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Der Autor

Ein dunkelhaariger Junge schaut in die Kamera

Jens Augspurger (20)
studiert Politikwissenschaft

Porträt
Felix macht Autos schlau

20.01.2015 |

Sein Traum: Elektroautos, die einen selbstständig vom Bahnhof abholen. Deshalb arbeitet Fahrzeugtechnik-Student Felix daran, E-Autos autark zu machen.

Ein junger Mann steht mit Stecker in der Hand zwischen einem Elektroauto und einer Ladestation mit Steckdose.

Null Kohlenstoffdioxid, null Feinstaub, null Auspuff – mit diesen Werten ist das Elektroauto für Felix das ideale Fortbewegungsmittel. – © Thoralf Reis

"Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung." Das Zitat, das dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) zugesprochen wird, ist aus heutiger Sicht ein absoluter Irrtum.

44 Millionen Autos

Nachdem das Auto 1885 hierzulande erfunden wurde, brummen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes inzwischen in Deutschland fast 44 Millionen Wagen über unsere Straßen. Wer hätte zu Kaiser Wilhelms Zeiten gedacht, dass wir heute schon vor einer zweiten mobilen Revolution stehen? Denn Treibstoffe werden wird immer teurer, Städte größer und verschmutzter und die politischen Klimaziele dringender. E-Mobilität könnte eine Lösung für drängende Probleme sein.

Das Auto wird schlauer

Die Auto-Traditionsstadt München: Hier sitzt Felix (23), der gerade an seiner Bachelorarbeit schreibt. Als angehender Fahrzeuginformatiker der Technischen Universität Ingolstadt hat er ein Konzept mitentwickelt, wie sich Fahrzeuge selbstständiger zurechtfinden.

Felix ist ein Autoliebhaber. Aber irgendwie anders: Für ihn zählen nicht PS und Schnelligkeit, sondern Intelligenz und Innovation. "E-Mobility und Automatisierung von Fahrzeugen, das sind für mich zwei zusammengehörige Zukunftsthemen. Nachhaltigkeit heißt auch, Autos intelligent zu machen", meint Felix.

Leiser und sauber

Ein Ziel der Energiewende ist beispielsweise lokale Emissionsfreiheit, also null CO2- oder Feinstaubausstoß innerhalb eines Stadtgebietes. "Ein Elektroauto ist da ideal, das hat nicht mal einen Auspuff. Die städtische Luft bleibt sauber und leiser ist es auch." Das Thema Elektromobilität ist ein weites Feld, es dreht sich nicht alles um Autos. "Klar gibt es da auch Elektroroller und etliche andere Modelle", meint Felix. "Aber ich denke, gerade in Europa wird das Auto nach wie vor eine der Hauptrollen spielen."

Elektroautos - ein alter Hut?

Seit einigen Jahren gibt es auch politischen Druck. Die EU hat festgelegt, wie viel CO2 ein Auto künftig ausstoßen darf, sogar Steuern werden daran bemessen. "Die deutschen Hersteller haben den Trend zum Elektroantrieb anfangs wohl ein wenig verschlafen", räumt Felix ein. Dabei ist das gar keine so neue Sache, erklärt er mir.

Erste Fahrzeuge mit Elektroantrieb gab es schon kurz nach dessen Erfindung im frühen 19. Jahrhundert. Erst später hat der Verbrennungsmotor mehr Mobilität gebracht. Die Entwicklung kennt Felix bis ins Detail: Es sei eigentlich nie um die Motoren gegangen, sondern um die Energie. Benzin konnte man einfach mitnehmen, Strom nicht. "Heute gibt es Akkus, die immer besser werden. Im städtischen Verkehr reicht das schon. Wer aber weitere Strecken zurücklegt, kommt schon mal an die Grenzen des Energiespeichers."

Das Auto holt mich vom Bahnhof ab

Es gibt aber auch Ideen, die das Auto nur als einen Teil von Mobilität sehen. Car Sharing ist so ein Konzept. Man mietet das Auto nur, wenn man es auch braucht, und teilt es mit vielen. Felix träumt von einer Stadt, in der öffentliche Verkehrsmittel und selbstfahrende Elektroautos uns von Tür zu Tür bringen – Car Sharing 2.0.

"Da weiß das Auto dann ganz genau, wann mein Zug ankommt und holt mich am Bahnhof ab, alles elektrisch natürlich. Danach fährt es alleine in die Ladestation, bevor es erneut aufbricht."

Mehr Fahrspaß

"Langfristig wird Elektromobilität besonders in großen Städten das Rennen machen", so Felix' Prognose, "dafür sollte der Strom aus erneuerbaren Quellen kommen und die Akkus noch leistungsfähiger werden." Dass vor allem in Europa so mancher Elektroautos ein bisschen langweilig findet, kann er nicht nachvollziehen. "Damit lässt sich die Welt verändern. Und Elektrofahrzeuge bringen viel mehr Fahrspaß, weil sie die Energie besser auf die Straße übertragen."

Jüngst vorgestellte Fahrzeuge mit ausschließlichem E-Antrieb sind ganzheitlich durchdacht, haben beispielsweise neue Karosseriematerialien und sind insgesamt auf das Fahren mit Strom besser ausgerichtet.

Noch zu teuer für Studis

Bis das alles einmal bezahlbar wird, will Felix erstmal noch "klassisch" fahren, "für mich als Student ist Elektro erstmal noch nicht realistisch: zu teuer und zu wenig Ladestationen." Aber er warnt auch vor zu viel Euphorie: "Man darf die Verbrennungsmotoren erst mal nicht links liegen lassen. Die können noch viel effizienter werden. Und derzeit brauchen wir sie noch."

Weitere Beiträge zu: Elektroauto, Fahrzeugtechnik, E-Mobilität.

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