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Der Autor

Leon Hanschmann 68x68

Leon Hanschmann (17)
ist Gymnasiast aus Berlin

Wetterdienst
Futter für Wetterfrösche

28.02.2017 |

Glatteis-Warner oder Migräne-Apps: Es gibt allerhand, was findige Unternehmer aus Wetterdaten entwickeln können. Deshalb soll der Deutsche Wetterdienst seine Messergebnisse bald kostenlos anbieten. Bei einer Diskussion im Bundestag waren noch Fragen offen.

Der Deutsche Wetterdienst schaut nicht nur in die Zukunft, er archiviert auch Wetterdaten und baut so eine sehr detaillierte Wetter-Bibliothek auf. – © dpa

Januar 2015: Ein Sturmtief zieht über Deutschland hinweg und richtet starke Verwüstungen an. Das auf Kyrill getaufte Unwetter legt den Bahnverkehr lahm. Es kommt zu Toten und Verletzten.

Zahlen und Kurven

Nicht nur in Extremsituationen wie diesen ist die Bevölkerung auf zuverlässige Wetterprognosen angewiesen. Die erste Quelle für Sturm- oder Hitzewarnungen ist in Deutschland der Deutsche Wetterdienst (DWD). Während diese Warnungen öffentlich sind, gibt der Wetterdienst detaillierte Messergebnisse nur gegen Gebühr heraus. Das sind jene Zahlen und Kurven, mit denen viele Meteorologen im Fernsehen und bei privaten Wetterdiensten weiterarbeiten. Nun soll sich das ändern. Bei einer Regierungsbefragung Mitte Januar stellte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Bundestag seine Pläne vor.

Zum Hintergrund

Dies Gesetzesnovelle ist bisher nur vom Kabinett beschlossen worden, noch nicht vom Bundestag. Wenn die Regierung ein Gesetz vorschlägt oder ein bestehendes ändern möchte, dann beraten das zunächst die zuständigen Minister untereinander, anschließend stimmen alle Minister, also das Kabinett, darüber ab. Dann kommt der Entwurf in den Bundestag und wird dort diskutiert, gegebenenfalls verändert und es wird abgestimmt (1. bis 3. Lesung). In Regierungsbefragungen fragen jedoch auch schon mal Abgeordnete vor den offiziellen Beratungen nach Plänen der Regierung.

Die Wetterdaten

Zu den Zielen der digitalen Agenda der Bundesregierung gehört neben dem Breitbandausbau auch, dass mehr öffentlich finanzierte Daten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Der Deutsche Wetterdienst untersteht als Obere Bundesbehörde direkt dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Seine meteorologischen Wetterdaten können Unternehmen derzeit kaufen, um sie für ihre eigenen Dienste einzusetzen.

Wer braucht Wetterdaten?

Das machen zum Beispiel Flughäfen, Autobahnmeistereien, private Wetterdienste oder Betreiber von Windkraftanlagen. 350 Millionen Euro stehen dem DWD für seinen Service 2017 zur Verfügung. Der größte Teil davon sind Steuermittel. Bei gut 17 Millionen Euro liegen die geplanten Einnahmen des DWD für 2017, davon sollen 8 Millionen Euro aus den Gebühren für den Flugwetterdienst kommen. Die Einnahmen fließt direkt in den Bundeshaushalt.

Bislang kaum zu finden unter den Nutzern des Wetterdienstes: Kleinere Unternehmen oder Start-Ups. Und genau das will Dobrindt ändern. Er sieht den Vorstoß als "Voraussetzung für Innovationen" und als Chance, neue Konzepte oder Dienstleistungen zu fördern – beispielsweise die Entwicklung von Wetter- oder Migräne-Apps oder Technologien für selbstfahrende Autos, die auf detaillierte Wetterprognosen angewiesen sind.

Was tut der Deutsche Wetterdienst?

Was bedeutet das für den Deutschen Wetterdienst? Das wollten die Abgeordneten auch bei der Regierungsbefragung im Januar wissen. Die Aufgaben, Funktionen und Arbeitsweisen des Deutschen Wetterdienstes sind im Gesetz über den deutschen Wetterdienst vom 10. September 1998 geregelt. Der Dienst an sich existiert bereits seit 1952.

Damals wurden die Wetterdienste der verschiedenen westalliierten Besatzungszonen zusammengeführt. Die Bundesbehörde ist im Wesentlichen dafür verantwortlich, das Klima in Deutschland zu überwachen und meteorologische Dienstleistungen zu erbringen – Wettervorhersagen also. Ihre Daten bezieht die Behörde durch ein umfangreiches Netzwerk aus meteorologischen Messstationen, die im ganzen Land verteilt sind. Außerdem arbeitet der DWD eng mit anderen Wetterbehörden weltweit zusammen, gibt Sturmwarnungen heraus und führt ein Wetter-Archiv.

Stimmen im Bundestag

Alexander Dobrindt betonte, dass das Gesetz die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden im Katastrophen-, Bevölkerungs- und Umweltschutz stärken wird. Auch Claudia Lücking-Michel (CDU/CSU) lobte das Vorhaben, diese Rohdaten des DWD kostenfrei zugänglich zu machen.

Allerdings: Neben dem staatlichen Dienst gibt es auch private Anbieter, die zum Teil mit den Daten des DWD weiterarbeiten und nur selten eigene Messstationen betreiben. Sie sind im Verband Deutscher Wetterdienstleister organisiert und sehen beispielsweise in der "WarnWetter"-App des DWD eine Konkurrenz, der sie nicht standhalten könnten. Ihre Kritik, der DWD nutze staatlich finanzierte Datenerhebungen, um den Privaten Konkurrenz zu machen, kann Lücking-Michel nachvollziehen.

Nicht in Wettbewerb treten

Dies sah der Minister anders: "Unser Ziel ist es gerade, private Anbieter zu unterstützen." Hinsichtlich der von Lücking-Michel angesprochenen Unwetterwarn-App des DWD sagte Dobrindt: "Vor Unwettern zu warnen, ist eine klassische Aufgabe des Deutschen Wetterdienstes." In einen Wettbewerb mit privaten Anbietern wolle der DWD als nicht-gewinnorientierte Behörde nicht eintreten.

Die Sprecherin für Energie- und Klimapolitik der Fraktion Die Linke, Eva Bulling-Schröter, wollte von Dobrindt wissen, ob der DWD überhaupt ausreichend Personal hat, um seinen neuen Aufgaben gerecht zu werden, zumal sie gehört habe, dass "viele Stellen nur noch befristet sind und frei werdende Stellen nicht mehr besetzt werden." Dobrindt erwiderte, dass die Personalstärke in der Vergangenheit stets ausgereicht habe, um seinen Aufgaben nachzukommen. Er sehe aber auch den Veränderungsprozess und dass neue Aufgaben neue Mitarbeiter verlangen.

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