Inhalt

 

Der Autor

Leon Hanschmann 68x68

Leon Hanschmann (17)
ist Gymnasiast aus Berlin

Datenschutz
Privat ist da nix

09.02.2016 |

Alle reden andauernd von Datenschutz, aber was soll das überhaupt? Ist doch cool, wenn Google mir Werbung zeigt, die zu mir passt. Oder doch nicht? Leon hat sich angeschaut, was man mit Big Data so alles machen kann und wer sich im Bundestag um digitale Themen kümmert.

Junge beim Betrachten einer Facebookseite

Am besten zwei Mal überlegen, was man von sich in sozialen Netzwerken preisgibt. – © picture alliance / dpa

Die Datensammler kommen auf immer verrücktere Ideen. In den USA etwa analysieren Konzerne wie Target (der größte Konkurrent der Supermarkt-Kette Wal-Mart) alle gekauften Produkte ihrer Kunden, legen individuelle Accounts an und können mithilfe der Daten herausfinden, ob eine Kundin zum Beispiel schwanger ist. Das funktioniert ganz einfach mit Mustern und Statistiken, was Schwangere typischerweise kaufen. Die Ergebnisse nutzt die Marketing-Abteilung dann, um der Kundin per Mail maßgeschneiderte Angebote zuzuschicken.

Auch wenn wir online shoppen, uns auf Websites über Produkte informieren oder in Foren Infos erfragen, hinterlassen wir Spuren, die Geschäftemacher und wen auch immer interessieren könnten. Aber was ist, wenn wir nicht wollen, dass andere plötzlich tiefe Einblicke in unser Privatleben haben? Wie können wir uns davor schützen? Und was bedeutet Datenschutz und Big Data für mich? Um solche Fragen geht es am 9. Februar beim Safer Internet Day. Die Initiative der Europäischen Komission ruft an diesem Tag jährlich weltweit zu Veranstaltungen und Aktionen rund um das Thema Internetsicherheit auf.

Daten bei Facebook & Co. – ist das egal?

Allgemein über das Thema Datenschutz informieren könnt ihr euch auf youngdata.de – dem Jugendportal der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder. Dort ist zum Beispiel auch beschrieben, was Big Data überhaupt ist und warum es euch betrifft. Mit digitalen Themen befasst sich im Bundestag der Ausschuss Digitale Agenda. Die Abgeordneten diskutieren dort fachübergreifend die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung. Wo nötig, starten sie parlamentarische Initiativen für den digitalen Wandel.

Wenn man heutzutage von Big Data spricht, dann wird das meistens mit Google, Facebook und auch WhatsApp assoziiert. Zurecht, das Konzept dieser Unternehmen basiert auf Big Data, das heißt dem Erheben und Auswerten großer Datenmengen. Mithilfe der Daten platzieren sie für uns dann beispielsweise individualisierte Werbung. Wenn ich mich etwa für Autos interessiere, sehe ich mehr Autowerbung. Wenn ich dringend einen neuen Computer brauche und in Suchmaschinen danach suche, ist die Wahrscheinlichkeit groß, später dafür Werbung zu sehen. Das Problem ist, wie und welche Daten gewonnen werden und was vielleicht sonst noch damit geschieht.

Neue Regeln für Europa

Gerade Google hatte in der Vergangenheit mit seinen Praktiken bereits mehrfach den Unmut von Datenschützern auf sich gezogen. Anfang des Jahres haben Verbraucherschützer den Konzern abgemahnt, weil er persönliche E-Mails mitgelesen hatte, um personalisierte Werbung zu platzieren. Die Verbraucherschützer finden, dass hier eine gesonderte Einwilligung notwendig sei.

Die Debatte darüber könnte jedoch bald hinfällig sein. Im Dezember 2015 haben sich das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten auf neue Regeln für den Datenschutz geeinigt. Die so genannte Datenschutzgrundverordnung soll voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 in Kraft treten. Sie wird die bisherigen 28 nationalen Vorschriften ablösen. Die neuen Regeln beinhalten einige Änderungen, eine betrifft besonders Jugendliche.

