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Pro und Contra: Neues Sexualstrafrecht

07.10.2014 |

Sollte schon der Klick auf den Auslöser strafbar sein, wenn etwa bei Sommergeburtstagsfeiern nackte Kinder im Garten fotografiert werden? Darüber streiten Jan (18) und Kim (17).

Links ist Jan und rechts Kim im Bild zu sehen.

Kinder sollten vor dem Erstellen "seltsamer" Fotos geschützt werden, meint Jan – für Kim hingegen ist das Regierungsvorhaben "undurchdacht". – © privat

Contra

Kim, 17: Für jeden Klick in den Knast?

Kinderpornografie – da denken wir aktuell sofort an die Edathy-Affäre. Kinderpornografie – das gehört verboten, ganz klar. Das schien sich auch der Beraterkreis um den Justizminister Heiko Maas (SPD) gedacht zu haben, als dieser seinen neusten Gesetzentwurf vorstellte.

Aber wie sieht es hiermit aus? Es ist Sonntag, die Sonne scheint, der kleine Marcel feiert draußen seinen dritten Geburtstag. Es wird geschaukelt und im Planschbecken gespielt. Einige Eltern machen Fotos. So weit, so gut. Doch durchnässt kommt der erste Junge aus dem Wasser, zieht seine Badehose aus und läuft durch den Garten. Jetzt wird es zukünftig gefährlich, denn wenn genau dieser eine Junge nicht zufällig mein Kind ist, ich ihn aber trotzdem ohne die explizite Zustimmung der Eltern fotografiere, dann mache ich mich strafbar. Man müsste sich als auch vorsehen, in Zukunft an FKK-Stränden unbesorgt die Kamera auszupacken. Auch wenn die Fotos später nur im eigenen Familienalbum landen. Denn dabei geht es nicht einmal darum, die Fotos später zu veröffentlichen. Der Druck auf den Auslöser genügt, schon mache ich mich strafbar.

Und genau das ist der Punkt, wo ich mich ganz klar gegen den neuen Gesetzentwurf stelle.

Der Handel mit sexuellen Bildern von Kindern muss strafbar sein, aber das ist er ja bereits. Ein Gesetz, das das Recht am eignen Bild regelt, gibt es auch schon. Eine Verschärfung, nur um medienwirksam der Gesellschaft das Problem Pädophilie erneut vor Augen zu führen, ist der falsche Gebrauch von Gesetzen.

Ich schütze Kinder nicht besser, wenn ich für jedes Foto eine Einwilligung der Eltern einholen muss. Im schlimmsten Fall lassen die Eltern ihr Kind dann gar nicht mehr nackt in den Garten oder das Freibad, einen unverkrampften Umgang mit dem eigenen Körper lernt man nie und wenn sie diese Erfahrung nicht mehr machen können, schadet man am Ende den Kindern mehr damit als potentiellen Pädophilen. Nacktheit und Sexualität hängen einfach nicht immer direkt zusammen.

Stolze und glückliche Eltern sollten nicht der Gefahr einer Haftstraße ausgesetzt werden, nur weil sie im Freibad die Kinder der Nachbarn zufällig ohne Badesachen mit auf dem Foto haben. Das Problem ist die illegale Verbreitung dieser Fotos, nicht schon ihre Herstellung. Besser wäre zum Beispiel das Heraufsetzen des Mindeststrafmaßes für wirkliche sexuelle Handlungen mit Kindern. Ein Komplettverbot von Fotos aber halte ich einfach für undurchdacht.

Dem Gesetzentwurf zum Sexualstrafrecht zufolge macht sich strafbar, wer ohne Erlaubnis der Eltern deren nacktes Kind fotografiert. Zu streng oder nötig?

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    73%


    Zu streng, weil nicht jedes unbekleidete Kind gleich im Zusammenhang mit einer Sexualstraftat gesehen werden sollte.

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    27%


    Dringend notwendig, denn wenn weniger solcher Fotos entstehen, können Kinder besser vor Missbrauch geschützt werden.

Kommentare

 

Ich schrieb am 13.11.2014 16:54

Lieber Heiko Maas, Ihr Vorschlag ist durchaus respektabel jedoch bin ich der Meinung, dass es sinnvoller wäre, den Leuten an den Kragen zu gehen, die den Kindern wirklich etwas antun, als denen die sich etwas zurückhalten und dies nur theoretisch "ausleben" mithilfe solcher Bilder. Dies ist zwar auch nicht richtig, aber immerhin sind Kinder, die nackt fotografiert werden, nicht so traumatisiert, wie welche die vergewaltigt werden. Man sollte in diesem Bereich die Mindeststrafe generell erhöhen, um von solchen Handlungen abzuschrecken. Bei den Fotos sollte man auch anhand des Bildinhaltes entscheiden, wie hoch die Strafe ist, und nicht, ob irgendwo am Rande möglicherweise eine nackte Person zu sehen ist. Dies ist meine Meinung, aber Sie werden sicherlich noch mehr Personen finden, die genauso denken. Hochachtungsvoll, ein anonymer Junge aus dem Ländle

 

 

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