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Die Autorin

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Anna Gumbert (21)
studiert Kultur- und Medienpädagogik in Merseburg

Filmerbe
Angst vor Essig und Staub

18.11.2016 |

Antike Bücher sind in Bibliotheken zu finden, aber was passiert eigentlich mit alten Filmen? Experten diskutierten im Bundestag, woher das Geld für das Lagern und Digitalisieren der alten Streifen kommen soll. Die Zeit drängt.

Zuschauer gucken einen 3-D-Film im Kino.

Bald könnten Millionen alte Filme auch für uns auf Kinoleinwänden zu sehen sein. – © picture alliance/ dpa

1,2 Millionen Filmrollen – so viele lagern allein im Bundesarchiv in Berlin. Das Filmerbe ist das Bildgedächtnis unseres Landes – wie Literatur gehört es zum Kulturerbe von Deutschland. Dazu zählen die erhaltenen Exemplare aus der Frühzeit des Films (zu Beginn des 20. Jahrhunderts), Stummfilme, Spielfilme, Wochenschauen, Dokumentarfilme und Kurzfilme.

Kalt und trocken

Doch dieses Material ist mittlerweile bedroht. Rost, Staub und Säure setzen den alten Filmrollen zu. Bei Feuchtigkeit bildet das Zelluloid-Material nämlich Essigsäure, die die Filme zersetzt. Aufgehalten werden kann der Prozess nicht, aber bei richtiger Lagerung (kalt und trocken) zumindest verlangsamt.

Problematisch ist außerdem, dass es immer weniger Abspielgeräte für alte Filmrollen gibt. Sogenannte Filmprojektoren werden heute nicht mehr hergestellt und immer weniger Menschen können die alten Geräte bedienen. So werden alte Filme kaum noch gezeigt. Dadurch verliert die Öffentlichleit den Zugang zum analogen Teil des Deutschen Filmerbes.

Digitalisieren notwendig

Experten sind sich einig: Das analoge Material sollte dringend digitalisiert werden, um nicht für immer verloren zu gehen. Nur reichen die finanziellen Mittel in den Archiven kaum aus und auch das Fachpersonal dafür fehlt. Das Problem ist nicht neu: Schon seit etwa zehn Jahren diskutiert der Bundestag darüber, wie das deutsche Filmerbe gesichert und zugänglich gemacht werden kann.

Am 19. Oktober stand nun der Antrag der Linken "Nachhaltige Bewahrung, Sicherung und Zugänglichkeit des deutschen Filmerbes gewährleisten" im Ausschuss für Kultur und Medien zur Debatte. Die Linke fordert, dass der Bund mit den Ländern und der Filmwirtschaft bis Mitte 2017 eine Strategie vorlegen solle, wie die Digitalisierung finanziert werden kann.

Kosten: eine halbe Milliarde

Bisher waren die im Kinematheksverbund zusammengeschlossenen Filmarchive für die Pflege und den Erhalt des alten Materials zuständig. Dafür reichen die von der Bundesregierung für Kultur und Medien bislang zugesicherten Finanzmittel jedoch nicht aus. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers hat errechnet, dass die Digitalisierung des Deutschen Filmerbes 474 Millionen Euro kosten wird. Im Haushaltsplan für den Bund sind aber wie in den Jahren zuvor auch für 2017 nur eine Millionen Euro für die Restauration und Instandhaltung der Filme vorgesehen.

Die alten Filmrollen müssen nicht nur ins Digitale übertragen werden – diese sogenannten "Digitalisate" müssen wie auf einer Computerfestplatte alle paar Jahre nachgespeichert oder umkopiert werden. Das Originalformat soll außerdem gesichert und gepflegt werden. Das bedeutet doppelte Arbeit mit Kosten bis hin zu 750.000 Euro pro Film, schätzen Experten. Bisher stehen 15.000 Euro je Film zur Sicherung bereit.

Rente für Filme

Vertreter von Bundesregierung, Bundesländern und aus der Filmwirtschaft diskutieren momentan über ein Bündnis, um die Kosten dafür aufzuteilen. Die Linke schlägt in ihrem Antrag vor, dass jede Partei die Kosten zu einem Drittel tragen solle. Außerdem empfiehlt sie, das Kinopublikum mit einer zweckgebundenen Abgabe von fünf Cent für jede Kinokarte miteinzubeziehen.

Juliane Maria Lorenz, Präsidentin und Geschäftsführerin der Rainer Werner Fassbinder Foundation, schlug im Ausschuss vor, dass jeder aktuelle Filmschaffende schon in der Kalkulation für seinen Film eine Art "Rentenversicherungsbeitrag" einplanen sollte, der für die Restaurierung gedacht ist und schon heute in die Gesamtfinanzierung einfließen könne. Außerdem weist sie darauf hin, dass das digitalisierte Filmerbe Geld einbringen wird, sobald es für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Nur Markt geht nicht

Auch Christine Grieb, Geschäftsführerin des Verbands der filmtechnischen Betriebe, und Alice Brauner, Geschäftsführerin der Berlin CCC Filmkunst GmbH, sagten, es sei mehr Geld erforderlich. "Die Firmen sind in einer dramatischen wirtschaftlichen Situation, da der Markt ihre Leistungen ohne staatliche Unterstützung nicht abruft", sagte Grieb. Das personelle Wissen und die technische Infrastruktur gehe immer weiter verloren je mehr Zeit ohne geeignete Finanzierung vergehe.

Weitere Beiträge zu: Film, Kultur, Digitalisierung.

Kommentare

 

Thomas Just schrieb am 25.11.2016 01:04

Wer die Wahren Filme und Bedeutung der Filme in Historischer und warheitlicher Aussage nicht zu Archivieren Gedenkt .Der Lebt im Propaganda und im Sinne Der (BRD).

 

 

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