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Leonie Ameis 68x68

Leonie Ameis (16)
ist Schülerin

Atomenergie
Der große Knall

29.04.2016 |

Die Reaktorkatastrophe in Fukushima jährte sich im März zum fünften Mal. In einer Debatte um die Zukunft der Atomenergie in Europa haben die Abgeordneten der Opfer gedacht. Streit gab es um die Frage: Soll die Kernenergie weiter erforscht werden?

Das Atomkraftwerk von Fukushima im April 2016

Das Atomkraftwerk von Fukushima im April 2016 – © picture alliance/ dpa

Fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima und 30 Jahre nach der Explosion im ukrainischen Tschernobyl haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages der Opfer gedacht und sich zu einem atomkraftfreien Europa bekannt.

Erdbeben, Flutwelle, Katastrophe

Ein Erdbeben und Flutwellen zerstörten 2011 in Japan Teile des Atomkraftwerkes Fukushima, sodass radioaktives Material in großen Mengen in die Umgebung gelangte. Menschen, Wasser und Boden wurden durch die austretenden Strahlen stark belastet. 170.000 Japaner mussten ihren Wohnort verlassen. Nur wenige konnten bislang in die verseuchte Region zurückkehren. Wie groß die Spätfolgen der Strahlenbelastung für die Menschen und die Umgebung sind, ist bis heute noch unklar. Wenige Monate nach dem Unglück beschloss die deutsche Regierung damals den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022.

Fukushima heute

Wie ist die Lage in Fukushima fünf Jahre nach der Katastrophe? Bis heute leben noch Tausende Menschen in Notunterkünften. In die Kleinstadt Naraha dürfen die rund 7.400 Anwohner seit Anfang September 2015 wieder zurück. Zuvor gab die Regierung noch zwei weitere, kleinere Gebiete wieder frei.

In Fukushima selbst lagern noch heute fast 800.000 Tonnen verseuchtes Wasser, das durch eine Barriere aus gefrorener Erde am Auslaufen gehindert werden soll. Etwa 8.000 Menschen arbeiten derzeit daran, die Region wieder bewohnbar zu machen. Alle Gebäude im Umkreis um das Gebiet werden einer speziellen Reinigung unterzogen, die verseuchte Erde wird mit Baggern in Säcken auf Deponien abgeladen. Wie der entstandene Atommüll entsorgt werden soll, ist auch fünf Jahre nach der Katastrophe nicht geklärt.

Kernkraftwerke laufen wieder

Als Antwort auf die Katastrophe von Fukushima schaltete Japan alle 48 Reaktoren des Landes für zwei Jahre ab. Gas und Öl wurde importiert, die Energiekonzerne machten Milliardenverluste. Der Betreiber des verunglückten AKWs Fukushima Tokyo Electric Power (Tepco) erhielt enorme Finanzspritzen vom Staat. Eine Insolvenz sollte verhindert werden. Im September 2014 wurde mit dem Reaktor des AKW Sendai das erste Kernkraftwerk wieder hochgefahren. Zwar war eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Japaner gegen Atomkraft, doch die japanische Regierung wollte durch das erneute Einschalten die schwächelnde Wirtschaft ankurbeln und die Energiekonzerne vor weiteren Verlusten schützen.

Debatte im Bundestag

In der Debatte zu Fukushima und Tschernobyl am 29. April wurden jetzt Anträge der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD und von Bündnis 90/Die Grünen erstmals beraten. Drei Anträge der Grünen (18/5211, 18/7656, 18/7668) und ein Antrag der Fraktion Die Linke wurden mit den Stimmen der Koalition gegen die Opposition abgelehnt.

SPD: Europa ohne Atom

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) schilderte eindringlich ihre Erfahrungen aus einem Besuch in Tschernobyl. In der früheren "Musterstadt" herrsche heute eine "gespenstische Atmosphäre". Für zwei Milliarden Euro, die aus insgesamt 45 Ländern kämen, werde aktuell eine neue Schutzhülle für den Reaktor gebaut. Auch diese werde voraussichtlich nur 100 Jahre lang halten und man müsse darauf hoffen, dass es bis dahin bessere Technologien gebe. Die Atomkraft, so Hendricks, sei so gefährlich und unbeherrschbar, dass Menschen den Risiken, die von ihr ausgingen, nicht ausgesetzt werden dürften.

Oliver Kaczmarek (SPD) dankte den vielen freiwilligen Helfern, die sich um die Opfer von Tschernobyl und Fukushima kümmerten. Es sei ein "Zeichen der Solidarität" für sie, dass der Bundestag diese Debatte führe. Er plädierte für ein "Europa ohne Atom".

CDU/CSU: Forschung bleibt wichtig

Die Unionsfraktionen wollen bei aller Entschlossenheit, mit der Deutschland den Ausstieg betreibe, weiterhin auf Forschung im Bereich Kernkraft setzen. Um auch beim Rückbau die höchsten Standards einhalten zu können, so Steffen Kanitz (CDU/CSU), müsse die deutsche Kompetenz erhalten bleiben. Man müsse bei jungen Menschen für das "Zukunftsfeld Rückbau" werben. Zudem brauche es eine "Offenheit gegenüber neuen Technologien" und eine "Freiheit im Denken".

Er sei zuversichtlich, dass im Jahr 2016 die offenen Fragen zur Finanzierung des Ausstiegs beantwortet und der "letzte Meilenstein" in Sachen Endlagersuche bewältigt werden könne. Zur Erklärung: Derzeit sucht eine von der Regierung einberufene Atomkommission nach einer Finanzierung des milliardenteuren deutschen Atomausstiegs. Zugleich sucht eine andere Kommission, die beim Bundestag angesiedelt ist, nach einem Standort für eine dauerhafte Lagerung insbesondere hoch radioaktiver Abfallstoffe.

Der Opposition warf Kanitz vor, Ängste zu schüren und betonte, dass viele der Schreckensmeldungen bezüglich deutscher Atomkraftwerke schlicht erfunden oder deutlich übertrieben dargestellt worden seien.

Grüne: Regierung nicht glaubwürdig

Die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl reagierte darauf deutlich: Kanitz’ "beständiges" Herunterspielen der Risiken sei "deutlich unangemessener"; sie wünsche sich daher auch "im Hohen Haus" eine Erinnerungskultur an Fukushima und Tschernobyl. Die Folgeauswirkungen der Kernkraft seien zu massiv, als dass die Nutzung der Kernkraft akzeptabel sei.

Dass aktuell aber mit deutschen Steuergeldern Forschungen finanziert würden, die letztlich bei der Anwendung zu einem Wiedereinstieg in atomare Technologien führen würden und man es damit für akzeptabel hielte, dass andere Länder Risiken eingingen, die in Deutschland nicht zumutbar seien, sei "nicht glaubwürdig".

Linke: Ablasshandel statt Verursacherprinzip

Für Die Linke warf Hubertuds Zdebel der Bundesregierung vor, sie halte sich "eine Tür" für den Wiedereinstieg in die internationale Atomenergie offen. Wer einen konsequenten Ausstieg wolle, der müsse auch "endlich die Uranfabriken Gronau und Lingen" schließen.

(DBT/af/la)

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