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Pro und Contra
Widerspruchslösung einführen?

20.02.2019 |

Soll jeder mit dem Tod automatisch zum Organspender werden, wenn er oder sie nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat? Lilith sagt ja, Christiane ist dagegen.

lilith

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Kreder

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Contra

Christiane (24): Kein Ersatzteillager

Seine Organe zu spenden, ist eine sehr persönliche Angelegenheit, schließlich geht es um den eigenen Körper und darum, was mit ihm nach dem eigenen (Hirn-)Tod passiert. Eine Spende ist dabei per Definition "freiwillig".

Freier Wille wird eingeschränkt

Obwohl weiterhin jeder frei über den Verbleib seiner Organe entscheiden kann, schränkt die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kürzlich vorgeschlagene Widerspruchslösung genau diesen freien Willen meiner Meinung nach ein.

Sein Plan: Künftig soll jeder Deutsche automatisch ein Spender sein, wenn er oder sie nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widerspricht. Meiner Meinung nach sollte diese Regel nicht eingeführt werden.

Rechtfertigungsdruck für Nein-Sager

Ein Mensch, der bisher seine Organe spendete, ging mit gutem Beispiel an Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft voran. Die Widerspruchslösung verkehrt diese positive Wahrnehmung. Wer sein Veto gegen die automatische Spende einlegt, sagt damit indirekt: "Nein, ich möchte nach meinem Tod keine Menschenleben retten" – und sieht sich damit einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt.

Der Körper als Ersatzteillager

In einer Zeit, in der die Debatte um "Sterben in Würde" sehr präsent ist, verunsichert die Diskussion um die Widerspruchslösung viele. Denn das subjektive Gefühl vom würdevollen Tod – der für manche eben auch die Unversehrtheit des Körpers mit seinen Organen bedeutet – stellt die Widerspruchslösung dem objektiven Mehrwert der gespendeten Organe gegenüber.

Viele Gegner der geplanten Änderung sagen deshalb, der menschliche Körper sei kein Ersatzteillager. Darauf würden Menschen aber reduziert und ihr Wert würde an der Verwertbarkeit ihrer Organe gemessen.

Spendenskandale haben Vertrauen zerstört

Und genau mit dieser Verwertbarkeit erwacht für einige die Angst vor dem Missbrauch. Vor allem Organspende-Skandale der vergangenen Jahre wie beispielsweise in Göttingen und dem Klinikum Großhardern in 2015 haben Vertrauen zerstört und die Angst geschürt, Ärzte könnten sich gegen die Rettung des Patienten und für die Wiederverwendung seiner Organe entscheiden. Der ärztliche Eid verbietet, aktive Sterbehilfe zu leisten. Die Angst – so irrational sie auch ist – aber bleibt.

Die Bereitschaft zu spenden ist längst da

Die Widerspruchslösung räumt Bedenken wie diese nicht aus, sie geht eher darüber hinweg. Wer vorher kein Spender war, wird sich diese Entscheidung von der Politik nicht abnehmen lassen. Stattdessen wäre es besser, Zweifel anzugehen und auszuräumen. Dann würden sich wahrscheinlich von den 84 Prozent der Deutschen, die laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 2018 Organspenden prinzipiell gut finden, mehr für einen Organspendeausweis entscheiden.

Kein politisches Brecheisen

Zwar liegt Deutschland im EU-Vergleich hinten, was die Zahl der Menschen mit Spendeausweise angeht, laut der BZgA steigt die Zahl der Spendenausweise aber stetig an. Diesen Trend sollten man unterstützen und verstärken – ganz ohne das politische Brecheisen.

Sollte jeder automatisch zum Organspender werden, wenn er oder sie zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht?





Kommentare

 

Mika schrieb am 05.03.2019 14:05

So könnte man das Problem mit den fehlenden Spendern lösen!

 

 

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