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Cédric Hübner-68

Cédric Hübner (16)
Abiturient

Wenn Schüler und Lehrer sich liken

08.11.2013 |

Lehrer in Rheinland-Pfalz dürfen es gar nicht nutzen, Lehrer anderer Bundesländer ausschließlich privat, wieder andere sollen selbst entscheiden: Die Rede ist von Facebook an Schulen. mitmischen-Autor Cédric weiß, was wo gilt, warum die Facebook-Aversion kursiert und welche Alternativen es für Lehrer und Schüler gibt.

Jemand sitzt vor einem Computer auf dem Facebook läuft

Facebook verbindet Menschen – außer diejenigen Lehrer mit ihren Schülern in Bundesländern, in denen es verboten ist. – © picture-alliance/chromorange

Der Mathelehrer mit seinen Kumpels samt ein paar Pullen Bier auf dem Rockkonzert, die Sportlehrerin im Bikini und mit Cocktails auf Mallorca – solche Bilder werden Schüler aus Rheinland-Pfalz nun nicht mehr von ihren Lehrern via Posts zu sehen bekommen. Denn seit Mitte Oktober dürfen sie offiziell keinen Kontakt mehr über das soziale Netzwerk Facebook haben. Facebook ist dort nicht nur für schulische Zwecke tabu, auch Facebook-Freundschaften sind nun nicht mehr erlaubt.

Beruflich nein – privat ja

Während in Rheinland-Pfalz mit dem Komplett-Verbot von Facebook an Schulen wohl die strikteste Regelung gilt, handhaben die anderen Bundesländer den Umgang mit Facebook recht unterschiedlich: In Bayern und Baden-Württemberg dürfen Lehrer mit ihren Schülern befreundet sein, Facebook aber nicht für schulische Zwecke nutzen. Tabu ist also, die Jungen und Mädchen zum Beispiel über Hausaufgaben zu informieren oder mit zusätzlichem Material zu versorgen. So ist es auch in Schleswig-Holstein und Thüringen. Sachsen-Anhalts Lehrkräfte benutzen laut Ministerium Facebook schlicht und ergreifend nicht, weder für Absprachen noch für ihren Unterricht. Das Land will sich an der bayerischen Regelung orientieren.

Andernorts: Vertrauen in die Lehrer

In Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Niedersachsen erwarten die Ministerien von den Lehrern, dass sie sich "amtsangemessen" verhalten. Hier vertrauen die Kultusminister den Pädagogen, dass sie verantwortungsvoll mit Facebook und Co. umgehen. Aus dem Bildungsministerium im hessischen Wiesbaden heißt es, dass viele Lehrer sowieso Abstand von den Schülern halten, wenn sie Facebook nutzen.

Die unterschiedlichen Regelungen kommen deshalb zustande, weil Bildung in Deutschland Ländersache ist. So steht es im Grundgesetz, Artikel 30. Genauso wie in jedem Bundesland das Bildungssystem ein wenig anders aufgebaut ist – die bayerischen Gymnasiasten müssen beispielsweise ein anderes Abitur als ihre Altersgenossen in Hessen schreiben – regeln die jeweiligen Kultusministerien auch für ihr Land, was in Sachen Facebook geht und was nicht.

Viele Gründe gegen Facebook

Das "Facebook-Verbot" wird vor allem mit der Tatsache begründet, dass das Unternehmen Daten von seinen Nutzern sammelt und kommerziell nutzt. Die sei nicht mit dem Bildungsauftrag der Schulen vereinbar. "Nicht vereinbar" hört sich vielleicht etwas schwammig an, es meint aber einfach nur, dass man nicht möchte, dass Daten über Schüler und Lehrer, wie zum Beispiel Noten, an Facebook gelangen.

In den Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks steht, dass man Facebook die "Lizenz zur Nutzung" aller Inhalte gibt – also von Nachrichten, Fotos, Statusmeldungen und vieles mehr. Wenn sich Lehrer und Schüler also über ihre Noten austauschen oder Unterrichtsbewertungen abgeben, dürfte Facebook letztendlich mit diesen Informationen tun und lassen was es will.

Ein Lehrer – zwei Profile

Es gibt aber noch viel einfachere Argumente, die das Verbot an Schulen stützen: Zum einen ist nicht jeder bei Facebook registriert. Diese Schüler wären benachteiligt, wenn sie deshalb nicht an Informationen herankommen könnten.

Zum anderen gibt es noch einen kommunikativen Aspekt, auf den Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbandes, hinweist: "Die Kommunikation über soziale Netzwerke gaukelt eine Beziehung auf Augenhöhe zwischen Schülern und Lehrkräften vor, die in der Realität so nicht besteht und auch nicht existieren sollte, da sonst Rollenkonflikte und Autoritätsprobleme entstehen." Er meint weiter, dass die Kommunikation über Facebook schnell Schwierigkeiten mit sich bringen könne, weil sie eben sehr persönlich sei. Kraus berichtet, dass viele Lehrer daher ein Profil als Privatperson und als Lehrer anlegten, um Berufliches und Privates zu trennen. Aber auch so komme es gelegentlich zu Problemen.

Moodle: gute, aber komplizierte Alternative

Konkrete Zahlen, wie viele Lehrer Facebook für die Schule nutzen, gibt es laut Kraus nicht. Es sei schwierig zu unterscheiden zwischen der Kommunikation mit aktuellen Schülern oder der von "Lehrkräften, die nach den Abschlussprüfungen ihrer Schüler über Facebook den Kontakt mit ihnen halten", sagt Kraus.

Doch es gibt auch Alternativen zum digitalen Austausch via Facebook. Diese sollten auf jeden Fall nicht kommerziell sein, meint Kraus, sonst wären sie nicht besser als Facebook. Als Beispiel nennt er Moodle, ein Open-Source-Projekt, das ursprünglich aus Australien kommt und unter anderem an Schulen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen genutzt wird. Außerdem gibt es die Alternative, über E-Mails Daten und Informationen auszutauschen. Oder es können die Webseiten, Intranets oder selbst eingerichteten Foren von Schulen genutzt werden, um Schülern und Lehrern eine Plattform zu bieten.

Moodle kann eine gute Alternative zu Facebook sein, wenn man sich erst einmal an das Design und die komplizierte Bedienung gewöhnt hat. Leider ist es nur für die einseitige Kommunikation von Lehrern zu Schülern geeignet und nicht umgekehrt, was die Nutzungsmöglichkeiten von Moodle einschränkt.

Weitere Beiträge zu: Facebook, Datenschutz, Schule.

Kommentare

 

paul wannengießer schrieb am 18.06.2014 08:36

danke joni du heißes teil man :D

 

 

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