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Pro und Contra
Kostenloser Nahverkehr

28.03.2018 |

Fahrten mit Bussen und Bahnen in Städten kostenlos anbieten? Dieser Vorschlag wurde gerade im Bundestag diskutiert. Lisa ist dafür, dies sei sozial und umweltfreundlich. Tim meint hingegen: Das Geld, was dies kosten würde, sollte man besser in mehr Busse und Bahnen stecken.

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Contra

Tim (17): Besser Nahverkehr für alle

Kostenloser Nahverkehr, das hört sich erst einmal toll an. Wer möchte nicht umsonst den Bus, die Straßen-, S- oder U-Bahn benutzen? Und unsere Smog-Probleme in den Innenstädten wären damit auch gelöst.

Wird Probleme nicht lösen

Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Doch leider wird der kostenlose Nahverkehr unsere Probleme nicht lösen, sondern uns eher vor die Frage stellen: kostenloser Nahverkehr oder Nahverkehr für alle? Im Jahr 2015 nutzten laut Statistischem Bundesamt lediglich knapp 11 Millionen Deutsche täglich den öffentlichen Nahverkehr, im Vergleich zu mehr als 40 Millionen, die Hälfte der Deutschen, die den öffentlichen Nahverkehr seltener als einmal im Monat oder nie benutzen (der Rest benutzt ihn mittelhäufig). Unser Ziel als Gesellschaft sollte es also sein, mehr Menschen dazu zu bringen, den öffentlichen Nahverkehr regelmäßig zu benutzen, anstatt ins Auto zu steigen.

Alles unpraktisch

Doch ist der kostenlose Nahverkehr tatsächlich die Lösung? In Tallinn gibt es ihm bereits seit fünf Jahren. Eine Studie der Uni Derlft (Niederlande) kommt jedoch zu dem Ergebnis: Einen großen Effekt auf die Menge an Schadstoffen, die von Autos ausgestoßen werden, gibt es in Tallinn nicht. Eher seien Fußgänger auf Öffis umgestiegen, als Autofahrer auf Bus und Bahn. Es scheint also, dass Menschen den öffentlichen Nahverkehr nicht meiden, weil er zu teuer ist, sondern weil er nicht praktisch genug ist.

Besser Nahverkehr ausbauen

Alleine in Hamburg würde die Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs an die 800 Millionen Euro kosten. Das sind 800 Millionen Euro, die nicht in neue Linien, effizientere und bessere Busse und Bahnen oder ein besseres Nahverkehrsangebot auch abseits der großen Städte investiert werden könnten.

Es steht außer Frage, dass in Deutschland der Nahverkehr für Schüler, Senioren, Menschen mit besonderen Bedürfnissen und einkommensschwache Menschen weiterhin verbilligt sein sollte, doch gleichzeitig müssen wir auch eine Ausweitung und Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs fordern, damit Menschen wirklich darüber nachdenken, ihr Auto stehen zu lassen.

Millionen zum Umstieg ermuntern

Geld scheint in den wenigsten Fällen ein Argument gegen das Auto zu sein, wenn man bedenkt, dass damit eine Strecke von A nach B, alle Kosten eingerechnet, nahezu immer teurer ist. Anstelle eines kostenlosen Nahverkehrs brauchen wir einen Nahverkehr für alle in Deutschland.

Es ergibt wenig Sinn, wenn Menschen auf dem Land für etwas mit Steuergeld bezahlen, das sie nicht einmal haben. Daher sollten wir das Geld dort investieren, wo es 40 Millionen Deutsche zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegen könnte, anstelle es dafür zu verwenden, das Pendeln für 10 Millionen Deutsche kostenlos zu machen.

Sollen Bus und Bahn kostenlos sein?





Kommentare

 

Ute schrieb am 20.09.2018 12:00

Dann könnte man auch Verspätungen und Ausfälle gelassener nehmen. Denn so kommt es einen vor, jedes jahr teurer, unnd jedes Jahr unzuverlässiger.

 

 

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