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Die Autorin

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Laura Heyer (27)
macht ein Volontariat bei bundestag.de und dem Parlamentsfernsehen

Sprache
Die Kauderwelsch-Versteher

13.01.2017 |

Ob Growlen, Writer oder "Asyl-Verfahrens-Beschleunigungs-Gesetz" – die Experten der Gesellschaft für deutsche Sprache können zu jedem Wort etwas Kluges sagen. Sie durchforsten die Jugendsprache, küren das Wort das Jahres und bekämpfen im Bundestag Wortmonster.

Die bunte Grafik zeigt Wörter wie Bam, tight und Swag.

Wie Jugendliche sprechen – beim Quiz der GfdS kann man testen, ob man up to date ist. – © Juliane Dorn

Postfaktisch – das Adjektiv hat es noch vor Brexit (geplanter Austritt Großbritanniens aus der EU) zum Wort des Jahres 2016 geschafft. Postfaktisch ist ein Denken oder Handeln, bei dem keine Fakten im Vordergrund stehen. Das Wort des Jahres wird alljährlich von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gekürt – aus Einsendungen und Worten, die in den Medien und der Öffentlichkeit häufig vorgekommen sind.

Die Sprach-Profis

Die Germanisten und Linguisten, also Sprachwissenschaftler, der GfdS sind so etwas wie die obersten Sprachberater der Nation. Ihre Geschäftsstelle ist in Wiesbaden, es gibt Zweigstellen auf der ganzen Welt – und im Bundestag.

Wortmonster bekämpfen

Bandwurmsätze, Wortmonster, erweiterter Infintiv – damit Politiker und Fachleute in den oft sehr juristischen Texten des Bundestages den Durchblick behalten, gibt es seit 50 Jahren die Stabsstelle der Sprach-Experten im Parlament. Ihr Hauptjob: Gesetze verständlicher gestalten. Daneben helfen die Sprachwissenschaftler per Hotline und sorgen für verständlich formulierte Reden, Broschüren und Jahresberichte. Der Bedarf ist groß: Pro Jahr klingelt mehr als 800 Mal das Telefon, weil es konkrete Fragen gab, und mehr als 250 schriftliche Texte passieren den Sprach-TÜV.

Wo kommt das Komma hin?

Auch andere Behörden, Medien aber auch Privatpersonen können sich von der GfdS beraten lassen – zur Rechtschreibung, Zeichensetzung und zum Stil oder der Bedeutung von Wörtern. Dazu gibt es eigene Publikationen wie den Sprachendienst, Seminare zur Rechtschreibung, Vornamenberatung oder Projekte wie das Wort des Jahres.

"Die GfdS setzt sich seit Jahrzehnten für Sprachkultur ein und hat eine wichtige Brückenfunktion – nämlich ausgehend von der Forschung hinein in die Öffentlichkeit zu wirken", sagt Anna Ewels, Geschäftsführerin der GfdS.

Sprachpreis für Andreas Bourani

Die Wortakrobaten und Kommaexperten beschäftigt sich auch damit, wie Jugendliche heute sprechen. Denn gerade sie "wollen sich selbst finden, sich abgrenzen gegenüber den eigenen Eltern", sagt der Sprachwissenschaftler und Vorsitzende der GfdS im Interview mit mitmischen.de. Da entstehen dann Wörter wie "Azzlack" oder "lol". Wer up to date in Sachen Jugendprache sein will, kann sich beim Jugendsprachequiz der GfdS prüfen – oder im Lexikon nachschauen, was bestimmte Redewendungen bedeuten.

Die Rubrik "Junger Sprachendienst" auf der Webseite widmet sich außerdem Themen für junge Leser und befragt zum Beispiel Moderatoren der Kindernachrichtensendung logo! über ihre Arbeit. Seit 1987 vergibt die Gesellschaft zudem einen Preis für besondere Wirkungen durch Sprache in den Medien. Für seine deutschsprachigen Texte wurde 2016 unter anderem der Sänger Andreas Bourani ausgezeichnet.

Feanor, Husqvarna oder Pims

Seit 1977 gibt der Verein außerdem jährlich eine Liste mit den beliebtesten Vornamen für Mädchen und Jungen heraus. Trends bei der Namensgebung ändern sich nur sehr langsam – und trotzdem sind immer einige ausgefallene Ideen dabei. "Erlaubt sind Vornamen, die das Kindeswohl nicht gefährden und auch das Geschlecht des Kindes sollte am Namen zu erkennen sein", sagt Anna Ewels. "Nicht erlaubt sind Namen, die Potenzial für Hänseleien bergen wie zum Beispiel 'Zicke' oder die einen Gegenstand bezeichnen wie 'Kuchen' oder 'Pfefferminza'."

So bestätigten die Standesämter, bei denen Kindernamen eingetragen und zugelassen werden müssen, im Jahr 2016 Namen wie Christmas oder Feanor, Husqvarna oder Pims wurden aber nicht akzeptiert. Bei einer kostenpflichtigen Vornamenberatung können Eltern spezielle Namen prüfen lassen. Dafür Recherchieren die Experten in Wörterbüchern und online, manchmal schreiben sie Empfehlungen an Standesämter.

Wie ist der Plural von PS?

Bei verzwickten Fragen rund um die deutsche Sprache starten die Profis ebenfalls ausgiebige Recherchen. Die Antworten finden sich zum Beispiel in der Rubrik "Fragen und Antworten" der Zeitung Sprachendienst. Dort kann man lesen, dass PS, also Pferdestärke, zur Angabe von Geschwindigkeit selten im Plural verwendet wird – dann würde man "die PS" sagen.

Und was bedeutet "den Löffel abgeben"? Nichts anderes als "sterben". Im Mittelalter war es häufig so, dass man seinen eigenen Löffel hatte, der nach dem Essen an ein Brett an der Wand gehängt wurde. Wer also den Löffel "abgab", saß nicht mehr am Tisch, war nicht mehr da.

Zwei Geburtstage

Die GfdS feierte gerade ihren 70. Geburtstag. Am 10. Januar 1947 wurde sie in Lüneburg gegründet – als eine politisch unabhängige Vereinigung. Schon im 19. Jahrhundert gab es einen "Allgemeinen deutschen Sprachverein", der zum Ziel hatte, Fremdwörter im deutschen Sprachschatz zu bekämpfen. Seit 50 Jahren unterstützt die GfdS die Arbeit des Bundestages. Sie wird sowohl von der Bundesregierung und als auch den Bundesländern gefördert und will helfen, die deutsche Sprache zu pflegen und zu verstehen.

Weitere Beiträge zu: Sprache, Grammatik, Gesetze.

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