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Jonathan Old (19)
studiert internationale Beziehungen

Familienpolitik
Zeit für Kids und Omi

13.01.2015 |

Sich im Job verwirklichen und gleichzeitig mit ganzem Herzen für die Familie da sein: Zwischen diesen Wünschen sind viele hin- und hergerissen. Einige neue Gesetze sollen helfen, die Balance zu finden.

Das Foto zeigt am oberen Rand die Füße einer Frau mit Hackenschuhen, eines Kindes und eines Mannes.

Wer putzt die Schuhe, wer geht zum Meeting und wer holt die Kinder vom Sport ab? Viele Eltern jonglieren zwischen Familie und Beruf. – © picture-alliance/dpa

Kinder oder Karriere? Was früher zwischen Mann und Frau aufgeteilt war, meist ein "Entweder-Oder" verlangte, ist heute anders: Männer und Frauen wollen heute häufig beides: einen guten Job machen und für die Familie da sein. Studien etwa des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigen, dass Frauen heute arbeiten wollen: 91 Prozent finden Erwerbsarbeit und ein eigenes Einkommen wichtig. Und auch viele Männer wollen raus aus den alten Rollenmodellen. In der Studie "Moderne Väter" sagten 88 Prozent der befragten Männer, sie würden ihren Nachwuchs gern von Anfang an "aktiv begleiten" und nicht nur arbeiten.

Die Politik will es deshalb den Paaren leichter machen. Sie unterstützt Familien seit Jahrzehnten finanziell und schafft seit einigen Jahren Stück für Stück mehr Kinderbetreuungsplätze. Das am 4. Dezember 2014 vom Bundestag beschlossene "Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege" geht einen weiteren Schritt in diese Richtung. Nun soll auch die Pflege von Angehörigen erleichtert werden.

Kinder, Küche, Kirche

Noch bis ins 19. Jahrhundert gab es zwischen Beruf und Familie wenig zu vereinbaren, sie gehörten untrennbar zusammen. Die allermeisten Menschen lebten und arbeiteten als Bauern auf dem Land und so war klar: Die ganze Familie packt an, jeder trägt seinen Teil zum Haushalt bei.

Später entstand das Modell des männlichen Alleinernährers und der Hausfrau. Dieses Familienbild blieb noch lange bestehen, in der Realität und als Idealvorstellung der sogenannten bürgerlichen Kleinfamilie. Um "Kinder, Küche und Kirche" kümmert sich in diesem Modell die Frau, während der Mann für das Einkommen sorgt.

Die Gesellschaft wandelt sich

Vor circa 50 Jahren begann ein Prozess mit weitreichenden Folgen: Die Frauenbewegung setzte sich für gleiche Rechte für Frauen durch, die weibliche Berufstätigkeit stieg und immer weniger Kinder kamen zur Welt – ein Trend, der anhält. Zugleich steigt der Lebensstandard, die Menschen leben immer länger. Die dritte wichtige Entwicklung in diesem Zusammenhang ist, dass traditionelle Familienarbeiten wie Kinderbetreuung, Pflege und soziale Sicherung heute in immer stärkerem Maß von Kindertagesstätten (Kitas), Altenheimen und dem Sozialstaat geleistet werden.

Das Problem an der "Überalterung"

In unserer Gesellschaft zahlen Junge für Alte – in der Rentenversicherung oder in der Krankenversicherung zum Beispiel. Dass Menschen immer älter werden können, ist sehr schön. Es bringt jedoch auch Probleme für die Sozialkassen mit sich, denn immer weniger Junge zahlen immer mehr Beträge für ältere Menschen. Ältere Menschen sind anfälliger für Krankheiten und Unfälle, sehr viele Hochbetagte werden zum "Pflegefall", was wiederum die Kosten in der Pflegeversicherung nach oben treibt.

Was tun?

Wir brauchen mehr Kinder – darin sind sich alle Parteien einig. Ein erfolgreiches Konzept dafür fehlt jedoch bis heute. Verordnen kann die Politik die Fortpflanzung ohnehin nicht, aber sie kann die Rahmenbedingungen schaffen, die es Familien leichter macht. Doch was genau macht es leichter für Eltern oder Pflegende? Komplizierte Fragen, mit denen sich der Bundestag in den letzten Wochen einmal mehr auseinandergesetzt hat. So wurde unter anderem ein weiterer Ausbau der Kitas beschlossen und das "Elterngeld Plus" verabschiedet, das es Paaren nun ermöglicht, bis zu zwei Jahre lang ihre Arbeitszeit zu reduzieren, um für ihre Kinder zu sorgen.

Das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit

Doch was passiert, wenn ein Familienangehöriger einen Unfall hat, schwer krank ist oder einfach zu alt, um für sich selbst zu sorgen? Jede zweite Familie entscheidet sich nicht für professionelle Hilfe, sondern pflegt selbst. Darum, genau das zu ermöglichen und zu unterstützen, geht es dem Bundestag bei dem Vereinbarkeitsgesetz, das kürzlich beschlossen wurde und auf drei zentralen Säulen steht:

Erstens soll es einen Rechtsanspruch auf eine zehntägige Auszeit bei einem akuten Pflegefall, zum Beispiel bei einem Unfall, geben. So können sich Angehörige schnell darum kümmern, eine neue Pflegesituation zu organisieren.

Zweitens können pflegende Personen ein sogenanntes "zinsloses Darlehen" in Anspruch nehmen, sich also Geld vom Staat leihen, ohne später dafür Zinsen zahlen zu müssen.

Drittens wird die Familienpflegezeit gestärkt. Das Konzept ermöglicht es Arbeitnehmern, in Teilzeit zu arbeiten und sich gleichzeitig um Angehörige zu kümmern. Die Familienpflegezeit wird nun für große Arbeitgeber verbindlich, und auch hier soll die Möglichkeit eines zinslosen Darlehens bestehen.

Weit oder nicht weit genug?

In der Debatte Anfang Dezember betonten alle Fraktionen, wie wichtig familiäre Pflege und deren Anerkennung seien. Während allerdings die CDU/CSU und die SPD das neue Gesetz als einen wichtigen Schritt für die Pflege betrachten, das Familien entlaste und gleichzeitig verträglich für die Arbeitgeber sei, geht es der Opposition nicht weit genug: Die Grünen bemängelten, dass Demenzkranke vernachlässigt würden und Pflege- und Familienpolitik nicht zusammenpassen würde. Die Linke kritisiert die Ausnahme, nach der das Gesetz für viele Kleinbetriebe nicht gilt, und fordert längere Auszeiten bei akuten Pflegefällen.

Weitere Beiträge zu: Vereinbarkeit, Familie, Kita, Pflege.

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