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Tim Oswald (17)
ist Schüler

Schiffs-Recycling
Zum Sterben nach Fernost

19.12.2018 |

Geht das Leben eines Schiffes zu Ende, wird es ausgeschlachtet – häufig ist das gefährlich für Mensch und Natur. Der Bundestag möchte Abhilfe schaffen und macht sich für ein Welt-Abkommen stark. Das ist eine zähe Angelegenheit, wie Tim herausgefunden hat.

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Hier landen auch deutsche Pötte: Abwrackwerft in Chittagong (Bangladesch) – © picture alliance

Mit 2500 Schiffen um die Welt

Vieles von dem, was wir für unser tägliches Leben brauchen, kommt nicht aus Deutschland. Es wird mit dem Schiff zu uns gebracht. Dementsprechend gibt es unzählige Handelsschiffe auf dieser Welt, die tagein, tagaus den Gefahren der Weltmeere trotzen und Waren sicher zu den Kunden bringen.

Deutsche Schiffseigner schicken aktuell knapp 2500 Pötte um die Welt, davon fahren allerdings nur rund 300 unter deutscher Flagge. Diese Schiffe bringen hunderte Millionen Tonnen Seefracht in deutsche Häfen. Wichtigste Güter waren dabei Öl, Eisenerz, Getreide und Kohle.

Mit Wucht auf den Strand

Doch irgendwann geht auch das Leben eines Schiffes zu Ende. Dann muss es abgewrackt, also in Einzelteile zerlegt und entsorgt werden. Das passiert aber nicht in Deutschland selbst, sondern auf irgendwelchen Schiffsfriedhöfen in aller Welt, meist in Fernost. Und das häufig zu gefährlichen Bedingungen für Mensch und Natur.

Der Bundestag möchte dies ändern und hat dazu einen Gesetzentwurf beschlossen. Damit kann Deutschland ein internationales Abkommen unterschreiben, dass Besserung bringen soll. Allein zwischen 2006 und 2015 wurden laut Gesetzentwurf 97 Prozent aller Schiffe weltweit "in Bangladesch, China, Indien, Pakistan und der Türkei abgewrackt." Auf nicht zertifizierten Abwrackwerften werden die Schiffe einfach mit Wucht auf den Strand gefahren und danach dort auseinandergebaut.

Gefahr für Mensch und Umwelt

Diese Prozesse sind in vielen Ländern jedoch nur wenig reguliert. So gelten in Bangladesch natürlich nicht die europäischen Gesetze zum Arbeitnehmer- oder Umweltschutz. Dementsprechend sickern beim Abwracken der Schiffe häufig Giftstoffe wie Blei oder Asbest in den Boden und ins Meer.

Auch der Arbeitsschutz ist vergleichsweise schlecht. Die Arbeiter haben häufig nur unzureichende oder unsichere Werkzeuge und sind für einen äußerst geringen Lohn der Gefahr ausgesetzt, beispielsweise von herunterfallenden Stahlteilen erschlagen zu werden oder mehrere Meter in die Tiefe zu stürzen.

Was steht im Abkommen?

Das "Internationale Übereinkommen von Hongkong", dem Deutschland nun beitreten will, soll für das sichere und umweltgerechte Recycling von Schiffen durch verschiedene Maßnahmen sorgen.

Hierbei liegt der Fokus vor allem auf zwei Dingen: Zum einem soll für jedes Schiff eine Inventarliste über die im Schiff enthaltenen gesundheitsschädlichen und gefährlichen Stoffe wie etwa Asbest geführt werden, damit dies beim Recycling berücksichtigt werden kann und die Arbeiterinnen und Arbeiter nicht unnötig gefährdet werden. Zum anderen sollen die Abwrackwerfen zertifiziert werden, um so sicherzustellen, dass dort die notwendigen Standards zum Umweltschutz und zur Arbeitssicherheit eingehalten werden. Unterzeichnerstaaten des Abkommens müssen sich eben dann auch an genau diese Bestimmungen in Bezug auf ihre jeweilige Schiffsflotte halten.

