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Die Autorin

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Ronja Baerecke (25)
studiert Medienmanagement.

Abgeordneter
"Jeder kann etwas tun"

29.05.2015 |

Der Müll in unseren Meeren muss bekämpft werden, findet Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU/CSU). Im Interview mit Ronja hat er erklärt, was Plastik in den Ozeanen anstellt, warum das Thema so wichtig beim G7-Gipfel ist und was jeder Einzelne tun kann.

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Ein weltweiter Fond zur Müllbeseitigung könnte eine machbare Lösung gegen die Plastikschwemme sein, meint Klaus-Peter Schulze von der CDU/CSU. – © Anna Rakhmanko

Beim G7-Gipfel Anfang Juni diesen Jahres ist ein großes Thema der Meeresschutz. Worum geht's dabei?

Der Meeresschutz muss zunehmend eine größere Rolle spielen. Wir reden hier von einer Vermüllung unserer Meere. Bestimmte Teile der Erde sind in einem schlechten Zustand: Atlantik, Indischer Ozean, die Binnenmeere und vor allem der Pazifik. Dort schwimmt ein Müllteppich, der drei- bis viermal so groß wie Deutschland ist. Das ist eine Gefahr für Tausende von Säugetieren und Vögeln. Die Biodiversität – also die biologische Vielfalt – leidet.

Wie kann man den Müll beseitigen? Und vor allem, wer soll das zahlen?

Um die Beseitigung zu bezahlen, müsste ein weltweiter Fond geschaffen werden, so wie es das auch für bestimmte Projekte der UNO gibt. In diesen Fond müssten alle Länder einzahlen. Dann kann ein Land den Auftrag bekommen, von dem Geld den Teppich zu entsorgen.

Kann das überhaupt funktionieren?

Das ist aus meiner Sicht durchaus machbar. Wir müssen die Leute an einen Tisch setzen und versuchen, die wirtschaftlichen Interessen und die Erhaltung der Natur auszubalancieren. Eine wichtige internationale Aufgabe. Die reichen Industrieländer müssen Entwicklungsländer unter anderem bei der Einführung von umweltrechtlichen Standards unterstützen. Denn die Menschen dort holen ihre Waren vor allem aus dem Meer. Dieses ist noch aus ganz anderen Gründen in Gefahr ...

... welche meinen Sie denn?

In vielen Entwicklungsländern gibt es Reedereien, die aus Kostengründen sehr geringe Umweltstandards haben. Es wird also nicht nur Plastikabfall ins Meer geworfen, sondern auch Schweröle. Tanks werden auf dem Meer ausgepumpt, gereinigt und damit kommen toxische Stoffe ins Wasser. Die sind noch gefährlicher als der Plastikmüll.

Gibt es Länder, die einfach nicht mitziehen wollen?

Norwegen beispielsweise – ein hochentwickeltes Land – lässt jetzt wieder zu, dass Bergbauabfälle in die Fjorde gekippt werden. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ebenso wie die dort erlaubte Jagd auf Wale. Dagegen haben sich fast alle Länder dieser Welt entschieden. Neben Norwegen betreibt auch Japan, allerdings unter dem "Deckmäntelchen" der Forschung einen Walfang im großen Stil – eine Riesenschweinerei. Ich hoffe, dass sich die Mehrheit der Staaten durchringen kann, gemeinsam ein weltweites Verbot durchzusetzen.

In wie fern kann Deutschland als Vorreiter dienen, wo wir doch gar nicht so viele Küsten und Meere um uns haben?

Deutschland hat 45 Prozent der angrenzenden Meere unter Naturschutz gestellt, damit sind wir auf einem guten Weg. Wir geben eine Menge Geld für Naturschutzprojekte und zur Erhaltung der Biodiversität aus – eine halbe Milliarde Euro – und ein Teil dieses Geldes muss in den Meeresschutz fließen.

Was kann der Einzelne tun, um zum Meeresschutz beizutragen?

Ein Beispiel: Wir bekommen Garnelen sehr preiswert beim Discounter, vor 25 Jahren waren die noch ein Luxusgut. Diese kommen aus Aquafarmen in Südostasien. Für diese Farmen wurden die Mangrovenwälder weitflächig abgeholzt, die aber eine große Rolle für den Küstenschutz gespielt haben. Indem wir also auf den Kauf solch billiger Produkte verzichten, können wir auch hier etwas tun.

Seit kurzem dürfen Länder der EU Plastiktüten verbieten. Sollte unsere Regierung das tun?

Wir sind in Deutschland weit unter dem EU-Durchschnitt was den Verbrauch von Plastiktüten angeht. Ich halte nicht so viel von Verboten. Ich finde es jedoch gut, dass Plastikbeutel was kosten. Aber ich persönlich habe in meinem Auto immer zwei bis drei Stoffbeutel oder einen Korb, und wenn ich einkaufen gehe, nehme ich die dann auch mit.

Über Dr. Klaus-Peter Schulze:

Dr. Klaus-Peter Schulze wurde am 3. Juli 1954 in Döbern geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er hat sein Diplom als Lehrer für Biologie und Chemie gemacht. Seit 2013 ist er Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Spremberg und Mitglied des deutschen Bundestages. Zudem ist er Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und im Ausschuss für Tourismus.

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