in den Schlachthöfen besser zu dokumentieren und einen jährlichen Bericht vorzulegen, um Verstöße aufzudecken.

Union: Vorfälle sind Einzelfälle

Am 28. Juni landete der Antrag bereits auf der Tagesordnung des Bundestages, wurde aber – weil es schon nach Mitternacht war – vorerst ohne Debatte an den Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft überwiesen. Die Reden gingen zu Protokoll. Daraus geht hervor: Die CDU/CSU machte deutlich, dass es sich bei den beschriebenen Szenarien nur um Einzelfälle handle und man nicht pauschalisieren dürfe. Außerdem müsse weiter geforscht werden für praxistaugliche und tierschutzgerechte Betäubungsmethoden.

SPD: Bessere Betäubung

Susanne Mittag von der SPD machte ebenfalls deutlich, dass es sich bei den Missständen in Schlachthöfen zwar um Einzelfälle handle, der Tierschutz dort aber verbessert werden könne, vor allem der Ausbau der schmerz- und angstfreien Betäubungsverfahren durch spezielle Gasgemische. Sie kritisierte aber, dass ein Teil der Forderungen praktisch nicht umsetzbar seien, z.B. die vollumfängliche Kameraüberwachung.

AfD: Was ist mit Schächtung?

Die AfD lenkte den Blick auf den Islam und damit vom eigentlichen Thema ab. Es sei wichtig, sich auch um die "zunehmende Anzahl an geschächteten Tieren" zu kümmern. Die Schächtung ist die Schlachtung eines Tieres durch einen speziellen Schnitt in den Hals meist ohne vorherige Betäubung und wird von verschiedenen Religionen vorgeschrieben. In Deutschland ist sie nur mit Sondergenehmigung und unter strengen Auflagen erlaubt. Eine Quelle für die angeblich steigenden Zahlen von geschächteten Tieren nannte die AfD nicht.

FDP: Verbraucher müssen umdenken

Die FDP war gegen weitere Vorschriften und gegen Videoüberwachung und setzte auf ein Umdenken der Verbraucher beziehungsweise auf Bildung, um ein solches zu schaffen, vor allem im Hinblick auf eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln.

Linke: Unwürdige Arbeitsbedingungen

Die Linke lenkte den Blick auf "sklavenähnliche Beschäftigungsverhältnisse" in den Schlachthöfen und meinte, gut bezahltes und gut ausgebildetes Personal, insbesondere bei den Kontrollinstanzen, sei die Grundlage für einen würdevollen Umgang mit den Tieren.

Wie es nun weitergeht, wird die Arbeit am Antrag im Ausschuss zeigen. In einer der kommenden Plenarsitzungen nach der Sommerpause wird dann abgestimmt, was mit dem Antrag passiert.

Kommentare

 

Bellinda.G schrieb am 13.11.2018 09:06

Ich stimme Silke völlig zu und kann nicht verstehen dass der Bundestag sich so wenig damit befasst. Bei der nächsten Wahl werden sicher viel weniger irgendeine Partei wählen wollen denn ich kenne viele in meinen Bekanntenkreis die derselben Meinung sind dass der Tierschutz nur schön geredet wird. Und dann braucht man auch nicht wählen gehen. Aber auch da stimme ich Silke zu wenn nur eine Partei sich engagieren würde dann kämen auch gleich wieder viel mehr Stimmen zusammen und ich würde auch wieder wählen gehen.

 

 

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