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Die Autorin

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Laura Heyer (27)
macht ein Volontariat bei bundestag.de und dem Parlamentsfernsehen

Geld
Wie sicher ist mein Sparbuch?

25.06.2018 |

Die Europäische Union will Sparer schützen, und zwar mit einer sogenannten gemeinsamen Einlagensicherung. Was das mit unseren Sparbüchern zu tun hat und was die Fraktionen im Bundestag dazu sagen, erklärt Laura.

Sparschwein

Was ist das Ziel? Für ihre Fehler sollen die Banken selbst gerade stehen, nicht mehr die Steuerzahler. – © picture alliance/chromorange

Die Deutschen sind Weltmeister – im Sparen: Über 2000 Milliarden Euro haben sie bei Banken angelegt. Die sogenannten Geldeinlagen gibt es in unterschiedlichen Formen, aber am beliebtesten ist immer noch das Sparbuch. Oft geben Omas und Opas monatlich etwas dazu oder legen sogar ein eigenes Konto für die Enkel an. Dort wartet dann das Geld von der Kommunion oder die Ersparnisse für den Führerschein. Denn das Spar(kassen)buch gilt als sicher. Aber ist es das auch? Was passiert, wenn eine Bank plötzlich kein Geld mehr hat und Pleite geht?

100 Prozent sicher?

Grundsätzlich sind Ersparnisse sicher: Deutschland und die anderen Mitglieder der Europäischen Union (EU) haben sich geeinigt, 100 Prozent der Spareinlagen ihrer Bürger zu schützen. Zumindest bis zu einem Maximalwert von 100.000 Euro. Das Ganze nennt sich Einlagensicherung. Wenn eine Bank also in Schwierigkeiten steckt und die Sparer ihr Geld sofort zurück haben wollen, bekommen sie bis zu 100.000 Euro – auch wenn sie vorher mehr gespart hatten. Das gilt pro Kunde und pro Bank. Haben Eltern zusammen ein Konto, ist dort also Geld bis zu 200.000 Euro sicher.

Banken, Banken, Banken

In Deutschland gibt es über 1.500 Kreditinstitute: Private Banken, wie die Deutsche Bank und öffentliche Banken, wie die Deutsche Kredit Bank (DKB) oder die Banken der einzelnen Bundesländer. Und schließlich noch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, wie die Sparkassen und die Volksbanken.

Gesetzlich geregelt

Die Einlagen bei all diesen Banken sind gesichert über zwei Säulen: Eine gesetzliche und eine freiwillige, die von den Banken selbst geregelt wird. Die gesetzliche Säule richtet sich nach den Richtlinien der EU. Umgesetzt werden die im Einlagensicherungsgesetz (EinSiG), das seit 2015 in Deutschland gilt. Die privaten und öffentlich rechtlichen Banken zahlen

- in die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken ein (EdB) und

- in Entschädigungseinrichtung des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands GmbH.

Die sogenannten Sparkassen und Genossenschaftsbanken, haben ein eigenes System. Sie zahlen in den

- Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) oder in

- Den Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeinsenbanken.

Privates Back-up

Zusätzlich zur gesetzlichen Einlagensicherung gibt es noch freiwillige Systeme, die die Banken selber regeln: der Einlagensicherungsfond des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB) und der des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands e.V. (VÖB). Sie decken dann alle Gelder ab, die nicht durch das gesetzliche System geschützt werden. Habt ihr also 150.000 Euro gespart, werden 100.000 Euro vom Staat garantiert und 50.000 nochmal von den Banken gesichert.

Überall anders

Liegt euer Geld jetzt aber bei einer spanischen Bank, kann es ganz anders ausgehen – denn die 28 Mitglieder der EU haben die gemeinsamen Richtlinie für sich und ihr Bankensystem unterschiedlich ausgelegt. In Großbritannien sind zum Beispiel nur 75.000 Pfund geschützt, das sind circa 88.000 Euro. Zudem haben die Staaten noch eigene, gesetzliche und freiwillige Sicherungssysteme, um für eine Krise bei den Banken gerüstet zu sein.

Alles gleich in Europa

Wenn es nach der EU geht, soll sich das bald angleichen: Schon seit 2014 planen die Mitgliedsstaaten gemeinsame Regeln und Richtlinien für Banken, die sogenannte Europäische Bankenunion. Damit soll eine bessere Kontrolle über alle Banken in Europa geschaffen werden. Dazu gehört eine einheitliche Aufsicht über die Banken (SSM) und eine Behörde, die insolvente Banken verwaltet (SRB). Damit nun alle Geldinstitute in Europa gleich sicher werden und die Sparbücher und Konten ihrer Kunden gleich gut schützen können, soll es auch eine Europäische Einlagensicherung geben.

Aus einem Topf

Bei EDIS (European Deposit Insurance Scheme) sollen alle Banken der Europäischen Union in einen großen Topf einzahlen. Die Idee: Geht nun eine Bank in Portugal Pleite, kann sie aus diesem Topf Geld nehmen. Das kommt aber nicht von den Sparbüchern der Kunden. Die Banken verdienen auch selber Geld, zum Beispiel durch Gebühren, die sie für Konten oder das Ausstellen einer Kreditkarte bekommen. Aus diesem Gewinn zahlen sie dann in den EU-Topf ein.

