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Umfrage
So bin ich im Netz

Ruth_Arnskoetter

Ruth Alice Arnskötter aus Bad Kreuznach, 20 Jahre – © privat

Was hast du zuletzt gepostet und wo?

Eine Registrierung bei Instagram, Twitter und Facebook sind ja heutzutage kaum zu umgehen. Das letzte Mal habe ich vor einer Woche auf Instagram ein Foto gepostet. Ich war mit meiner Mutter in Frankfurt am Main unterwegs, wir gingen Sushi essen. Während meine Mutter auf der Toilette war, schoss ich ein Foto vom Sushi-Laufband.

Selbstkritisch: In welchem Zusammenhang bist du digital naiv?

Ich muss es ganz ehrlich zugeben: Weder beim Onlineshopping noch bei der Bahn- oder Fernbusbuchung habe ich jemals die AGBs gelesen, bevor ich selbiges bestätigt habe. Für mich war der Knackpunkt bei derartigen Käufen immer der geringe Zeitaufwand – für mehr als für einen Mouseclick habe ich mir nie Zeit genommen. Bevor ich etwas bestelle, lese ich mir aber stets Kundenbewertungen durch. Erscheint mir die Website danach nicht seriös, lasse ich die Bestellung sein. So ist mir noch nie etwas passiert. Bei WhatsApp und Facebook bin ich aber sehr vorsichtig. Meine Aktivitäten beschränken sich dort auf reinen Informationsaustausch und ab und an ein neues Profilbild. Genauso geht es mir bei meinen Passwörtern. Sie sind meistens eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben. Ich sollte sie dennoch häufiger ändern, denn das mache ich wirklich nie.

Welche digitalen Trends beobachtest du als Journalist?

Was mir zunehmend auffällt, ist die Übertragung des digitalen Lebens auf die Realität. Wie du dich auf Facebook, Instagram und so weiter gibst, so bist du auch wirklich. Früher waren solche Dienste eine eigene Welt abseits der Realität. Heute schaut man, wenn man jemanden kennenlernt, zunächst auf das Facebook-Profil, bevor man versucht, sich in einem Gespräch näher zu kommen. Ich finde das sehr schade, weil es unglaublich viel vorwegnimmt, obwohl man aus einem unbewegten Bild nichts Persönliches herauslesen kann. Ich denke, das liegt daran, dass die Nutzer/innen zunehmend jünger werden. Man wird gezwungen, sich digital zu präsentieren um dazu zu gehören. Freundschaften beginnen mittlerweile meist im Netz, nicht in einem persönlichen Gespräch.

Ruths Politikorange-Blog-Beitrag anlässlich des Jugendmedienworkshops findet ihr hier.

Jan_Noelke

Jan Nölke aus Versmold, 17 Jahre – © privat

Was hast du zuletzt gepostet und wo?

Zuletzt habe ich auf Facebook einen Beitrag über das Bestehen meiner Abiturprüfung gepostet. Hierzu habe ich zum einen das Zitat eines guten Freundes verwendet und zum anderen einen "Smile"- Emoticon. Zudem habe ich meinen Beitrag mit dem #Abibestanden versehen und zusätzlich sieht man mich auf einem Foto mit meinem Abi-Pullover im Garten sitzen.

Selbstkritisch: In welchem Zusammenhang bist du digital naiv?

Persönliche Daten kommuniziere ich nur persönlich, Fotos können nur meine engsten Freunde sehen. Deshalb habe ich mir die Datenschutzbestimmungen auf Facebook auch nach deren Änderungen stets sehr genau durchgelesen. Auf WhatsApp bin ich wahrscheinlich weniger vorsichtig, dort verschicke ich auch ab und zu private Adressen oder Telefonnummern. Wenn mich ein Freund bittet, ihm Fotos zu schicken, tue ich dies über WhatsApp nahezu blindäugig. Trotzdem habe ich bisher noch keine negativen Erfahrungen mit der digitalen Welt gemacht – einzig personalisierte Werbeanzeigen, die sich genau auf meine Bedürfnisse beziehen, wecken leider mein ungewolltes Interesse.

Welche digitalen Trends (positiv/negativ) beobachtest du als Journalist?

