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Die Autorin

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Patricia Löwe (25)
promoviert an der HU Berlin in Philosophie und Religionswissenschaften

Hintergrund
Hinter Glas und am Bau

26.08.2015 |

Auf dem Weg zum Plenum, während der Arbeit im Büro, beim Essen in der Bundestags-Kantine: Für die Parlamentarier und ihre Mitarbeiter ist Kunst an vielen Stellen präsent. Kunstbeirat und Kuratoren entscheiden über Ankäufe und Ausstellungen. Maria Blanck unterstützt sie als studentische Mitarbeiterin.

Maria_Blancke

Maria Blancke zeigt das Werk des französischen Künstlers Christian Boltanski, der ein Archiv der Abgeordneten aus Metallkästen im Untergeschoss des Reichtages kreiert hat. Die Visualisierung der Lebensspuren deutscher Politik fasziniert Maria Blancke. – © Michael Kuchinke-Hofer

Worin bestehen deine Aufgaben als studentische Mitarbeiterin des Kunst-Raumes?

Wir sind vier studentische Hilfskräfte, die als Assistenz des Kurators Andreas Kaernbach und der Kuratorin Kristina Volke beschäftigt sind. Natürlich arbeiten wir den beiden zu, indem wir Recherchetätigkeiten übernehmen. Außerdem kümmern wir uns um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und betreuen die Ausstellungen des Kunst-Raumes, stehen also dort für Fragen zu Verfügung und bieten Kurzführungen an. Kurz vor einer Ausstellungseröffnung weiß man manchmal gar nicht, wo einem der Kopf steht.

Welche Ausstellung, an der du bisher mitgearbeitet hast, hat dich besonders beeindruckt?

Das ist natürlich immer Geschmackssache. Aber mich persönlich hat die letzte Ausstellung des Kunst-Raumes beeindruckt: "François Morellet figuratif - Gunda Förster konkret". François Morellet ist einer der erfolgreichsten Lichtinstallationskünstler Frankreichs und Gunda Förster ist eine Berliner Künstlerin, die auch im Bundestag eine Lichtinstallation gestaltet hat. Beide wurden zusammen in einer Ausstellung gezeigt. Das fand ich sehr gelungen.

Wer besucht diese Ausstellungen eigentlich?

Bei Gunda Förster und François Morellet war das Publikum sehr jung. Die letzte Ausstellung, in der Fotografien von Christoph Brech gezeigt wurden, hat hingegen eher ältere Menschen angezogen. Es kommt also auf die Ausstellung an, welches Publikum wir erreichen. Aber die wenigsten wissen überhaupt, dass der Deutsche Bundestag eine Kunstsammlung unterhält und Ausstellungen veranstaltet.

Müssen die Ausstellungen vielleicht intensiver beworben werden, um mehr Menschen zu erreichen?

Man könnte dafür schon mehr Werbung machen. Andererseits ist es auch nicht die Aufgabe des Kunstreferates, riesige Publikumsmassen anzuziehen. Denn das ist natürlich auch eine Geldfrage, es gibt da strenge Haushaltsvorgaben.

Die Kunstankäufe des Deutschen Bundestages

© DBT

Welchen Anspruch verfolgt der Deutsche Bundestag mit seiner Kunstsammlung?

Die Kunstsammlung wird durch Steuergelder finanziert. Deshalb werden auch immer wieder Werke daraus öffentlich ausgestellt und kein Eintritt von den Besuchern verlangt. Zudem bieten wir pädagogische Programme, wie Workshops, begleitend zu jeder gezeigten Sammlung an.

Zusätzlich werden pro Jahr aber auch rund 175.000 Euro für neue Werke ausgegeben. Dazu gibt es einen Kunstbeirat, bestehend aus neun bis elf Mitgliedern, der nach der Fraktionsstärke des Bundestages aufgestellt ist. Den Vorsitz hat der Bundestagspräsident, also derzeit Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU/CSU). Die beiden Kuratoren stehen dem Kunstbeirat dabei beratend zur Seite. Für die Sammlung wird Kunst angekauft und die Ausstellungen, die wir veranstalten, zeigen immer Arbeiten von Künstlern aus der Sammlung. Zum einen ist also die Förderung von Künstlern ein Anspruch des Bundestages und zum anderen spielt der Bildungsauftrag bei der Konzeption der Ausstellungen eine wichtige Rolle.

Nach welchen Kriterien werden die Künstler ausgesucht, deren Werke gekauft werden oder die in öffentlichen Gebäuden ein größeres Kunstprojekt umsetzen dürfen?

Es handelt sich um eine zeitgenössische Sammlung mit ungefähr 4.000 Werken. Jedes Werk, dass erworben wird, ist bereits fertig. Es ist dabei nicht zwingend, dass ein Werk unbedingt ein politisches Thema behandeln muss. Natürlich entscheidet der Kunstbeirat letztendlich, was gekauft wird, aber dessen Zusammensetzung ändert sich jedes Mal nach den Wahlen.

Die Künstler für die Kunst-am-Bau-Projekte werden dagegen entweder eingeladen oder nehmen an einem Wettbewerb teil. Für jedes Gebäude gibt es extra zwei Kunstsachverständige, die sich mit der Auswahl der Künstler auseinandersetzen.

Kunst und Politik, passt das zusammen?

Das passt sogar sehr gut zusammen. Besonders spannend sind für mich die Werke, die sich mit konkreten, politischen Problemen auseinandersetzen und die auf Fehlerquellen aufmerksam machen. Im Lichthof des Reichstags beispielsweise gibt es eine Installation von Hans Haacke. Es handelt sich um einen Kasten, in den die Mitglieder des Deutschen Bundestages Erde aus ihrem jeweiligen Wahlkreis füllen dürfen und der inzwischen von Pflanzen überwuchert ist. Ich finde diese Arbeit von allen Kunst-am-Bau-Projekten hier am stärksten. Kunst und Politik sind natürlich zwei verschiedene Paar Schuhe, die aber voneinander profitieren können und auch voneinander abhängig sind.

Über Maria Blanck:

Maria Blanck ist 27 Jahre alt und arbeitet seit zwei Jahren als studentische Mitarbeiterin des Kunst-Raumes des Deutschen Bundestages. Sie hat ihren Bachelor im Fach Kunstgeschichte an der FU Berlin gemacht und studiert inzwischen Museumsmanagement und -kommunikation an der HTW Berlin. Im Augenblick schreibt sie ihre Masterarbeit und wünscht sich, später einmal im Bildungs- und Kulturstiftungsbereich arbeiten zu können.

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