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Die Autorin

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Lou Antoinette Godvliet (18)
Psychologiestudentin aus Wuppertal

Cybermobbing
Erste Hilfe bei Shitstorms

09.02.2016 |

Ein unvorteilhafter Schnappschuss mit frechem Kommentar kann in sozialen Netzwerken schnell zu Cybermobbing-Munition werden. Adrian ist Scout beim Berater-Portal juuuport. Er hilft Gleichaltrigen bei Fragen zu Sexting, Mobbing, Datenschutz und Co.

juuuport-Team

Die Scouts von juuuport haben ein offenes Ohr bei Problemen mit Cybermobbing. Adrian ist der Dritte von rechts in der vorderen Reihe. – © privat

"Ich kam heute von der Schule nach Hause, als meine Klassenkameraden eine WhatsApp Gruppe eröffneten. Sie begannen mich zu beleidigen und Dinge über mich zu erzählen, die gar nicht stimmen. Ich habe mich nicht getraut, mich zu wehren oder überhaupt darauf zu reagieren. Irgendwann wurde es so schlimm, dass ich einfach nur mein Handy weglegte und den ganzen Nachmittag über weinte."

Solche Nachrichten erreichen die Scouts von der Plattform juuuport täglich. Kinder und Jugendliche werden im Internet, in Chats oder Sozialen Netzwerken beleidigt, bloßgestellt, bedroht und belästigt. Meist kennen sie ihre Angreifer sogar aus dem realen Leben, aus dem Schule oder dem Sportverein. juuuport ist eine Selbstschutz-Plattform von Jugendlichen für Jugendliche. Ob Cybermobbing, Abzocke, Datenklau oder technische Schwierigkeiten: Zu allen diesen Themen können auf juuuport öffentlich im Forum oder persönlich per Mail Fragen gestellt werden.

Jugendliche helfen Jugendlichen

Adrian gehört zu den ersten Scouts überhaupt bei juuuport und ist schon seit mehr als sechs Jahren dabei. Die Plattform ist kostenfrei und die Berater arbeiten alle ehrenamtlich. Besonders das Thema Cybermobbing, aber auch Fragen zu Internetrecht, Datenschutz oder Sozialen Netzwerken stehen hier auf der Tagesordnung.

"Um Scout zu werden, sollte man sich schriftlich gut ausdrücken können und vor allem Empathie besitzen", sagt Adrian. Empathie ist die Fähigkeit und Bereitschaft, sich in Gedanken, Gefühle und Motive anderer hineinzuversetzen. Wenn der 21-jährige Wirtschaftsinformatikstudent mal nicht weiter weiß, kann er Experten für Psychologie, Jura oder Technik um Unterstützung bitten. Die Beratung erfolgt grundsätzlich anonym, lediglich das Alter sollten die Nutzer angeben, verpflichtend ist das nicht. "Es gab auch schonmal einen Fall, den wir über einen sehr langen Zeitraum betreut haben, da gingen bis zu 100 E-Mails hin und her", erzählt Adrian. In der Regel werden in einem Fall aber eher zwei bis drei Mails geschrieben. "Wir bieten keine professionelle psychologische Beratung, aber wir sind so etwas wie eine Erste-Hilfe-Anlaufstelle für Jugendliche."

Fast jeder Fünfte ist betroffen

In Deutschland sind 17 Prozent der 12- bis 19-Jährigen schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden. Dies hat eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest für das Jahr 2014 ergeben. Knapp 40 Prozent der Jugendlichen gaben an, einen Betroffenen zu kennen.

Das Thema Cybermobbing ist eigentlich immer aktuell, aber es gibt bestimmte Faktoren, die mediale Aufmerksamkeit erregen. "Sexting, also ein digitaler 'dirty talk' oder das Verbreiten von Nacktfotos war in den letzten Jahre ein sehr großes Phänomen", berichtet der Scout. Betroffene Jugendlichen wissen meist nicht, wo und von wem sie Hilfe bekommen können. Inzwischen gab es jedoch schon den ein oder anderen Artikel in einer Jugendzeitschrift über juuuport.

Der Angreifer kommt nach Hause

Vor allem Extremfälle, wie der Suizid der Kanadierin Amanda Todd, sorgen dafür, dass Medien sich mit Mobbing im Internet beschäftigen. Die Schülerin hat sich als Folge von medialer und später auch realer Bloßstellung 2012 das Leben genommen. "Das Bewusstsein heutzutage ist ein anderes und auch ein besseres, als es früher war", sagt Adrian.

Von den Betroffenen wird Cybermobbing oftmals sogar als schlimmer empfunden als das "offline" Mobbing, weil die Angreifer nicht nur in der Schule oder im Büro agieren können, sondern zu jeder Zeit und an jedem Ort. Die Privatsphäre und der Schutz der eigenen vier Wände gehen somit verloren.

Scham ohne Ende

Die Betroffenen schämen sich oft dafür, dass sie von anderen gemobbt werden. Gerade im Internet kann das Publikum ins Unüberschaubare wachsen und die Inhalte werden viel schneller verbreitet. Für Betroffene ist es umso schwerer, mit dem Vorfall abzuschließen, weil Online-Nachrichten immer auffindbar bleiben und hervorgeholt werden können.

Sie sehen das Opfer nicht

Viele der Täter handeln im Internet anonym, daher kann man sie nicht immer zurückverfolgen. Ob online oder offline, Täter erkennen meist erst spät, manchmal sogar nie, wie sehr sie Betroffene mit ihren Beleidigungen verletzen. Gefährlich ist gerade beim Cybermobbing, dass die Täter keine Reaktion der Opfer erfahren und so die Folgen ihrer Taten nicht abschätzen können. Es ist eben ein Unterschied, ob ich jemandem eine Unverschämtheit ins Gesicht sage oder sie ins Smartphone tippe. Die Hemmschwelle sinkt.

Wo es Hilfe gibt

Im schlimmsten Fall kann Mobbing zu selbstverletzendem Verhalten oder sogar Suizid der Opfer führen, erklärt Adrian. "Wer von Cybermobbing betroffen ist, oder etwas Derartiges beobachtet, sollte auf jeden Fall Hilfe bei Eltern, Lehrern oder auch bei der Polizei suchen", rät der Scout. Auf youngdata.de, dem Jugendportal der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder, könnt ihr euch ebenfalls über das Thema Cybermobbing informieren. Dort sind neben juuuport.de als Anlaufstelle für Hilfesuchende auch die Nummer gegen Kummer oder der Verein Weißer Ring aufgelistet.

Weitere Beiträge zu: Datenschutz, Mobbing, Soziale Medien.

Kommentare

 

Peterpen schrieb am 10.11.2018 19:08

Hello. And Bye.

 

 

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