Zunehmend beobachte ich, dass journalistische Arbeit im Internet kaum bezahlt wird. Wenn ich in einer der Tageszeitungen, für die ich freiberuflich arbeite, einen Text für die Printausgabe veröffentliche, erhalte ich dafür ein Honorar. Wenn der Artikel kurze Zeit später zusammen mit allen veröffentlichten Fotos auch im Internet oder auf der Facebookseite erscheint, erhalte ich kein Geld und werde in den meisten Fällen nicht einmal informiert. Gleichzeitig müssen Journalisten schneller, länger und parallel mit verschiedenen Medienformaten arbeiten. Dadurch steigen die Anforderungen an den Einzelnen während nur verhältnismäßig wenig Zeit zur gründlichen Recherche von Hintergrundinformationen bleibt. Ein großer Vorteil dagegen ist die immer kleiner werdende Hemmschwelle zwischen Journalisten und Lesern. Soziale Netzwerke ermöglichen den schnellen Austausch von aktuellen Meldungen, Meinungen und zur Ideenfindung für Reportagen.

Jans Politikorange-Blog-Beitrag anlässlich des Jugendmedienworkshops findet ihr hier.

Lou_Antoinette_Godvliet

Lou Antoinette Godvliet aus Wuppertal, 17 Jahre – © privat

Was hast du zuletzt gepostet und wo?

Ich muss gestehen, dass ich selten poste. Vor allem bei Facebook weiß ich, dass ein einziger Post fatal für meinen Berufsweg sein kann. Ansonsten bin ich auf Sozialen Netzwerken nur noch auf Instagram aktiv, wo ich zuletzt vor 16 Wochen ein Foto einer Pralinenschachtel passend zum Valentinstag gepostet habe.

Selbstkritisch: In welchem Zusammenhang bist du digital naiv?

Wenn man "digital nativ" wörtlich übersetzen würde, wäre ich sicher nicht "digital gebürtig" als ein Mitglied dieser Generation. Meine Kinderfotos besitze ich noch im Negativformat, mein erstes Handy bekam ich mit zehn Jahren. Dennoch würde ich mich als digital native bezeichnen, da die Medien mittlerweile ein nicht mehr wegdenkbarer Teil meines Alltags geworden sind. Ich denke, dass mit der Digitalisierung auch die Naivität der Menschen in Bezug auf die Medien zunimmt. AGBs habe ich tatsächlich noch nie gründlich gelesen und ich nutze lediglich zwei verschiedene Passwörter für sicherlich 15 verschiedene Portale, wie mein Email Account, Facebook, Amazon und so weiter. Ich sehe diese Naivität als großes Problem an. Im Prinzip können wir ausspioniert, geortet und auf jedem Klick verfolgt werden, doch wen kümmert das schon noch?

Welche digitalen Trends (positiv/negativ) beobachtest du als Journalist?

Vor allem die Beliebtheit Sozialer Medien steigt weiterhin. Ich empfinde jedoch das Interesse an visuellen Plattformen wie Instagram, Tumblr und Pinterest als besonders groß. Wenn ein Text als Bild "verkleidet" gepostet wird, bekommt er beispielsweise wesentlich mehr Likes oder Kommentare. Auch werden Apps immer häufiger. Doch gerade Apps nutzen unsere Standortdaten und mehr ohne dass wir es merken. Blogs werden meiner Meinung nach auch immer weniger gelesen, anstelle dessen traten die Vlogs. Insgesamt finde ich den fortlaufenden Trend zu bildhaften Medien als leidenschaftliche Schreiberin schade, sehe aber trotzdem Perspektiven. Die Gesetze bezüglich der Medien müssten klar definiert und öffentlich für jeden nachlesbar sein. Aber Youtube hat sicher andere Regelungen als Facebook oder Twitter. Ich kann immer nur betonen, dass man aufpassen sollte, was man veröffentlicht und auch nutzt.

Lous Politikorange-Blog-Beitrag anlässlich des Jugendmedienworkshops findet ihr hier.

Paul_Becker

Paul Becker aus Leer, 16 Jahre – © privat

Was hast du zuletzt gepostet und wo?

Letzte Woche auf Twitter. Ich habe auf Twitter aber keine Follower. Ich nutze es nur, um schnell Informationen über Fußball oder Politik zu bekommen. So habe ich Seiten wie "Kicker News" oder ZDFheute abonniert und bekomme so schnell vieles mit. Auf Twitter sage ich nur ab und zu mal meine Meinung zu Themen als Antwort auf die Tweets, gerade wenn es zum Beispiel um Spielerverpflichtungen oder Trainerwechsel geht. Auf Facebook habe ich das letzte Mal etwas im Dezember 2013 gepostet. Seitdem poste ich dort gar nicht mehr. Ich bin dort auch nur mit Leuten "befreundet", die ich tatsächlich kenne.