Hilfe zur (Selbst-)Rettung

Damit müssten nicht mehr die Staaten für die Banken aufkommen, sondern die Geldinstitute würden sich quasi selber retten. Bisher greift nämlich das System der Letztsicherung: Kann eine Bank ihre Gelder mit den vorhandenen Sicherungssystem nicht retten, muss der Staat und damit der Steuerzahler ran. Dieses Problem könnte eine Europäische Einlagensicherung verhindern.

Nicht mit der FDP

Im Deutschen Bundestag stößt diese Idee aber auf Kritik. Die Fraktionen der FDP und der AfD reichten Anträge ein, um EDIS zu verhindern. Sie sagen, dass das Einlagensicherungssystem für eine stabile Wirtschafts- und Währungsunion in der EU "weder notwendig noch zielführend ist", also quasi keinen Sinn macht. CDU/CSU und SPD sowie die Grünen und die Linken lehnten die Anträge jedoch ab. Zwar sehen auch sie Probleme bei den aktuellen Vorschlägen der EU, glauben aber, dass es eine gemeinsame Regelung in Zukunft geben muss, um das Finanzsystem in Europa weiter auszubauen.

Kontrolle ist besser

Aktuell sind die Bankensysteme in Europa sehr unterschiedlich. Ein Europäisches Einlagensystem könnte die Wirtschafts- und Währungsunion stärken, da alle Banken nun den gleichen Schutz genießen würden. Zudem könnten sich die Banken gegenseitig kontrollieren – wenn jeder weiß, dass auch die anderen für das eigene Handeln zu Verantwortung gezogen werden, geht man nicht so ein großes Risiko ein.

Da ist was faul

Es gibt aber auch Nachteile: Aktuell existieren keine Regeln, wie viele Schulden eine Bank eigentlich haben darf. Besonders gefährlich sind dabei sogenannte faule oder notleidende Kredite: Einfach gesagt Kredite, die nicht zurückgezahlt werden können. Wenn ihr euch ein Auto kaufen wollt, aber nicht genug Geld gespart habt, kann die Bank euch Geld leihen. Das müsst ihr der Bank in einem gewissen Zeitraum zurückzahlen. Könnt ihr das nicht, hat die Bank erstmal Pech. Passiert das bei vielen Kunden, hat die Bank eine negative Bilanz und im schlimmsten Fall geht ihr das Geld aus.

Nachteil für Deutschland

Besonders in den südlichen Ländern wie Spanien, Italien oder Portugal, gibt es viele solcher Fälle. In ihrem Antrag zitiert die FDP-Fraktion eines Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW): Das Institut hat 76 Banken in Europa getestet, die für die Wirtschaft wichtig sind. Dreiviertel aller faulen Kredite liegen bei diesen 76 Banken. Würde also eine von ihnen Pleite gehen, müssten alle anderen Banken in Europa für sie einspringen – eben auch die, denen es gar nicht schlecht geht. Für Deutschland, wo die meisten Banken recht sicher sind, würde eine Haftung innerhalb der EU in diesem Fall eher Nach- als Vorteile bringen.

Lob von der SPD

Die finanzpolitische Sprecherin der Unionsfraktion Antje Tillmann sagte in der Debatte, es müssten noch eine Reihen von Voraussetzungen in Europa erfüllt werden, bevor EDIS kommen kann. Dazu zählten sie und ihr Kollege Sepp Müller (CDU/CSU) (siehe mitmischen-Interview) zum Beispiel den Abbau von faulen Krediten.

Die SPD lobte den Plan, Sicherungsmaßnahmen für das Europäische System zu schaffen. Metin Hakverdi sprach sogar von einem "neuen Aufbruch für Europa".

Die Fraktion Die Linke kritisierte hingegen, dass immer noch keine richtigen Lehren aus der Finanzkrise von 2008 gezogen worden seien. Das aktuelle Finanzsystem habe zahlreiche Schwächen. Ähnlich sehen es die Grünen: Dr. Franziska Brantner forderte, erst einmal die nationalen Töpfe weiter zu stärken.

Sechs aus 28

Diesen Plan verfolgt die EU schon seit 2014. Die EU-Richtlinien zur nationalen Einlagensicherung verpflichten alle Mitgliedsländer bis zum Jahr 2024, schrittweise ihre Sicherungstöpfe aufzufüllen, um Banken im Notfall zu entschädigen. Die bisher vorhandenen Sicherungstöpfe sollen 0,8 Prozent aller Gelder, die bei den Banken liegen, für den Notfall vorhalten. Sechs Euroländer haben das schon geschafft – darunter Griechenland und Portugal. Die deutschen Sicherungssysteme sind aktuell zwischen 45 und 54 Prozent aufgefüllt.

Kommentare

 

Kathi schrieb am 12.07.2018 04:02

Guter Text, jetzt habe ich das kapiert.

 

 

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