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Der Autor

Max Schmidt 68x68

Max Schmidt (20)
studiert Soziologie und Ethik

Erfahrung FSJ Politik
Blindenfußball und 30 neue Freunde

12.02.2016 |

Max hat sein FSJ Politik im Sächsischen Staatsministerium des Innern verbracht und viel anpacken können. Und er hat erkannt, was er auf keinen Fall will.

Ein junger Mann mit Brille schaut in die Kamera.

Max erinnert sich gerne an sein FSJ Politik, auch wenn seine Idee dahinter ursprünglich eine andere war. – © privat

"Ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Politik – das geht?!" Diese Frage wurde mir während meines Freiwilligenjahres häufiger gestellt, als ich es anfangs für möglich gehalten hätte. Das geht! Auch wenn Einsatzstellen in der Regel keine Parteien selbst, sondern Stiftungen, Vereine und Behörden sind. Organisiert wird das Freiwillige Soziale Jahr Politik (FSJ Politik) beispielsweise von der Sächsischen Jugendstiftung, in anderen Bundesländern ist es auch unter der Bezeichnung FSJ Demokratie bekannt.

Mit 18 im Ministerium

Mich selbst verschlug es für mein FSJ Politik nach Dresden ins Sächsische Staatsministerium des Innern – meine absolute Wunscheinsatzstelle! Wirkliche Routine gab es bis auf das montägliche Treffen beziehungsweise die tägliche Presserunde mit den Kollegen kaum. Im ersten FSJ-Halbjahr half ich bei der Organisation des 2. Landes-Präventionstages Sachsen mit. Dieser Kongress wird vom im Innenministerium angesiedelten Landespräventionsrat durchgeführt, es geht dabei praktisch um alles, wogegen man vorbeugen sollte: Krankheit, Sucht, Gewalt, Rechtsextremismus, sexueller Missbrauch. Ich kümmerte mich unter anderem um den Kontakt zu Workshop-Leitern und betreute nach dem Kongress selbstständig die Bewertung durch die Teilnehmer.

Im März 2015 wechselte ich planmäßig vom Landespräventionsrat in den Leitungsstab des Innenministeriums, um noch eine andere Seite der ministeriellen Arbeit kennenzulernen. Dort genoss ich das Privileg, Pressemitteilungen und Grußworte für den Innenminister entwerfen zu dürfen, die mein Chef stets geduldig mit Verbesserungsvorschlägen versah. So lernte ich in kürzester Zeit das Handwerkszeug, mit dem man am besten politische Kommunikation betreibt. Zudem begleitete ich meine Kollegen regelmäßig zu Auswärtsterminen und übernahm auch klassische Büroaufgaben, wenn Kollegen krankheitsbedingt ausfielen.

Erkenntnisse über Erkenntnisse

Dass die Welt der Bürokratie ganz und gar nichts für mich ist, habe ich schon früh während des FSJ gemerkt – was umso mehr schmerzte, weil ich vor meinem FSJ-Beginn den festen Wunsch hatte, Staatswissenschaften in Erfurt zu studieren. Durch das Freiwilligenjahr wollte ich meinen Studienwunsch bestätigen und mich persönlich weiterentwickeln. Letzteres ist mir zum Glück gelungen, da mir sehr viel Eigenverantwortung übertragen wurde, ich ein eigenes FSJ-Projekt zum Thema Blindenfußball und eine Seminarwoche mitorganisieren durfte.

Der Studienwunsch Staatswissenschaften war nach meinem FSJ-Ende allerdings dahin. Während des Freiwilligenjahres, insbesondere in der ersten Hälfte, hatte ich nämlich viel mit Soziologen zu tun und lernte die Vielfalt dieses Fachs schätzen. Nun habe ich mein erstes Bachelor-Semester in Soziologie in Leipzig erfolgreich beendet.

Warum ein FSJ Politik?

Politik war in meiner Familie nie ein großes Thema. In der Schule hingegen hatte ich einen großartigen Gemeinschaftskunde-Lehrer, dem ich viel zu verdanken habe. Er förderte und forderte mich sehr stark, als er in mir das Interesse an gesellschaftspolitischen Themen geweckt hatte.

Dass ich nicht sofort studieren wollte, war mir schon während der frühen Oberstufenzeit klar. Deshalb bewarb ich mich bei "kulturweit", dem Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes, um ein Jahr in Südamerika zu verbringen. Da ich damals allerdings noch kein Spanisch sprach, standen meine Chancen denkbar schlecht. Als Alternative dazu kam für mich nur ein FSJ Politik infrage, denn in Kultureinrichtungen oder Krankenhäusern habe ich mich nicht gesehen. Dabei bin ich bei einer Online-Recherche eher durch Zufall auf das Angebot der Sächsischen Jugendstiftung aufmerksam geworden.

Würde ich es wieder tun?

Unbedingt! Wobei es sich streng genommen um gar kein ganzes Jahr handelte, da ich mein FSJ aus verschiedenen persönlichen und familiären Gründen bereits nach zehn Monaten beendet habe. Neben mir haben einige andere FSJler ebenfalls eher abgebrochen, um zum Beispiel ihre Ausbildung oder ihr Studium rechtzeitig beginnen zu können.

Die Zeit missen möchte ich auf keinen Fall, da ich viele wertvolle Freundschaften und Kontakte zu den gut 30 anderen FSJler aufbauen konnte. Zusammen haben wir insgesamt vier Seminarwochen, darunter eine in Brüssel, miteinander verbracht und dabei viel dazugelernt. Der Weg zum FSJ Politik war dabei ziemlich unkompliziert. Eine schriftliche Bewerbung, ein Kennenlerngespräch und ein Auswahltag, an dem sich die Einsatzstellen vorstellten – das war's.

Was, wenn ich nicht für das FSJ Politik genommen worden wäre? Gute Frage. Vielleicht hätte ich ein Studium der Staatswissenschaften aufgenommen und enttäuscht wieder aufgegeben. Heute weiß ich: Eine Ausbildung zum Fachangestellten für Markt-und Sozialforschung wäre ebenfalls eine denkbare Alternative gewesen – und eine gute Vorbereitung für ein anschließendes Studium der Soziologie.

Täglich pendeln? Besser nicht

Was ich auf keinen Fall wieder tun würde, ist das tägliche Pendeln. Täglich jeweils 90 Minuten Hin-und Rückfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, ist bei einer 40 Stunden-Arbeitswoche einfach zu anstrengend. Wer es sich trotz der nur 300 Euro Taschengeld im Monat leisten kann, für ein Jahr in einer anderen Stadt zu leben, sollte das auf jeden Fall auch tun. Ein FSJ wäre dafür der ideale Anlass – nicht nur für Politikinteressierte.

Weitere Informationen zum FSJ Politik in Sachsen findet ihr unter www.saechsische-jugendstiftung.de/fsj-politik.

Weitere Beiträge zu: Freiwilligendiesnst, FSJ, Politik.

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