Selbstkritisch: In welchem Zusammenhang bist du digital naiv

Digital bin ich total naiv. Wenn ich mich bei neuen Diensten anmelde, und sei es "nur" bei E-Mail-Newslettern, lese ich mir die AGB's eigentlich nie durch. Auch sonst nutze ich die Dienste ohne groß über die Gefahren nachzudenken, die es dort geben könnte. Ebenfalls nutze ich bei allen Anmeldungen nur zwei unterschiedliche Passwörter, immer abwechselnd. Nur bei Warnhinweisen, dass es einen unberechtigten Zugriff auf mein Konto gegeben habe, werde ich sensibel. Dann ändere ich schon mal mein Passwort, verwende dann meistens auch ein ganz neues. Auch bei Diensten wie ebay-Kleinanzeigen verhalte ich mich nicht gerade vorbildlich. So gehe ich immer davon aus, dass der jeweils andere Beteiligte etwas Gutes im Sinn hat und frage daher manchmal nicht einmal nach seiner Adresse – was auch schon mal schiefgegangen ist.

Welche digitalen Trends (positiv/negativ) beobachtest du als Journalist?

Ich selber komme überhaupt nicht damit klar, Zeitungen digital zu lesen. Auch vom Gefühl gefallen mir gedruckte Ausgaben einfach besser. Über Soziale Medien ist es sehr einfach, seine Meinung zu allen möglichen Themen zu äußern und teilweise auch mit anderen Nutzern zu diskutieren. Das gefällt mir, gerade wenn es um Fußball geht. Dieser Meinungsaustausch ist für mich sehr wichtig und so erschließe ich auch andere Meinungen, als nur die aus dem real unmittelbaren Umfeld. Kritisch finde ich jedoch, in welcher Geschwindigkeit einzelne Websites digital miteinander kommunizieren. Da sucht man bei Google nach einem bestimmten Produkt und auf einmal werden etliche Varianten davon auf der nächsten angeklickten Website eingeblendet.

Pauls Politikorange-Blog-Beitrag anlässlich des Jugendmedienworkshops findet ihr hier.

Tomke_Schoeningh

Digital Native Tomke Schöningh aus Gräfelfing, 17 Jahre – © privat

Was hast du zuletzt gepostet und wo?

Etwas "so richtig" gepostet habe ich zuletzt vor zwei Wochen. Auf Facebook und zwar mein neues Profilbild: Ich in Kleid mit Hut in der Hand vor blauer Wand. Sehr klassisch. Aber seitdem habe ich unzählige Status und Fotos von Freunden und Bekannten kommentiert. Mein letztes Lebenszeichen auf Snapchat liegt auch nur wenige Tage zurück. Dort habe ich Fotos von einem gemeinsamen Kochen und Zusammentreffen mit Freunden hochgeladen.

Selbstkritisch: In welchem Zusammenhang bist du digital naiv?

AGBs habe ich noch nie durchgelesen, mein Standardpasswort unterscheidet sich von Netzwerk zu Online-Konto immer nur minimal und nur allzu gerne renne ich splitternackt an meiner offiziell ausgeschalteten Webcam vorbei, wenn ich aus der Dusche hüpfe. Echt dämlich sowas, aber ich vergesse einfach immer, etwas davor zu kleben. Dennoch wäre es interessant zu wissen, ob solche Verstöße gegen jegliche mir eigentlich doch recht gut und deutlich eingetrichterte Vernunft wirklich als naiv zählen? Denn ich bin mir meiner Dummheiten doch bewusst!

Welche digitalen Trends (positiv/negativ) beobachtest du als Journalist?

Das, was ich bei mir selbst im Kleinen sehe, das kann wohl auch auf die Jugend im Großen übertragen werden: Wir wissen, dass unsere Daten missbraucht werden, dass wir uns schützen sollten und vorsichtig sein sollten. Viele verschiedene Passwörter benutzen und die E-Mails verschlüsseln – welcher Jugendliche in Deutschland hat so etwas nicht eingebläut bekommen? Aber wir haben verstärkt diese "Scheiß-egal"-Haltung. Wir glauben, nichts könne noch vor dem allmächtigen US-Geheimdienst NSA versteckt werden. Also warum versuchen? Irgendwie bekommen sie es doch sowieso heraus, da kann ich doch auch gleich dasselbe Passwort verwenden und muss mir weniger merken, oder?

Tomkes Politikorange-Blog-Beitrag anlässlich des Jugendmedienworkshops findet ihr hier.

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