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Die Autorin

Ein Mädchen mit langen Haaren lächelt in die Kamera

Milena Zwerenz (22)
studiert Anglistik und Germanistik

Expedition
Blutwerte und Wasserproben

05.12.2014 |

Dinoforscher wollte Thomas Ronge, 29, eigentlich werden. Doch dann erkannte er den den Reiz des Meeres. Als Marine-Geologe checkt er nun Meeresbodenproben, um das Klima voraussagen zu können. Und manchmal reist er sogar in die Antarktis.

Meer Alltag

Vom Deck eines Schiffes sieht man einen Sonnenuntergang.

Schöne Aussichten? Ganz so romantisch wie ein allabendlicher Sonnenuntergang ist eine Forschungsfahrt auf dem Schiff mit bis zu hundert Mitbewohnern nicht immer. – © privat

Zwei große weiß-orange Helikopter in einer Halle mit grünem Boden.

Auch Helikopter befinden sich an Bord eines Forschungsschiffes. – © privat

Eine Art Schaltzentrale mit Bildschirmen, Anzeige-Uhren, Telefonen, Schaltern. Ein Drehstuhl steht in der Mitte, ein kariertes Hemd ist über die Lehne gelegt.

Alle Maschinen an Bord werden in diesem Kontrollraum gesteuert. – © privat

An einem Hafen hat ein großes Schiff namens "Polarstern" angelegt.

An Bord eines Forschungsschiffes wie das namens Polarstern ... – © privat

Ein junger Mann steht auf der Spitze eines Hügels, im Hintergrund ist das Meer zu sehen, auf dem ein Schiff schwimmt, noch weiter hinten dunkle Berge, teils schneebedeckt.

... war Thomas Ronge schon zwei Mal, wie hier über der Cumberland Bay in Südgeorgien. – © privat

Dinosaurierforscher wollte Thomas Ronge, 29, eigentlich immer werden, also Paläontologe. Einfach, weil er Steven Spielbergs Film "Jurassic Park" so mochte. Mit diesem Plan entschied er sich nach der Schule für ein Geologiestudium in Bonn. Doch schon im zweiten Semester stellte er fest, dass sein ursprünglicher Traumjob vielleicht doch nicht der richtige für ihn ist: "Als Paläontologe hätte ich nur fürs Museum geforscht", erinnert er sich an seine Überlegungen. Gleichzeitig begeisterte ihn zu dem Zeitpunkt ein Seminar, in dem er Mikroorganismen, also ganz kleine Lebewesen, untersuchte. Statt mit Dinoknochen beschäftigt er sich nun mit etwas ganz anderem: dem Meer.

Im Meeresboden wühlen

Denn Thomas arbeitet als Meeresforscher, genauer gesagt als Mariner Geologe, am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Das Institut forscht unter anderem in der Arktis und Antarktis und koordiniert die Polarforschung in Deutschland. Thomas hat dort bereits während seines Studiums ein Praktikum gemacht, jetzt hat er hier eine Doktorandenstelle und arbeitet an seiner Dissertation.

Als Mariner Geologe beschäftigt er sich damit, unser Klima zu rekonstruieren. Er schaut sich an, wie sich Temperatur und CO2 auf unserer Erde zu welchem Zeitpunkt verändert haben. Mit diesem Wissen, sagt er, sei es möglich, die zukünftige Entwicklung des Klimas genauer vorherzusagen. Dabei helfen ihm Proben des Meeresbodens, die er auf Forschungsreisen sammelt. Denn im Meeresboden lässt sich so einiges über die Vergangenheit unseres Planeten erfahren.

Unterwegs mit der "Polarstern"

Thomas' letzte Reise mit einem Forschungsschiff ging nach Las Palmas, südlich von Spanien. Mit der "Polarstern" fuhren er und etwa 20 weitere Studenten und Doktoranden von Bremerhaven Richtung Kanaren, um den Meeresboden zu untersuchen. Mit einem Echolot kartierten sie den Untergrund. Das heißt, sie maßen Tiefen und Höhen am Meeresgrund aus. Die gerade einmal einwöchige Ausfahrt war Teil einer sogenannten Transitfahrt, denn die "Polarstern" fuhr danach weiter nach Kapstadt und schließlich in die Antarktis.

