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Johannes Schwarz (21)
macht einen Freiwilligendienst

Wölfe
Schießen oder nicht?

28.02.2018 |

Rund 60 Wolfsrudel leben in Deutschland und es werden immer mehr. Während Tierschützer sich darüber freuen, sorgen sich Bauern um ihre Weidetiere. Was tun? Darüber diskutierte jetzt der Bundestag.

Er mag Rehe und Wildschweine, aber auch Ziegen und Kühe. – © dpa

Manche kennen ihn von einem Besuch im Zoo oder im Wildpark, andere von Büchern, aus Fernseh-Dokumentationen oder auch von Erzählungen: der Wolf. Seit dem Jahr 2000 ist das gelblich-graue oder auch grau-braune Raubtier in Deutschland wieder heimisch und immer wieder Thema – nicht nur in Märchen, sondern auch im Bundestag. Vier Anträge zum Canis lupus von vier Fraktionen lagen den Abgeordneten am 2. Februar zur Diskussion vor.

So kehrte er zurück

Seit dem 18. Jahrhundert galten Wölfe in Deutschland als ausgerottet. Ende des 20. Jahrhunderts kamen immer öfter einzelne Tiere vor allem aus Osteuropa zu uns. Mittlerweile gibt es in allen östlichen Bundesländern Wolfsrudel und auch im Rest der Bundesrepublik werden es immer mehr. 2016/2017 lebten in Deutschland 60 Rudel, 14 Wolfspaare und 3 sesshafte Einzeltiere (Kenntnisstand Februar 2018). Der Deutsche Jagdverband schätzt den aktuellen Wolfsbestand im Februar 2018 auf rund 800 Tiere in Deutschland, die Fortpflanzungsrate liege bei über 30 Prozent pro Jahr.

Nicht schießen!

Die Größe eines Rudels und der Reviere ist dabei sehr unterschiedlich: Sie hängt unter anderem davon ab, wie viele Beutetiere es auf der Fläche gibt. In Mitteleuropa gibt es Territorien, die bis zu 350 Quadratkilometer groß sind – das ist ungefähr die Fläche der Stadt München. Der Wolf wird durch das europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtliniengesetz (FFH) seit 2000 geschützt. Er darf bei uns nicht mehr bejagt werden.

Als Großraubtier sind seine Beute vor allem Rehe, Rothirsche und Wildschweine. Aber auch kleinere Tiere stehen auf der Speisekarte. Dabei macht der Wolf vor allem auf ältere, kranke oder junge Tiere Jagd, da sie eine leichte Beute sind. Eine willkommene Mahlzeit sind auch Nutztiere wie Schafe und Ziegen.

Der Böse?

Mehr Wölfe führen daher auch zu mehr "wolfsverursachten Schäden", wie die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf schreibt. Über 1000 Nutztiere rissen die Raubtiere in Jahr 2016. Die meisten Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere gebe es vor allem dort, wo Wölfe sich in neuen Territorien etablieren und die Schaf- und Ziegenhalter sich noch nicht auf deren Anwesenheit eingestellt hätten, heißt es bei den staatlichen Wolfsspezialisten.

Zwei Meinungen

Während Tierschützer sich also über die gerade wieder neu angesiedelten Wölfe freuen, sorgen sich viele Bauern um ihre Weidetiere. In letzter Zeit gab es besonders in Niedersachen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern immer wieder Übergriffe des Raubtieres auf Schafe, Ziegen oder Kühe.

Viele Menschen haben Angst vor den 70 bis 90 cm großen und bis zu 140 cm langen Tieren, die optisch einem großen Haushund ähneln. Manche fürchten um ihre Hunde oder andere Haustiere. Immer wieder sorgt es für große Aufregung, wenn irgendwo ein Wolf in der Nähe von Menschen gesichtet wird. Wolfs-Übergriffe auf Menschen gibt es bislang nicht. Gleichzeitig erregen sich Tierschützer, wenn wieder einmal ein erschossener Wolf aufgefunden wird. Ähnlich unterschiedlich wie in der Gesellschaft sind auch die Positionen im Bundestag.

Wolfsmanager

Die FDP fordert beispielsweise ein besseres "Management" im Umgang mit den Wölfen. Zur Erläuterung: "Wolfsmanagement" ist ein in der Fachwelt üblicher Begriff und bedeutet, Wölfe zu "vergrämen" oder dem "Bestand zu entnehmen". Ersteres meint, Wölfe, die Nutztiere reißen, zu vertreiben. Letzteres bedeutet, Wölfe zu erschießen.

Den besonderen Schutz der Tiere bewertet die Fraktion grundsätzlich positiv, sieht sich aber auch mit Zahlen wie diesen konfrontiert: Wölfe hätten 2016 mehr als 1.000 Nutztiere gerissen, heißt es in dem Antrag. Die FDP fordert ein "bundesweites Wolfsmanagement" und die Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz. Als "jagdbares" Tier würde der Wolf dann nicht zwangsläufig zum Abschuss freigegeben. Die Entscheidung dazu träfe der Jäger im betroffenen Bezirk.

Karlheinz Busen (FDP) meinte, es seien vor allem "Hobbyexperten", die den Wolf schützen wollen. Was seine Fraktion mit Wolfsmanagement meint, beschreibt der Abgeordnete so: "Wenn man Verbreitungsgebiete festgelegt hat und die Population im jeweiligen Verbreitungsgebiet gefestigt ist, dann kann und muss man Wölfe außerhalb dieser Gebiete auch entnehmen."