Alle Bundestagsfraktionen dafür

Die Abgeordneten des Ausschusses für Verkehr und Digitale Infrastruktur hatten das Thema beraten. Die Fraktion der CDU/CSU betonte, dass die Unterschrift unter dem Abkommen dringlich sei, vor allem da es bereits aus dem Jahr 2009 stamme. Ferner führte die Union aus, dass sie die Ziele des Abkommens, den Schiffsbau und das Schiffsrecycling umweltverträglicher zu machen, begrüße.

Die SPD-Fraktion kritisierte vor allem die Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Abwrackeinrichtungen. Zudem bedauerten die Sozialdemokraten, dass so viel Zeit für das Abkommen benötigt werde. Sie wünschten sich von der Bundesregierung, dass diese andere Länder zum Unterzeichnen der Konvention bewegen solle, damit diese möglichst bald in Kraft treten könne.

Preis-Dumping stoppen

Die AfD-Fraktion begrüßte ebenfalls den Beitritt zum Abkommen und machte dabei vor allem auf das Preis-Dumping der asiatischen Werften aufmerksam. Sie mahnte jedoch auch, dass das Abkommen aufgrund von Korruption in den betroffenen Ländern möglicherweise nicht seine volle Wirkung entfalten könnte und forderte, das Umgehen der Bestimmungen so gut es geht zu verhindern.

Die FDP-Fraktion schloss sich der Begründung der anderen Fraktionen an und sprach sich für das Abkommen aus.

Die Linke stellte die aktuelle Situation als inakzeptabel dar und begrüßte das Abkommen. Sie forderte ebenfalls, dass die Bundesregierung andere Länder dazu bewegen solle, dem Abkommen beizutreten, damit es in Kraft treten könne.

Chance für deutsche Werften

Die Grünen griffen alle von den anderen Fraktionen genannten Argumente auf und betonten, dass sich Deutschland vor allem für die Ratifizierung des Abkommens durch Liberia und die Marschallinseln einsetzen solle, da unter deren Flagge viele Schiffe fahren. Sie brachten außerdem ein, dass dieses Abkommen auch eine Chance für deutsche und europäische Werften sein könnte. Denn wenn sich alle Abwrack-Länder an die neuen Normen hielten, könne die asiatische Konkurrenz kaum noch mit den bisherigen Billigpreisen punkten.

Titanic und kleiner

Dass der Bundestag die Entscheidung über den Beitritt zum Übereinkommen von Hongkong einstimmig gefällt hat, macht klar, dass es hierzulande als sehr wichtig erachtet wird.

Das Abkommen gilt für Schiffe ab einer Bruttoraumzahl (BRZ) von 500 (Größe zum Beschreiben der Größe eines Schiffes). Zum Vergleich: Die Titanic hatte eine BRZ von rund 46.000, heutige Kreuzfahrtschiffe sind zum Teil um ein Vielfaches größer.

Wie geht's weiter?

Bislang ist das Abkommen noch nicht in Kraft getreten. Obwohl es bereits 2009 ausgearbeitet wurde, sind bisher nur sechs Länder beigetreten: Norwegen, Kongo, Frankreich, Belgien, Dänemark und Panama. Insgesamt sind aber mindestens 15 Ländern notwendig, deren Schiffe mindestens 40 Prozent des weltweiten Warenverkehrs auf dem Wasser ausmachen müssen, damit es überhaupt in Kraft treten kann.

Gleichzeitig verpflichten sich die Länder mit dem Abkommen, bereits beim Bau auf die Umweltverträglichkeit zu achten. Dies bedeutet, dass gewisse Stoffe, die im Vertrag aufgelistet sind, nicht mehr beim Bau von Schiffen verwendet werden dürfen – etwa Asbest und jegliche Stoffe, die zu einem Abbau der Ozonschicht führen. Dann wird auch das Abwracken einfacher.

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