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Der Autor

Theo Mueller

Theo Müller (22)
studiert Geschichte und Politik-Wirtschaft

Zahlen und Fakten
Sie nerven und sie lieben sich

11.11.2014 |

Die meisten Kinder wachsen immer noch in der klassischen Familie aus Mutter, Vater und Kind auf. Doch viele Eltern trennen sich, manche verlieben sich neu und auch gleichgeschlechtliche Partner können Kinder aufziehen. Familie ist heute bunt wie nie.

Familie in bunten Ponchos, die dem Betrachter den Rücken zuwendet.

Alles Patchwork oder was? Familien sind heute vor allem eines: bunt. – © picture-alliance/dpa

Familien, ganz egal, wie sie aussehen, wünschen sich vor allem eines: Zeit. So lautet das wohl wichtigste Ergebnis aus dem 8. Familienbericht, den der Bundestag am 8. November 2014 beraten hat. Der Bericht, der aus dem jahr 2012 stammt, befasst sich vor allem mit der Frage, was Eltern brauchen, um Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Hallo, ich habe da ein paar Fagen

Doch um wen geht es eigentlich, wenn über Familien gesprochen wird? Dazu lohnt sich ein Blick in ein besonderes Zahlenwerk namens Mikrozensus. Dafür klingeln jedes Jahr Mitarbeiter der Statistischen Landesämter an rund 370.000 Wohnungstüren in ganz Deutschland und stellen ihre Fragen. Ungefähr jeder hundertste Haushalt bzw. die Leute, die darin wohnen, werden genauestens zu ihrer Lebenssituation befragt. Single-Haushalt oder Familie? Verwandt oder nicht? In Arbeit, Ausbildung oder Rente? Die Ergebnisse der Umfrage werden auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet und sind repräsentativ.

Papa, Mama, Kind

Wie Familien in Deutschland heute leben, davon hat das Statistische Bundesamt, das all diese Daten zusammenträgt, deshalb eine ziemlich gute Vorstellung. Die Zahlen aus dem Jahr 2013 wurden erst vor einigen Wochen veröffentlicht. Ergebnis: 70 Prozent aller Kinder wachsen bei verheirateten Ehepaaren auf, leben also in einer "traditionellen" Familie. Jedes fünfte Kind wird von nur einem Elternteil erzogen (und zwar in neun von zehn Fällen der Mutter). Interessant: Seit 1996 war der Anteil der Alleinerziehenden von damals nur 13,8 Prozent kontinuierlich gestiegen – 2013 gab es zum ersten Mal einen ganz leichten Rückgang (2012: 20,3 Prozent). Bei den restlichen zehn Prozent der Familien leben die Eltern zwar zusammen, sind aber nicht verheiratet.

"Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung", heißt es in Artikel 6 des Grundgesetzes. Um mit ihren Entscheidungen für diesen Schutz sorgen zu können, möchten Familienpolitiker genau wissen, wie die Deutschen zusammenleben und was sie unter „Familie“ verstehen. Das ist in den vergangenen Jahren nicht unbedingt einfacher geworden. Immer mehr Familien sind bunt zusammengewürfelt. Ehen werden geschlossen und zu mindestens einem Drittel auch wieder geschieden.

Unterschiede zwischen Ost und West

Wenn in der Zwischenzeit Kinder zur Welt gekommen sind, bleiben sie nach einer Trennung häufig bei der Mutter (85 Prozent der Fälle), deutlich seltener beim Vater (14 Prozent). Manchmal wachsen die Kinder auch in neuen Patchwork-Familien mit neuen Partnern auf (Patchwork: Englisch für „Flickwerk") oder bleiben mit einem alleinerziehenden Elternteil allein. Manchmal wohnen auch (Schwieger-)Großeltern oder andere Verwandte im gleichen Haus. Wie viele solcher Patchwork-Familien es in Deutschland genau gibt, lässt sich trotz aller statistischen Mühen nicht exakt bestimmen. Schätzungen zufolge gibt es in mindestens 10 Prozent der Familien einen Stiefvater oder eine Stiefmutter.

Gleichwohl ist die Mutter-Vater-Kind(er)-Familie immer noch der Normalfall. In den westdeutschen Bundesländern leben 74 Prozent aller Familien so. Im Osten dagegen sind es nur 51 Prozent. Dieser Unterschied hat eine lange Tradition: Schon seit mehr als einem halben Jahrhundert ist der Anteil unehelich geborener Kinder in der ehemaligen DDR bzw. den neuen Bundesländern im Osten viel höher als im Westen.

Vater im Job, Mutter daheim?

Solche Unterschiede erklären sich aus älteren Familien-Leitbildern. Der DDR-Führung lag in der Mangelwirtschaft zum Beispiel daran, Frauen nach einer Geburt rasch wieder als Arbeitskräfte einsetzen zu können. Auch deshalb gab es vergleichsweise gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Frauen standen auch nach einer Scheidung wirtschaftlich auf eigenen Beinen. Ehen wurden schneller geschlossen und auch schneller wieder geschieden als im Westen. Dort hatten Familienpolitiker noch eher das Modell einer "bürgerlichen" Familie im Kopf, in der Väter für das Geldverdienen und Mütter für Familienarbeit zuständig waren. Ohnehin waren Frauen ihren Männern damals rechtlich noch nicht vollständig gleichgestellt.

Was ist eine "richtige" Familie?

Rasches Vorspulen ins Jahr 2014: Familien-Leitbilder verändern sich bis heute. Auch gleichgeschlechtliche Lebenspartner können mittlerweile mit einem Kind eine Familie bilden. Wenn einer der beiden schon ein Kind aus einer früheren Beziehung hat, darf der andere Partner dieses Kind jetzt auch adoptieren. Der Bundestag beschloss im Mai 2014 ein entsprechendes Gesetz. Im Jahr 2013 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass mit "Familie" in Artikel 6 des Grundgesetzes auch eingetragene Lebenspartnerschaften mit Kind gemeint sind.

Vielleicht ist die Frage, was eine "richtige" Familie ist, auch ganz einfach weniger wichtig als die Tatsache, dass es überhaupt eine Familie gibt. Denn obwohl jeder weiß, dass Eltern, Geschwister, Opa und Oma oder auch Kinder manchmal ganz schön nerven können, möchte kaum jemand ohne sein. Als das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin im Jahr 2011 junge Erwachsene fragte, ob es zu ihrem Glück eine Familie braucht, so bejahten fast 80 Prozent von ihnen – und zwar in Ost und West gleichermaßen.

Die Leitbilder sind im Wandel

Familienpolitiker aller Parteien möchten im Großen und Ganzen heute den Eltern die Entscheidung überlassen, wie ihre Kinder aufwachsen. Über einige Punkte und finanzielle Hilfen gibt es trotzdem Streit – zum Beispiel in der Frage, ob Kinder besser zu Hause betreut werden oder in eine Kindertagesstätte gehen sollten. Die Folgen mancher politischen Entscheidung werden die Interviewer des Mikrozensus wohl als erstes bemerken: Dann nämlich, wenn sie die neue Vielfalt protokollieren, die ihnen hinter all den deutschen Wohnungstüren begegnet.

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Wie kann die Politik Familien besser unterstützen?

Wie wichtig ist Familie für euch? Wie lebt ihr? Mit Mama und Papa, in einer Patchwork-Konstellation, sind Eure Eltern geschieden? Was erlebt ihr, was könnte die Politik für euch tun? Diskutiert darüber im Forum!

Kommentare

 

Bond schrieb am 29.01.2017 12:13

Gleichgeschlechtliche Paare sind keine Familie !

 

 

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