Problemwölfe

Die AfD-Fraktion möchte laut ihrem Antrag herauszufinden, welche Wölfe tatsächlich "echt" sind. Mischungen zwischen Wolf und Hund könnten keinen Schutzstatus mehr erhalten, schreibt die Fraktion. Außerdem will die Fraktion stärker gegen "Problemwölfe" vorgehen. Das seien zum Beispiel solche, die Schafe und Ziegen reißen. Außerdem sollen Wölfe auch dann gejagt werden können, wenn es in einem Gebiet recht viele von ihnen gibt.

Karsten Hilse (AfD) meinte, viele Menschen in Deutschland hätten einen zu romantischen Blick auf den Wolf und daran seien die Medien schuld. Wölfe hätten vielerorts die Scheu vor dem Menschen verloren und würden deshalb zu einer Gefahr.

Mehr Schutz und Forschung

Die Linksfraktion weist in ihrem Antrag zum einen darauf hin, dass der Wolf durch verschiedene internationale Abkommen und Richtlinien unter strengem Schutz stehe. Zum anderen betont sie, dass Wölfe vermehrt Nutztiere reißen, was ein Problem sei. Die Fraktion hat deshalb eine lange Liste mit Maßnahmen für einen besseren Herdenschutz aufgestellt und fordert wissenschaftliche Forschungen zur Entwicklung der Wolfspopulation.

Dr. Kirsten Tackmann (Die Linke) erklärte, dass es den Schäfern in Deutschland schon lange schlecht gehe, auch ohne den Wolf. Sie zitierte einen Schäfer, der meinte, es nütze gar nichts, den Wolf zu bejagen, denn einer könne genauso gefährlich werden wie zehn. Was helfen würde, sei Unterstützung beim Herdenschutz, bessere Preise für die Produkte der Schäfer und eine Weidetierprämie.

Wölfe und Elefanten

Die Grünen weisen auf das weltweite Artensterben hin und ziehen einen Vergleich zwischen Wölfen und Elefanten. Wie wir von afrikanischen Staaten fordern würden, dass sie ihre Elefanten schützen, seien auch wir verpflichtet, unsere Wölfe zu schützen. Eine Jagd auf Wölfe lehnen die Grünen grundsätzlich ab, da die aktuelle Population in Deutschland noch nicht stabil sei (was bedeutet, die Wölfe könnten in Deutschland jederzeit wieder aussterben). Nur ganz schlimme Problemwölfe sollten getötet, zudem der Herdenschutz verbessert werden.

Bestände regulieren

Union und SPD äußerten sich zu den Vorlagen der anderen Fraktionen wie folgt: Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU/CSU) sprach während der Debatte im Bundestag über die Schwierigkeiten beim Herdenschutz. Der könne nur durch jede Menge Zäune gewährleistet werden, und das sei erstens teuer und zweitens würden dadurch wertvolle natürliche Lebensräume zerschnitten. Der Abgeordnete will deshalb die Wolfspopulation eher klein halten. In Gebieten, wo Zäune schwierig sind, sollten "ganze Rudel" entnommen werden.

Carsten Träger (SPD) erklärte, die FDP fordere seiner Meinung nach in ihrem Antrag eine Senkung des Schutzstatus und "Abschüsse von Wölfen". Die von der AfD erwähnten Wolfsmischlinge bezeichnete er als "kompletten Unfug". Träger plädierte für besseren Herdenschutz und vor allem mehr Entschädigung für betroffene Tierhalter. Im Koaltionsvertrag von SPD und Union steht übrigens: Problemwölfe entnehmen, Schutzstatus überprüfen und den Bestand regulieren.

Die Anträge wurden an den Umweltausschuss überwiesen. Wie genau mit den grauen Waldbewohnern also in Zukunft umgegangen wird, wird nun dort weiter diskutiert. Die komplette Diskussion könnt ihr euch übrigens in der Mediathek anschauen.

Kommentare

 

Shordan schrieb am 28.06.2018 21:09

Es ist eine Schande! Heute haben soviele einen Hund und weiß einer woher der stammt? Da tut man so als wüßte man nix! Jeder Bauer, der nicht in der Lage ist seine Zäune zu sichern, den kann man nicht mehr helfen! Wenn man schon Sperrdraht für 50 EUR auf 50 Meter bekommt! Aber dies wäre ja arbeit und der Mensch ist faul, der Wolf auch! Darum nimmt er sich die leichte Beute! Mal ein bißchen weiter denken, als der Hintern auf der Schüssel! Wenn der Wolf sich so vermehrt, zeigt es, dass genug Beute im Wald ist! Macht der Bauer sich zur leichten Beute, sollte ein Ausbau der Zäune erfolgen und bis dahin eine Fütterung der Wölfe, weiter entfernt. Bsp. Schweisabfälle usw. so wäre auf der Weide erstmal ruhe, bis die Sicherheit wieder gegeben ist! (Ausbau) - Wer dazu inicht im stande ist, lieber Wölfe schießen will und nur rum jauöt ohne selbst was zu machen. Gehört öffentlich am Pranger, wie im Mittelalter!

 

 

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