An Bord mussten Thomas und die anderen rund um die Uhr die Geräte im Blick haben. Es habe immer jemanden gegeben, der vor dem Computer gesessen und kontrolliert habe, ob der Meeresboden durchgängig abgetastet wurde, erzählt er. Einen geregelten Tagesablauf gebe es an Bord eines Forschungsschiffes meist nicht: "Im Prinzip muss man zu jeder Tag- und Nachtzeit bereit sein, sobald man im Untersuchungsgebiet ankommt – ganz egal, wie spät es ist."

Telefonate für 70 Cent pro Minute

Die Regeln an Bord eines Forschungsschiffes seien natürlich nicht mit einer Fahrt auf einem Kreuzfahrtschiff vergleichbar, erklärt Thomas. "Wichtiger ist, dass die Leute an Bord damit zurecht kommen, wenig Zeit für sich zu haben." Wenn 50 bis 100 Menschen zusammen auf einem 100 Meter langen Schiff mehrere Monate gemeinsam verbringen, bleibe kaum Raum für Befindlichkeiten. Kontakt nach Hause können die Forscher per E-Mail und über ein Satellitentelefon halten, bei dem die Minute allerdings gerne auch mal 70 Cent kostet.

Fittnesstest und Blutwerte

Bisher hat Thomas zwei große Expeditionen auf einem Forschungsschiff hinter sich. Vor vier Jahren, auf seiner ersten großen Reise, ging es für drei Monate von Chile bis nach Neuseeland. Letztes Jahr fuhr er außerdem in die Antarktis. Vor jeder Expedition muss er vorweisen können, dass er gesund ist. Dafür geht er vorab zum Arzt, macht einen Fitnesstest und lässt seine Blutwerte testen. Bislang nie ein Problem: Thomas ist fit, denn er geht viel laufen und schwimmen. Aufgeregt fühle er sich vor seinen Reisen nicht, er lese lediglich etwas über das zu erforschende Gebiet, sagt er: "Meine Mutter sorgt sich wahrscheinlich mehr."

Nach der Expedition ist vor der Expedition

Wenn Thomas von einer Expedition zurückkehrt, geht die Arbeit direkt weiter. Aus seinen Meeresbodenproben muss er im Labor zunächst das Material, das ihn interessiert, aufbereiten. Danach untersucht er die Proben geochemisch, um anschließend am Computer seine Daten einzuarbeiten und zu interpretieren. Aktuell schaut er sich den Übergang von der letzten Eiszeit vor 30.000 Jahren zur heutigen Warmzeit an.

Thomas' Beruf klingt nach viel Abenteuer. Doch nicht jeder Meeresforscher arbeitet auf einem großen Forschungsschiff "offshore" auf der offenen See, sondern oft auch in Küstennähe von kleinen Motorbooten aus. Wer einen derartigen Job anstrebt, dem rät Thomas zum Beispiel zum Geologiestudium: "Da kann man sogar einen Tauchschein machen."

Ein Muss: naturwissenschaftliches Interesse

Doch auch ein Biologie- oder Marinebiologiestudium kann zum Beruf Meeresforscher führen, allerdings eher in Richtung Pflanzen und Lebewesen. Da die Ozeane zum Beispiel auch von physikalischen Kräften wie Windbewegungen bestimmt werden, bildet auch ein Physik- oder Ozeanografiestudium einen guten Ausgangspunkt. Thomas war in der Schule selbst eher durchschnittlich gut in Naturwissenschaften, "ein grundlegendes Interesse daran ist aber für jedes der Studienfächer notwendig", sagt er.

Es bestehe immer noch großer Forschungsbedarf, was das Meer und den Klimawandel angehe, meint Thomas. Aktuell setze die Überfischung die Fauna unter Druck, der CO2-Gehalt im Wasser steige, das Meer werde sauer und wärmer, Korallen könnten schlecht wachsen. Auch in Bezug auf die Tiefsee oder Rohstoffgewinnung durch heiße Unterwasserquellen, sogenannte Hydrothermalquellen, gelte es noch einiges herauszufinden.

Thomas nächste Expedition führt ihn Anfang Februar wieder mit der "Polarstern" in die Antarktis, um die Vergletscherungsgeschichte der Westantarktis zu erforschen. Dinosaurierforscher wird er jetzt wohl endgültig nicht mehr. Aber das sei wohl auch besser, so im Großen und Ganzen gesehen: "Die Zukunft des Meeres hängt auch ein bisschen von uns Meeresforschern ab."

Weitere Beiträge zu: Meer, Forschung, Ausbildung, Geologie.

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