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Die Autorin

Sophia Förtsch 68x68

Sophia Förtsch (24)
studiert Kunstwissenschaft und Journalismus

Mobbing
"Heul doch!"

26.09.2018 |

Schikanieren, Anpöbeln, Ausgrenzen: Viele Jugendliche sind in der Schule Opfer von Mobbing. "Was tun?" - das fragen sich auch einige Abgeordnete des Bundestages. Die gute Nachricht: Es gibt Ideen und Ansätze, Sophia hat sich umgehört.

Mödchen wird mit Papierkugeln beworfen.

Mädchen leiden besonders, wenn sie durch Mobbing ausgegrenzt werden. – © picture alliance/imageBROKER

"Das schönste Mädchen der Welt" läuft aktuell in deutschen Kinos. Ein Film, in dem eine der Hauptfiguren für ihre große Nase von seinen Klassenkameraden ständig gehänselt wird. Das "falsche" Gesicht, die "falschen" Klamotten, das "falsche" Hobby, die "falsche Meinung", die "falsche" Hautfarbe, die "falsche" Religion oder das "falsche" Geschlecht – es gibt viele Gründe, warum Jungen und Mädchen zu Mobbingopfern werden.

Pöbeln und hänseln

Der Begriff "Mobbing" kommt aus dem englischen "to mob" und bedeutet: anpöbeln, schikanieren. Wenn jemand über längere Zeit von anderen angegangen wird, also etwa diskriminiert, gehänselt oder ausgeschlossen, immer wieder geschlagen, geschubst oder getreten wird, spricht man von Mobbing. Manchmal sind an dem "Angriff" nur eine, oft aber auch mehrere Personen beteiligt. Mobbing gibt es nicht nur zwischen Schülern, sondern auch am Arbeitsplatz und im Internet.

Wenn jemand online ständig angegangen wird, spricht man von Cybermobbing. So etwas kann sich etwa im Klassen-Chat abspielen. "Du nervst alle", "Hau endlich ab hier", "Heul doch" oder "Geh sterben, du Opfer" - wer immer wieder solche Nachrichten liest, fühlt sich nicht nur angegriffen, sondern dauerhaft ausgegrenzt. Das Resultat von Mobbing ist es, jemanden systematisch zu isolieren.

Jungs öfter Opfer

Jeder sechste 15-jährige Schüler soll 2015 in Deutschland ein Mobbing-Opfer gewesen sein, hat die PISA-Studie aus besagtem Jahr ergeben. Die Zahl wird im OECD-Report zum Wohlbefinden von Jugendlichen aus aller Welt genannt, den die Grünen in ihrer Kleinen Anfrage erwähnen. Dabei sind Jungs häufiger Opfer von Mobbing als Mädchen. Jedoch leiden Mädchen stärker unter sozialer Isolation und übler Nachrede. Mobbingfolgen können dem Report zufolge sein: psychosomatische Erkrankungen, Depressionen, Schädigung des Selbstbewusstseins oder sogar Selbstmordgedanken.

Angriffe auf Lehrer

Im Juli 2018 haben im Bundestag Abgeordnete der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Kleine Anfrage zur wirksamen Bekämpfung von Mobbing an Schulen an die Bundesregierung gestellt. Diese verweist in ihrer Antwort darauf, dass die Bundesländer für das Schulwesen und damit auch für die Bekämpfung von Mobbing zuständig seien.

Die Regierung schreibt weiterhin, dass sich das Mobbing gegen Lehrer verstärkt habe. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage, die im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung e.V. entstanden ist, haben demnach 48 Prozent der befragten Schulleitungen angegeben, dass es Fälle von psychischer Gewalt (Beschimpfungen, Bedrohungen, Beleidigungen, Mobbing oder Belästigungen) gegen Lehrkräfte an ihrer Schule gab.

"Anti-Mobbing-Profis"

Auch Cybermobbing sei in diesem Zusammenhang bei 20 Prozent der Schulen ein Problem – also Mobbing in Foren, sozialen Netzwerken, Messengern. An jeder vierten Schule sei es zudem zu Fällen von körperlicher Gewalt gegenüber Lehrkräften gekommen.

Die Grünen machten in ihrer Kleinen Anfrage deutlich, dass sie es auch als Aufgabe der Bundesregierung sehen, Mobbing zu bekämpfen und Prävention zu fördern. Viele Fragen betrafen das Projekt "Respekt Coaches/Anti-Mobbing-Profis", das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen wurde. Damit will sich die Bundesregierung verstärkt gegen Gewalt, vor allem religiöses Mobbing, an Schulen einsetzen.

Dafür sind im laufenden Jahr 20 Millionen Euro vorgesehen. 170 "Profis" sollen ausgebildet und in Schulklassen eingesetzt werden. Geplant ist das Vorhaben in den Jahren 2018 und 2019 – mit Option auf Verlängerung. Maxi hat mit einem der Respekt Coaches gesprochen. Hier geht es zu dem Artikel.

Gegen religiösen Extremismus

Die Abgeordneten fragten die Regierung, wie die Wirksamkeit und die Nachhaltigkeit des Vorhabens aussieht und ob die Finanzierung sich noch verändern wird. Das Projekt ist Teil des nationalen Präventionsprogramms gegen islamischen Extremismus.

In erster Linie geht es dabei also nicht um allgemeine Formen des Mobbings, sondern speziell um "die Entstehung religiös begründeten Extremismus in all seinen Erscheinungsformen, wie (Israel-bezogener) Antisemitismus, Sexismus, Homosexuellenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung etc. in der Schule", heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Bei dem Vorhaben handele es sich um eine Primärprävention, es soll damit den respektvollen Umgang der Mitschüler untereinander fördern und sie für religiös motivierte Übergriffe sensibilisieren.

Weitere Projekte

Neben den Anti-Mobbing-Profis gibt es eine Vielzahl anderer Programme, die sich gegen Mobbing an Schulen richten. Unter den Angeboten finden sich einige Projekte, die von den Schulen initiiert und von den Landesregierungen unterstützt werden. Hierzu zählt die Schulsozialarbeit oder Konfliktlotsenprogramme. Aber auch gezielte Themenprojekte wie "fit for life" vom Bremer Institut für Pädagogik und Psychologie (bipp) oder "Faustlos" vom Heidelberger Präventionszentrum. Ziel der Programme ist es, soziale Kompetenzen zu fördern und gewaltbereites Verhalten vorzubeugen, sowie Kinder und Jugendliche zu stärken eigenständig und unabhängig, Probleme zu lösen.

Zu dem Respekt Coaches Projekt soll es demnächst eine Evaluierung geben, schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort an die Grünen-Fraktion. Dabei soll sich zeigen, wie erfolgreich das Konzept ist.

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