WhatsApp erst mit 16

Verbraucher sollen künftig die Entscheidungshoheit über ihre Daten haben. Das heißt Google muss in Zukunft explizit fragen, ob die Mitarbeiter dort eure E-Mails lesen dürfen. Außerdem soll es das Recht auf Vergessen geben. Das ist im Augenblick noch nicht so: Löscht man beispielsweise seinen Facebook-Account, werden die Daten trotzdem auf den Facebook-Servern gespeichert. In Zukunft müssen Internetkonzerne diese Daten auf Wunsch löschen. Außerdem soll es möglich sein, sich Daten übergeben zu lassen. Will man zum Beispiel das soziale Netzwerk wechseln, muss das alte soziale Netzwerk die Daten aushändigen. Wie das in der Praxis funktionieren soll, ist noch nicht endgültig geklärt.

Die neue Regelung führt auch ein Mindestalter ein. Wer jünger als 16 Jahre ist, muss in Zukunft die Einwilligung zur Datenverarbeitung von seinen Eltern einholen. Keine Zustimmung, kein WhatsApp, so sieht's aus. Datenschutzexperten betonen außerdem, dass ab 2018 das Marktortprinzip herrschen wird. Unternehmen aus Drittstaaten, wie zum Beispiel aus den USA, müssen sich dann auch an das europäische Datenschutzrecht halten.

Die eine Frage ist, auf welchen Wegen Google und Co. die Daten gewinnen. Das andere Problem ist, was sie damit machen. Verkaufen sie die Daten an Krankenversicherung oder Banken und die Tatsache, dass jemand nach Antidepressiva sucht, entscheidet bald darüber, wie viel er an Versicherung bezahlt, oder ob er einen Kredit bekommt oder einen Job?

Wer macht was mit meinen Daten?

Wie WhatsApp, Facebook, Skype und Co. derzeit mit euren Daten umgehen und wie ihr eure Einstellungen dort optimieren könnt, auch das beschreibt youngdata.de. Ein weiteres Thema, über das ihr euch dort informieren könnt, sind Überwachung und Geheimdienste. Vor allem die sammeln nämlich große Datenmengen. Die Arbeit von NSA (National Security Agency), CIA (Central Intelligence Agency), FBI (Federal Bureau of Investigation), GCHQ (Government Communications Headquarters), BND (Bundesnachrichtendienst), MAD (Militärischer Abschirmdienst) und dem Verfassungsschutz ist es, Personen und Vereinigungen zu beobachten, denen staatsgefährdende Aktionen oder terroristische Handlungen zuzutrauen sind – bereits dann, wenn noch keine Straftaten konkret vorbereitet werden.

2013 hat Edward Snowden die Spionagepraktiken der amerikanischen Sicherheitsbehörde NSA veröffentlicht, die unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung Telefonate, E-Mail-Verkehr und sogar die deutsche Bundeskanzlerin abgehört hatte. Mit diesen Enthüllungen beschäftigt sich seit März 2014 im Bundestag der NSA-Untersuchungsausschuss. In dem Ausschuss geht es darum, ob der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) und der amerikanische Geheimdienst NSA gemeinsam spioniert und dabei die Rechte von europäischen Bürgern und Unternehmen verletzt haben.

Wie ihr euch gegen die Praktiken der Geheimdienste schützen könnt? Kaum. Auch hier rät youngdata: so wenig wie möglich preisgeben und wichtige Nachrichten verschlüsseln (zum Beispiel mit sogenannten Verschlüsselungstools).

Wer auf den Schutz seiner Daten Wert legt, muss also nicht auf soziale Netzwerke oder das Verschicken von Mails verzichten. Oftmals reicht es schon aus, wenn man, bevor man etwas auf Facebook und Co. postet, überlegt, ob man das wirklich in zehn Jahren immer noch sehen möchte. Und welche persönlichen Daten man dem Netzwerk wirklich preisgibt. Über Wohnort, Schulkarriere und Beziehungsstatus muss Facebook ja nicht unbedingt Bescheid wissen.

Für WhatsApp gibt es Alternativen mit besseren Verschlüsselungsmöglichkeiten und mehr Pirvatsphäre. Threema, MyEnigma, SIMSme, Signal 2.0 sind nur einige Beispiele. Wenn keiner in deinem Freundeskreis sie benutzt, können sie natürlich schnell langweilig werden. Deswegen: schlage eine von den Alternativen doch einfach mal vor. Vielleicht finden sich ja Freunde oder Familienmitglieder, die dich in dem Vorhaben unterstützen.

Kommentare

 

lara schrieb am 15.05.2018 10:48

hey

 

 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: