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Leon Hanschmann 68x68

Leon Hanschmann (17)
ist Gymnasiast aus Berlin

Atommüll
Wohin mit dem Strahlen-Material?

15.07.2016 |

Atommüll entsteht in Deutschland seit den 1950ern. Wo das radioaktive Material gelagert werden soll, ist noch immer unklar. Eine Kommission des Bundestages hat nun die Kriterien für ein solches Endlager festgelegt.

Eingelagerter Atommüll im Zwischenlager Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern.

Eingelagerter Atommüll im Zwischenlager Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. – © picture alliance/ dpa

Wer in der Umgebung von Mülldeponien wohnt, weiß, wie schlimm es manchmal stinken kann. Aber was, wenn anstelle von Gestank, tödliche Strahlung die Anwohner gefährden würde? Genau das könnte passieren, wenn man in der Nähe eines Endlagers wohnt, das sozusagen die Mülldeponie für radioaktiven Abfall ist.

Um genau dieses Horrorszenario zu verhindern und ein sicheres Endlager zu finden, hat der Bundestag vor zwei Jahren eine Expertenkommission, die sogenannte Endlager-Kommission, einberufen, die jetzt ihren Abschlussbericht vorgestellt hat. Die Endlager-Kommission heißt eigentlich Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe. Ihren Abschlussbericht übergab die Kommission am 5. Juli 2016 an Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU) im Beisein von Mitgliedern der Bundestagsfraktionen.

Zahlreiche Zwischenlager gibt es in Deutschland schon. Endlager gibt es weltweit bislang kein einziges. In Finnland hat die Regierung kürzlich den Bau eines Endlagers genehmigt.

20 bis 30 Tonnen jährlich

In Deutschland sind nach Angaben des Bundesumweltministeriums noch acht Atomkraftwerke am Netz, davon drei in Bayern. Das Leistungsstärkste von ihnen, Isar 2, produziert 1485 MWe (MegaWatt electrical) im Jahr. Damit können etwa 3,5 Millionen Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden. Spätestens 2022 sollen dann alle abgeschaltet sein. Bis dahin produzieren sie aber noch eine Menge radioaktiven Abfall.

Alle 12 bis 24 Monate muss ein Atomkraftwerk herunterfahren, um verbrauchte Brennelemente auszutauschen. Dabei entstehen jährlich pro Reaktor ungefähr 20 bis 30 Tonnen hochradioaktiver Atommüll. Bis zum Ausstieg 2022 werden laut dem Deutschen Atomforum - ein Verein, der die friedliche Nutzung von Atomenergie in Deutschland fördern will - insgesamt noch 17.000 Tonnen Abfall entstehen, für die es bis jetzt noch keine Lagerungsmöglichkeiten gibt.

Halbwertszeit

Das heißt, man weiß eigentlich gar nicht wohin mit dem ganzen Müll. Dabei geht es eigentlich nur um zehn Prozent des Abfalls, von dem aber 99 Prozent der Strahlung ausgeht. Die restlichen 90 Prozent des Abfallvolumens sind dem Atomforum zufolge mittel- und schwachradioaktive Abfälle, wie zum Beispiel benutzte Schutzkleidung, Filter oder Werkzeuge. Für die soll es bereits in absehbarer Zeit ein Endlager geben. "Konrad" steht im Südosten von Niedersachsen und soll 2022 einsatzfähig sein. Der Schacht Konrad ist ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk im Stadtgebiet Salzgitter.

Die anderen zehn problematischen Prozent, der hochradioaktive Atommüll, brauchen extrem lange, bis sie restlos verfallen sind. Deswegen sind die Anforderungen an ein Endlager hierfür unglaublich hoch. Dabei ist radioaktiver Abfall nicht gleich radioaktiver Abfall. Es gibt unterschiedliche Stoffe, die unterschiedlich stark und lange strahlen. Wie lange ein Stoff strahlt, wird mit der Halbwertszeit beschrieben. Eine Halbwertszeit ist die Zeit, in der sich die Masse des strahlenden Stoffes halbiert. Die kann schwanken, zum Beispiel hat Krypton-85 dem BUND zufolge eine Halbwertszeit von 10,76 Jahren, Jod-129 braucht dagegen 17 Millionen Jahre. Nach dieser Zeit ist der radioaktive Stoff aber nicht weg. Er ist bloß zur Hälfte zerfallen.

