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Die Autorin

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Victoria Gütter (26)
arbeitet als Projektmanagerin und studiert Social Media


Auswärtiges
Hilfe ohne Hintergedanken

05.05.2015 |

Nach dem Erdbeben in Nepal schickte das Auswärtige Amt Decken, Zelte, Wasseraufbereitungsanlagen – und 2,5 Millionen Euro. Deutschland leistet seit Jahren humanitäre Hilfe weltweit, doch weitgehend unbemerkt. mitmischen hat genau hingeschaut.

Kleines farbiges Mädchen an den Händen einer nicht erkennbaren Frau

Humanitäre Hilfe: Das heißt, schnell dorthin zu gehen, wo das Leid am größten ist. – © picture-alliance/Godong

Zwölf Jahre lang war Christoph Strässer (SPD) Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages. Eine lange Zeit – eigentlich vollkommen ausreichend, um einen gründlichen Überblick über Deutschlands Hilfsaktionen in aller Welt zu bekommen. Sollte man meinen. Doch Strässer sagt selbst: Erst seit er im Januar 2014 der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und humanitäre Hilfe wurde, habe er wirklich verstanden, wie groß das deutsche Engagement sei.

1,12 Milliarden für Hilfsprojekte

Denn was da weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit stattfindet, ist beeindruckend. In einer Unterrichtung der Bundesregierung an den Bundestag über die deutsche humanitäre Hilfe im Ausland zwischen 2010 und 2013 kann man das auf 77 eng beschriebenen Seiten nachlesen. Rund 1,12 Milliarden Euro stellte Deutschland in diesen Jahren zur Verfügung: überall da, wo Menschen durch Konflikte und Naturkatastrophen in existentieller Not waren.

Schnell helfen, wo Menschen in Not sind

Denn das ist das Wesen humanitärer Hilfe: kurzfristig und schnellstmöglich Überlebenshilfe zu leisten, ohne politische Vorbedingungen oder wirtschaftliche Hintergedanken. Das unterscheidet sie von der Entwicklungshilfe, die auf langfristige Projekte setzt und stets auch an Bedingungen geknüpft ist. In ihrem Bericht schreibt die Regierung, humanitäre Hilfe sei "Ausdruck ethischer Verantwortung und internationaler Solidarität mit Menschen in Not". Es komme dabei "nicht auf die Ursache der Notlage" an, entscheidend sei "die Bedürftigkeit der betroffenen Menschen".

Deutschland schickt kein Personal, sondern Geld

Dabei schickt die Regierung jedoch kein eigenes Personal in die Krisengebiete, sondern arbeitet mit internationalen und deutschen Hilfsorganisationen zusammen, indem sie sich an der Finanzierung von deren Einsätzen beteiligt. Beispiel Nepal: Ein vom Auswärtigen Amt finanzierter Hilfsflug des Deutschen Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks ist vergangene Woche in der nepalesischen Hauptsstadt Kathmandu eingetroffen. Neben Zelten, Decken und Hygienepaketen wurden mit dem Hilfsflug auch zwei dringend benötigte Trinkwasseraufbereitungsanlagen in das Katastrophengebiet transportiert. Mit ihrer Hilfe können täglich bis zu 30.000 Menschen mit frischem Trinkwasser versorgt werden.

Schwerpunkt: Nahost

Schwerpunkt der humanitären Hilfe Deutschlands zwischen 2010 und 2013 war klar der Nahe Osten: Gut 275,35 Millionen Euro flossen in die Region, allein 232,67 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien. Dort habe sich die Situation vieler Menschen in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Man habe dort mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser-, Sanitär- und Gesundheitsversorgung, dem Aufbau von Notunterkünften und Winterhilfe geholfen.

Das zweite Ziel der deutschen Hilfe war Afrika. Dorthin flossen rund 165 Millionen Euro für humanitäre Hilfsmaßnahmen. Die Menschen dort litten sowohl unter bewaffneten Konflikten als auch Naturkatastrophen wie Dürren. Ähnlich ist die Lage in den Krisenstaaten Asiens wie Pakistan und Afghanistan.

Vergessene Gebiete

Während diese Staaten bei den meisten Menschen in Deutschland auf dem Zettel sind, gibt es auch viele nahezu vergessene Gebiete. So unterstützt Deutschland etwa die Versorgung von Flüchtlingen durch Organisationen der Vereinten Nationen im Südsudan und finanzierte Lebensmittellieferungen in die Sahelregion. Geld fließt auch in den Tschad und nach Niger, man hat Lebensmittel nach Burkina Faso geliefert und nach Überschwemmungen in Myanmar geholfen.

Deutschland gab Geld nach Haiti, um nach dem schlimmen Erdbeben 2010 eine Choleraepidemie zu bekämpfen, es gab Millionen für Projekte der Minen- und Kampfmittelberäumung in Afghanistan, Bosnien und Herzegowina sowie Kambodscha.

Langfristig engagieren

Im Bericht heißt es, in vielen der Staaten, in denen Hilfe geleistet wird, sei ein "kontinuierliches Engagement" nötig. Deshalb setzt sich das Auswärtige Amt, das hauptsächlich für die deutsche humantitäre Hilfe verantwortlich ist, auch für einen Paradigmenwechsel ein. Es sei das Ziel, so heißt es in dem Bericht, "über eine Reaktion auf plötzliche Katastrophen und Krisen hinausgehend Instrumente der humanitären Hilfe zunehmend vorausschauend" einzusetzen. Aus diesem Grund haben das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eine Vereinbarung geschlossen, wie sie mehr kooperieren und die Arbeit aufteilen können – so könnten humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe besser verzahnt werden.

Am Freitag, den 8. Mai, diskutiert der Bundestag die Unterrichtung der Bundesregierung über die deutsche humanitäre Hilfe im Ausland 2010 bis 2013 übrigens abschließend. Hier könnt ihr euch live in den Bundestag reinklicken.

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