Suche nach dem Endlager

Als so genannte Endlager-Kommission war es die Aufgabe der Expertenkommission, die neue Suche nach einem Standort für eine dauerhafte Lagerung insbesondere hoch radioaktiver Abfallstoffe vorzubereiten. Der Bedarf nach einem Endlager ist dabei kein neuer. Schon seit 1977 wird der Salzstock Gorleben in Niedersachsen dahingehend überprüft. Jedoch wurde die Eignung bereits in zwei Berichten von unterschiedlichen Bundesbehörden von 1983 und 1990 bestritten. Hauptgrund dafür war die Unsicherheit darüber, ob die umliegende Schicht aus Salz und Ton den radioaktiven Abfall langfristig davon abhalten könne in das umliegende Grundwasser einzudringen und es so zu kontaminieren.

Langfristige Zwischenlösung

Viele Menschen protestieren gegen die Suche nach einem Endlager, weil sie kein Atommüll-Endlager im Vorgarten haben wollen. Der Atommüll wird derzeit in Zwischenlagern gelagert. Dem Deutschen Atomforum zufolge gibt es davon drei zentrale Einrichtungen: Gorleben in Niedersachsen, Ahaus in Nordrhein-Westfalen und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem gibt es zwölf Lager an Kernkraftwerksstandorten und dazu elf weitere von Industrie- und Forschungseinrichtungen.

Auf die Zwischenlager werden wir noch eine Weile angewiesen sein. Eigentlich sollte das Endlager bis 2031 gefunden und bis 2050 realisiert sein. Dieses Szenario gibt das Standortauswahlgesetz zwar her, die Kommission formuliert aber in ihrem Bericht, "dass dieses Szenario letztlich unrealistisch ist." Und weiter: "Das Verfahren wird sich über einen langen Zeitraum erstrecken, der deutlich über das Jahr 2031/2050 hinausreicht." Abschließend machten die Endlagersucher deutlich, dass Sicherheit und Beteiligung der Bevölkerung vor Schnelligkeit gehe.

Endlager muss begehbar sein

Der Abschlussbericht schlägt eine tiefengeologische Lagerung des hochradioaktiven Materials vor. Es soll die Möglichkeit der Rückholbarkeit und Begehbarkeit geben um Fehler korrigieren zu können. Noch in bis zu 500 Jahren solle das Material an die Oberfläche zurückgeholt werden können, falls die Menschheit bis dahin einen Weg gefunden hat, Radioaktivität "auszuknipsen". Es wird vorgeschlagen, dass ein Endlager in Salzschichten, Tonschichten und Kristallinformationen gesucht werden soll.

Kommentare

 

Ulrich Brockhorst schrieb am 31.08.2016 20:37

Die sogenannte Suche nach einem Endlager für die Reste der Verbrennungsstäbe, ist seit nun fast 40 Jahren im Gange. Dieser Zeitraum ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit. In einem so dicht besiedelten Gebiet, wie Mitteleuropa dürfen Stoffe von der Giftigkeit und Brisanz, mit Halbzeitwerten von mehr als 200tsd Jahren und mehr, niemals endgelagert werden. Obwohl die befassten Gremien das Wissen, werden solche Orte unter Einsatz von Steuergeldern Ausgewählt und gegen jede Vernunft untersucht. Die Ergebnisse stehen bereits fest: UNGEIGNET!! Die Bürger sind schon lange wach und die Skepsis wächst. Wann werden die Politiker wach und machen endlich Schluss mit diesem Schwachsinn. Die Verantwortlichen müssen erkennen, dass diese Abfälle nicht weiter produziert werden dürfen, weil eine gefahrlose Entsorgung auf unserem Planeten nicht möglich ist.

 

 

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